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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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1. Friedensvertrag von Versailles – Ostpreußens erste Teilung

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1.   Friedensvertrag von Versailles – Ostpreußens erste Teilung

Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg bedeutete den Zusammenbruch der bisherigen gesellschaftlichen und politischen Ordnung. Der Niedergang des Kaiserreichs brachte revolutionäre Gärung und politisches Chaos hervor. Deutschland war keine Großmacht mehr. Symptomatisch dafür waren die territorialen Verluste. Dem wiedererstehenden polnischen Staat wurden die Gebiete Deutschlands einverleibt, die Polen ehemals infolge der drei Teilungen verloren hatte (unter anderem Posen, Pommern und Oberschlesien). Deutschland verlor außerdem weitere Gebiete an Frankreich (Elsass und Lothringen), Dänemark (Nordschleswig), Litauen (Memelland), Belgien (Eupen und Malmedy) sowie die Tschechoslowakei (das oberschlesische Hultschiner Ländchen).

Besonders heikel war die Lage der Bewohner Ostpreußens. Sie wurden nach den Beschlüssen der Pariser Konferenz 1919 vom Rest des Landes abgetrennt durch Gebiete, die dem polnischen Staat zugesprochen worden waren und die Woiwodschaft Pommern bildeten, bezeichnet als „Danziger Korridor“, „Polnischer Korridor“ oder einfach „Korridor“1. Somit wurde Ostpreußen gewissermaßen zu einer „Insel“, die an Litauen, Polen und die Freie Stadt Danzig grenzte und vom „Mutterland“ getrennt war. Zu einer ähnlichen Situation kam es 72 Jahre später, als das zur Russischen Föderation gehörende Kaliningrader Gebiet, der nördliche Teil des früheren Ostpreußens, durch den Zerfall der Sowjetunion von „Mütterchen Russland“ durch die Grenze zu Litauen und Polen getrennt wurde. Ostpreußen bildete 1920-1939 eine deutsche, sein nördlicher Teil seit 1991 eine russische Exklave. Dieser Fall ist einzigartig in der jüngeren Geschichte Europas.

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