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«Seiner Leidenschaften Meister sein» - «In control of the passions»

Zur Reflexion des Gefühls im Musikdenken - Emotion as reflected in musical thinking

Joachim Noller

Was heißt es, wenn Carl Philipp Emanuel Bach vom ausführenden Musiker fordert, er müsse selbst gerührt sein, bevor er seine Zuhörer in Rührung versetzen könne? Der Autor schreibt über die Idee der Emotion, über ihre Rolle im Szenario sogenannter Musikanschauung (von ca. 1750 bis heute). Von Interesse ist dabei weniger die Gefühlshaltigkeit der Musik selbst, als vielmehr die Art, wie das Musikdenken dieselbe be- und verhandelt; nicht Emotionen in tatsächlicher Wirkung, sondern wie sie, als Denkfigur, in musikalischen Zusammenhängen theoretisch bewältigt werden.
What does it mean when Carl Philipp Emanuel Bach demands that a performing musician must himself be moved before he can move his listeners? The author writes about the idea of emotions and their role in the scenario of what is called music appreciation (from about 1750 till the present day). His focus is not primarily on the emotional content of music as such, but rather the way in which it is treated in thinking about music; not on the actual impact of emotions, but the way in which they have been thought about in a musical context, as concepts around which a theoretical discourse crystallizes.
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VII Musiktheoretiker im Gefühlskampf

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VII

Musiktheoretiker im Gefühlskampf

1. Gefühle jenseits der Gefühlsästhetik: „Hanslick was right“?

Es gibt wohl kaum eine musiktheoretische Schrift, die mehr rezipiert und häufiger kommentiert wurde - nicht nur im deutschen Sprachraum - als Eduard Hanslicks Vom Musikalisch-Schönen, und man möchte glauben, dass hierzu schon alles gesagt sei137. Dennoch fällt auf, dass fast nur aus einer Perspektive argumentiert wird; der Fokus liegt in der „tönend bewegten Form“, ob man diese Formel nun akzeptiert oder sie ablehnt. Hanslicks Polemik wird nicht selten als Negation jeglicher Gefühlsbezogenheit interpretiert; eine Rezeptionsschiene führt von den Reaktionen auf die Erstauflage von 1854 bis in unsere Tage. Als junges Beispiel zitieren wir einen Aufsatz im British Journal of Aesthetics, der emotionsbezogene Begriffe in der Beschreibung von Musik und musikalischer Wirkung nur metaphorisch gelten lässt: „What is clear is that in neither case are we describing genuine emotion or some relation to genuine emotion. Hanslick was right“138. So endet dieser Aufsatz, und sein Titel fasst die Quintessenz in wenigen Worten zusammen: Against emotion: Hanslick was right about music.

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