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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

Series:

Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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Zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde Berlins seit 1945

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Nach der Kapitulation Berlins am 2. Mai 1945 fanden in Berlin gleichzeitig zwei „Befreiungsgottesdienste“ statt. Während der Rechtsanwalt und Soziologe Bruno Blau von einem Gottesdienst am 6. Mai 19451 in den Räumen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland auf dem Gelände des Jüdischen Krankenhauses Berlin in der Iranischen Str. 2 berichtete, bei dem der sowjetische Truppen begleitende polnische Oberrabbiner anwesend war, schilderte Martin Riesenburger in seinen Erinnerungen den ersten Gottesdienst am 11. Mai 1945 (einem Freitag) in der Synagoge Lothringen Straße,2 in dem für Trauerfeiern genutzten ehemaligen Warteraum im linken Flügel der Eingangsanlage zum Friedhof Weißensee:

„Gleich nach der Kapitulation begannen wir, die Fenster unserer kleinen Synagoge, die sich am Eingang unseres Friedhofes befindet, notdürftig zu verglasen, und am Freitag, dem 11. Mai 1945, fand hier der erste öffentliche Gottesdienst statt. Wir hatten versucht, dieses durch Rundfunk bekanntzugeben, und es fanden sich Menschen ein, die erstmalig aus ihrer Illegalität – wieder an das Tageslicht – den Weg suchten.“ 3

Bruno Blau berichtete eindrucksvoll, dass der polnische Oberrabbiner in Anwesenheit jüdischer Soldaten der Roten Armee und einiger aus dem Untergrund aufgetauchter, befreiter Berliner Juden das Schofar (Widderhorn) blies, während bei Riesenburgers Gottesdienst nur die wiederaufgetauchten Berliner Juden den Sabbath in Freiheit feierten.

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