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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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2. Die Exklave Kaliningrad

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2.   Die Exklave Kaliningrad

Nach dem Systemwandel 1989/1990 in Polen, Litauen und anderen ostmitteleuropäischen Staaten sowie dem späteren Zerfall der Sowjetunion stieg das allgemeine Interesse an Gegenwart und Zukunft des Kaliningrader Gebiets sowohl in Russland als auch in vielen anderen Ländern. Eine Reihe politischer, strategisch-militärischer und wirtschaftlicher Aspekte hat dabei europäische Dimension. Für diese Problematik interessieren sich Regierungskreise sowie politische Parteien oder auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Organisationen, insbesondere in Ländern wie Deutschland, Polen, Litauen, Schweden, Lettland, Estland oder Weißrussland.

Nach dem Wegfall ostmitteleuropäischer Satellitenstaaten der Sowjetunion ist das Kaliningrader Gebiet das westlichste Territorium Russlands. Gegen den Willen der Regierungen in Moskau und Kaliningrad sowie der Bevölkerung wurde dieses Land von einem Tag auf den anderen zu einer „Insel“, die vom „Vaterland“ abgetrennt ist. Für die Nachbarländer, das demokratische Polen und das unabhängige Litauen, ist es die einzige Grenze zu Russland. Für das im Demokratieaufbau befindliche Russland bleibt die Oblast der westlichste Militärstützpunkt, der über Kernwaffen verfügt. Die neue geopolitische Lage der Region stellte die lokalen Behörden und die Einwohner vor ein neues Dilemma: Soll sich Kaliningrad zu einem Gibraltar (britischer Militärstützpunkt an der Grenze zu Spanien), einem Guantanamo (amerikanische Militärbasis auf Kuba) oder gar einem Hongkong (seit kurzem Teil der Volksrepublik China, aber mit Sonderstatus) entwickeln?

Vom Kernterritorium Russlands wird das Kaliningrader Gebiet im Norden und Osten durch Litauen (Grenzlänge: 280,5...

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