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Das Duale System der Berufsausbildung als Leitmodell

Struktur, Organisation und Perspektiven der Entwicklung und europäische Einflüsse

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Georg Spöttl

Der Autor untersucht das kontrovers diskutierte Thema des bundesdeutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Zum einen erscheint das System unverzichtbar, um dem drohenden Mangel an Fachkräften in der Wirtschaft zu begegnen, zum anderen wird jedoch die duale Berufsausbildung von der anhaltenden Akademisierungswelle mehr und mehr zurückgedrängt. Zusätzlich scheint die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiterhin nachzulassen, während sich alternative Formen der Erstausbildung entwickelt haben, die zum Teil in der Berufsvorbereitung zu einer internen Konkurrenz verschiedener Systemansätze geführt haben. Schließlich gilt es, vorgegebenen Maßnahmen der Europäisierung zu folgen, die sich nicht in allen Belangen als stützend für das Duale System erweisen.
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1 Duales System der Berufsausbildung – Ein Leitmodell in der beruflichen Erstausbildung

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1   Duales System der Berufsausbildung – Ein Leitmodell in der beruflichen Erstausbildung

Das Duale System der Berufsausbildung ist ein Modell der beruflichen Erstausbildung, das sich nach anfänglicher Verbreitung in Großbritannien und den USA nur in den deutschsprachigen Ländern Europas (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg) etabliert hat, wenn auch nicht in genau identischer Ausprägung. Das Modell der dualen Berufsausbildung entsprach am Anfang aufgrund der gleichzeitigen Beibehaltung und zum Teil sogar Restaurierung der handwerklich-ständischen Berufsausbildungsformen sicher nicht den Vorstellungen der sich stürmisch entwickelnden Großindustrie, eher verkörperte es „ein Produkt der Reaktion gegen den Sozialismus, die die damals führenden Gruppen des Adels und des Großbürgertums mit den kleinen Gewerbetreibenden verband“ (Lempert 1971, S. 114). Auch Greinert (2007a, S. 41) sieht das Duale System der Berufsausbildung nicht als „das Ergebnis gezielter qualifikationspolitischer Entscheidungen“, sondern eher als „ein Nebenprodukt der Mittelstandspolitik des Kaiserreiches, jenem groß angelegten gesellschaftspolitischen Versuch, den alten Mittelstand – Handwerk, Kleinhandel, und Kleinbauerntum – vor der Proletarisierung zu bewahren und in die Phalanx ‚staatserhaltender Kräfte’ einzugliedern“.

Vor diesem Hintergrund haben sich Strukturen einer dualen Berufsausbildung in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz entwickelt und etabliert. Die diesbezügliche Ausbildung wird in Österreich – in traditioneller Weise – als Lehre bzw. Lehrlingsausbildung bezeichnet und ist im österreichischen Bildungssystem in der Sekundarstufe II verortet. Struktur, Organisation und curriculare Rahmenbedingungen dieser Lehre entsprechen im Wesentlichen denen des deutschen Dualen Systems der Berufsausbildung, nur dass die tragende Rolle der Kammern fehlt. Dementsprechend sind die Ausbildungs- und...

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