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Die katholische Kirche Polens und die «Wiedergewonnenen Gebiete» 1945–1948

2 Bände

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Robert Zurek

Im Jahre 1945 wurden die deutschen katholischen Kirchenstrukturen östlich der Oder und Neiße durch eine vorläufige polnische Kirchenverwaltung ersetzt. Das katholische Kirchenleben in den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurde innerhalb von wenigen Jahren fast vollständig polonisiert. Diese Vorgänge stellen seit Jahrzehnten ein sehr umstrittenes, aber immer noch schwach erforschtes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte dar. In der vorliegenden Monographie werden sie zum ersten Mal umfassend rekonstruiert und analysiert.
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6. Die Haltung der polnischen Priester und Laien

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Im Rahmen dieser Studie war es nicht möglich, eine systematische Quellenrecherche zu den gegenseitigen Beziehungen deutscher und polnischer Priester und Laien in den Oder-Neiße-Gebieten 1945-1948 durchzuführen. Dennoch konnten zahlreiche Quellen erfasst werden, die zusammen mit den spärlichen Angaben der Fachliteratur einen zwar nicht vollständigen, aber doch tiefgreifenden Einblick in die Problematik ermöglichen.

Bislang liegen zu diesem Thema keine Forschungen vor. Vereinzelte polnische Autoren, die sich dazu äußerten, verbreiteten anhand nicht repräsentativer Quellen ein erbauliches Bild:

Die Priester machten keine Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen – auch den Deutschen. Dieses Verhalten lehrte Toleranz für andere. In den ersten Nachkriegsjahren feierte ein deutscher Pfarrer in vielen Gemeinden Messen für Deutsche und Polen. Es kam vor, dass er die Messe auf Latein zelebrierte, und das Evangelium von einem der Gemeindemitglieder auf Polnisch vorgelesen wurde […]. Später, als ein polnischer Priester ankam, hatte die Gemeinde zwei Pfarrer: für die deutsche und die polnische Bevölkerung. Im Laufe der Zeit, nachdem die deutschen Priester ausgereist waren, übernahmen polnische Priester die Sorge um die verbliebenen Deutschen […]. Somit war die Kirche ein Ort, an dem die Annäherung der polnischen und deutschen Bevölkerung stattfand.1

Die deutsche Wahrnehmung wird hingegen durch Veröffentlichungen einiger Augenzeugen und Publizisten aus dem katholischen Vertriebenenmilieu geprägt, die gezielt ein schwarzes Bild der polnischen Kirche verbreiteten, nicht zuletzt, um sie vor dem Vatikan zu diffamieren.

Ein gutes Beispiel für diese Praxis liefert...

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