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Kinder- und Jugendliteraturforschung international

Ansichten und Aussichten- Festschrift für Hans-Heino Ewers

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Gabriele von Glasenapp, Ute Dettmar and Bernd Dolle-Weinkauff

32 Autorinnen und Autoren reflektieren die internationale Verankerung, die theoretisch-methodische Ausdifferenzierung und das Forschungsinteresse an Geschichte und Gegenwart der Kinder- und Jugendliteratur. Sie beschäftigen sich in vier Schwerpunkten mit der Theorie, der Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte, mit kinder- und jugendliterarischen Medien sowie in zahlreichen Einzelstudien mit Gattungen, Formen und Themen historischer wie aktueller Kinder- und Jugendliteratur und -medien. Der Band ist Hans-Heino Ewers gewidmet, der in seiner über 25-jährigen Lehr- und Forschungstätigkeit maßgeblich zur theoretisch-systematischen Fundierung dieser vergleichsweise jungen Fachdisziplin beigetragen und wesentliche Impulse für die weitere Forschung gegeben hat.
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„Es ist eine Freude an der Sache dabei, ein Mit- und Selbstgenuß“. Das Jesuitendrama als jugendliterarische Gattung (am Beispiel des Prodigusstücks): Otto Brunken

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Es ist bemerkenswert, dass die historische Kinder- und Jugendliteraturforschung bislang keine Untersuchung zum Jesuitendrama hervorgebracht hat, obwohl die Stücke der Patres allein im deutschsprachigen Raum zu Tausenden zählen und die jesuitische Aufführungspraxis die Entwicklung – nicht nur – der deutschen Bühne maßgeblich beeinflusst hat.

Nach einigen grundlegenden, historische Aspekte (vgl. Wolf 2000, 185ff.; Szarota 1979-87) jedoch aussparenden Bemerkungen zum Jesuitendrama werde ich mich in diesem Beitrag mit jesuitischen Schuldramen auseinandersetzen, die das Motiv vom verlorenen Sohn (Lc 15, 11-32) zum Ausgangspunkt haben. Das Jesuitendrama traktiert eine Vielzahl von Themen, häufig v. a. das Leben der Märtyrer und Heiligen, Legendenstoffe, biblische Geschichten und Gleichnisse, Ereignisse aus der Kirchen-, aber auch der weltlichen Geschichte, Bekehrungserlebnisse, die Missionstätigkeit des Ordens (v. a. in Ostasien), dazu aus der literarischen Tradition und der Literatur der Zeit entliehene Stoffe. Aus jugendliterarischer Perspektive interessant sind aber insbesondere Stücke mit jugendlichen Protagonisten, wie sie in den sog. ‚Prodigusstücken‘1 auftreten, die auf eine Beeinflussung des aktuellen moralischen Verhaltens der Schüler abzielen. In ihnen zeigt sich – zeituntypisch und jugendliterarhistorisch schon bemerkenswert früh – das Bemühen, sich durch thematische Akkomodation (vgl. Ewers 2012, 171ff.) auf das Verständnis und die Bedürfnisse junger Rezipienten einzustellen; auch lassen sich an den Prodigusstücken Unterschiede zum protestantischen Schuldrama besonders gut verdeutlichen.

Das Jesuitendrama stellt zunächst einen „Sondertypus des Schuldramas“ dar (Wimmer 2007, 196). Theater wurde an den Jesuitenkollegien schon seit der päpstlichen Approbation der Gesellschaft im...

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