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Die «Spectators» in Spanien

Die kleinen Schriften der 1780er Jahre

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Klaus-Dieter Ertler, Elisabeth Hobisch and Andrea Maria Humpl

Die Moralischen Wochenschriften oder Spectators sind eine aus der protestantischen Ethik des frühen 18. Jahrhunderts stammende Gattung, die sich in den katholischen Ländern tendenziell mit einer Verzögerung von einem halben Jahrhundert etablierte. In Spanien dominierten zwei Wochenschriften, die jeweils eine ganze Dekade prägten: El Pensador (1760er Jahre) und El Censor (1780er Jahre). Diese Studie beschreibt die im zeitlichen Umfeld des Censor entstandenen kleineren Wochenschriften wie etwa El Curioso Entretenido, El Apologista Universal, El Duende de Madrid sowie El Argonauta Español und untersucht ihre formalen und thematischen Charakteristika.
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El Observador

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José Marchena (=Abate Marchena)

(1787)

1. Formale Aspekte1

Die sechs Nummern des Observador stammen aus der Feder von José Marchena (1768–1821)2 und erschienen kurz nach dem wegen eines Konflikts mit der Zensur eingestellten Censor3 im Herbst 1787. Nach der sechsten Nummer wurde die Weiterführung der Zeitschrift aber mit der Begründung, dass eine Nummer schwere Angriffe auf die Universität von Salamanca enthalte, verboten. Damit ähnelt das Schicksal des Observador dem seines erklärten Vorbilds, dem Censor, an dem er sich anscheinend auch orientiert, als er den einzelnen Nummern ein lateinisches Motto mit einer spanischen Übersetzung voranstellt. Im Jahre 1790 wurde von der Inquisition schließlich jegliche Publikation der Zeitschrift untersagt, was innerhalb der spanischen Presselandschaft ein besonders strenges Urteil darstellte.4

Obwohl die Zeitschrift keine Leserbriefe enthält, erfüllt sie im Bereich der narrativen Strukturierung und den miteinbezogenen literarischen Formen fast alle Kriterien des spectatorialen Genres. In der ersten Nummer stößt der Leser auf ein ausführliches Selbstportrait des fiktiven Herausgebers, der in der restlichen Zeitschrift die dominante Erzählstimme bleibt. Dort findet sich auch eine Einladung an die Leserschaft, sich mit Briefen an den Herausgeber am journalistischen Unternehmen zu beteiligen. In den weiteren Nummern gibt es sowohl eine Traumerzählung, die als Metapher für die spanische Geschichte auszulegen ist, eine Art philosophischer Essay über Nächstenliebe und Freundschaft, als auch mehrere Dialoge, an denen der fiktive Herausgeber beteiligt ist. Darüber hinaus kann...

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