Show Less
Restricted access

Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

Series:

Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
Show Summary Details
Restricted access

2. Das Kaliningrader Gebiet – ein Musterland für den Homo Sovieticus

Extract

2.   Das Kaliningrader Gebiet – ein Musterland für den Homo Sovieticus

Die kommunistischen Ideologen in Moskau sahen im Kaliningrader Gebiet ein „Musterland“ für die Schaffung des sowjetischen Menschen (Homo Sovieticus/ Sowetskij Tschelowek). Auch Arthur Greiser, Reichsstatthalter des Dritten Reiches im Wartheland, war überzeugt gewesen, in Großpolen könne ein Mustergau für das tausendjährige Großdeutschland geschaffen werden. Die nationalsozialistischen und stalinistischen Ideologen schmiedeten Pläne, ganze Gesellschaften und Städte so umzugestalten, dass sie ihren Vorstellungen von der „neuen Wirklichkeit“ entsprächen.

Um dieses Projekt, das in den Bereich der gesellschaftlichen Ingenieurskunst fiel, Wirklichkeit werden zu lassen, waren im Kaliningrader Gebiet viele Voraussetzungen gegeben. Eine der wichtigsten bestand darin, dass die Gesamtheit der Neubewohner in Eigentumsfragen ganz und gar vom Staat abhängig war; die in Kaliningrad erscheinende deutschsprachige Sowjetzeitung „Neue Zeit“ schrieb am 8. April 1948 (Nr. 29): „Die Sowjetmenschen waren im Kaliningrader Gebiet von Anfang an frei von den Fesseln des Privateigentums an Produktionsmitteln“46. Dies ermöglichte ein Experiment an Menschen, die nicht nur „frei von Eigentum“ waren, sondern auch keine Ansprüche auf ich früheres Eigentum erheben konnten, weil der Sowjetstaat der einzige Eigentümer und Geber aller Güter war. Die gesamte Einwohnerschaft war geographisch und familiär entwurzelt. Einerseits bedeutete dies fehlende materielle Traditionen am neuen Wohnort; andererseits bot es die ideale Gelegenheit, die neue sowjetische Wirklichkeit zu formen. Die vollständige Aussiedlung der früheren Einwohner stellte einen Bruch mit der Vergangenheit dar, und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.