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«Seiner Leidenschaften Meister sein» - «In control of the passions»

Zur Reflexion des Gefühls im Musikdenken - Emotion as reflected in musical thinking

Joachim Noller

Was heißt es, wenn Carl Philipp Emanuel Bach vom ausführenden Musiker fordert, er müsse selbst gerührt sein, bevor er seine Zuhörer in Rührung versetzen könne? Der Autor schreibt über die Idee der Emotion, über ihre Rolle im Szenario sogenannter Musikanschauung (von ca. 1750 bis heute). Von Interesse ist dabei weniger die Gefühlshaltigkeit der Musik selbst, als vielmehr die Art, wie das Musikdenken dieselbe be- und verhandelt; nicht Emotionen in tatsächlicher Wirkung, sondern wie sie, als Denkfigur, in musikalischen Zusammenhängen theoretisch bewältigt werden.
What does it mean when Carl Philipp Emanuel Bach demands that a performing musician must himself be moved before he can move his listeners? The author writes about the idea of emotions and their role in the scenario of what is called music appreciation (from about 1750 till the present day). His focus is not primarily on the emotional content of music as such, but rather the way in which it is treated in thinking about music; not on the actual impact of emotions, but the way in which they have been thought about in a musical context, as concepts around which a theoretical discourse crystallizes.
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IX Wege in die Moderne: Futuristische und andere Seelenzustände

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IX

Wege in die Moderne Futuristische und andere Seelenzustände

Es gibt mehrere Wege in die Moderne; einen, von dem nur selten die Rede ist, möchten wir rekapitulieren. Drei Stationen sind es, die hier den Wandel im emotionalen Ausdruck markieren:

Station 1: Im April 1851 macht sich Giuseppe Verdi Sorgen um die sprachliche Vorgestaltung seiner Oper Il Trovatore und schreibt dem Librettisten Salvatore Cammarano einen langen Brief, dabei geht es u.a. um die Personencharakteristik Azucenas: „es scheint mir, daß die beiden großen Leidenschaften dieser Frau, Kindes- und Mutterliebe, nicht mehr in aller ihrer Kraft vorhanden sind“. Man möge die Azucena nicht irrsinnig werden lassen: „Ihre Sinne sind gelähmt, aber sie ist nicht von Sinnen. Man muß die beiden großen Leidenschaften dieser Frau bis zuletzt fortdauern lassen: die Liebe zu Manrique und den wilden Durst, die Mutter zu rächen“200. Verdi will die große affektbetonte Entwicklungsform, wobei auf dieser emotionalen Schiene Charakter und Ethos der Personen zur Geltung kommen.

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