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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

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Edited By Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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„Es ist das Heil uns kommen her“. Emanzipation und Reform im Judentum

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Klaus Herrmann

„Es ist das Heil uns kommen her“ Emanzipation und Reform im Judentum

Reform und Emanzipation

In gewissem Sinne bedarf es keinerlei Ausführungen darüber, dass ein Judentum, das in Ghettomauern eingesperrt war, das nur als Parallelgesellschaft geduldet und immer wieder aufs neue Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt war, erst im Kontext der bürgerlichen Gleichstellung zu einer, wie es die Reformer selbst sahen, Erneuerung und Modernisierung des Judentums gelangen konnte. Erst das „Sprengen der Ghettomauern“, wie man sagte, machte Veränderungen möglich, die das Judentum dann mehr und mehr prägen sollten, bis schließlich das Reformjudentum bzw. das liberale Judentum zum Mainstream-Judentum in Deutschland vor der Shoah wurde. Sollte also – mathematisch gesprochen – Emanzipation eine notwendige und zugleich hinreichende Voraussetzung für das Entstehen der jüdischen Reformbewegung bilden? In diesem Falle müsste man erwarten, dass die jüdische Reformbewegung von dort ihren Ausgang genommen hätte, wo die Juden zuerst in Europa die bürgerliche Gleichstellung erlangten: in Frankreich im Jahre 1791. In Frankreich sollte es jedoch viel später, um das Jahr 1900, unter Rabbiner Louis-Germain Levy (1870-1946) zur Gründung einer selbständigen liberalen Synagoge, der Union Libérale Israélite, kommen.1 Zahlenmäßig blieb diese Gruppe – ganz im Gegensatz zu Deutschland – sehr klein, in den 1920er Jahren zählte sie nicht mehr als 400 Mitglieder. Zuvor war es lediglich im Bereich der synagogalen Musik unter dem seit 1845 in Paris wirkenden Oberkantor Samuel Naumbourg (1816-1880) zu...

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