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Islamisch-politische Denker

Eine Einführung in die islamisch-politische Ideengeschichte

Farid Hafez

Das Buch präsentiert einen Abriss der Ideengeschichte des islamisch-politischen Denkens von al-Farabi über Ibn Khaldun und Ibn Taymiyya bis hin zu al-Afghani, Hasan al-Banna, Muhammad Asad, Khomeini, Nasr Hamid Abu Zaid, Yusuf al-Qaradawi und Elijah Muhammad. Das Werk arbeitet die Vielschichtigkeit des politischen Denkens im islamischen Bezugsraum heraus und zeigt auf, wie das intellektuelle, soziale und politische Umfeld das jeweilige Denken der einzelnen Persönlichkeiten prägte und wie damit ein Wandel zentraler Begriffe einherging. Der Autor führt in das Leben und Wirken von knapp 20 Persönlichkeiten ein und stellt dabei zentrale Begriffe vor, die das jeweilige Denken prägen. Die Verwendung von Originaltexten bietet hierbei einen authentischen Einblick.
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Kapitel 5 – Ibn Khaldūn

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Leben und Werk

Ibn Khaldūn (1332-1406) wird als Historiker, Philosoph, Soziologe sowie als Politiker in den Lexika geführt (Long 2013, 235). Er war aber ebenso als Sufi bekannt (Giese 2011, 30). Ibn Khaldūn, der von einer Politiker- und Gelehrtenfamilie aus Andalusien abstammte, wurde in den Fächern qur’ān-Wissenschaft, ḥadīth-Wissenschaft, arabische Philologie und Islamische Rechtswissenschaft unterrichtet. Seine muqaḍḍima (die Einführung), welches er seinem Universalwerk kitāb al-ʿ ibar (Das Buch der wichtigen Ereignisse) vorangestellt hatte, gilt als „historisches und soziologisches Meisterwerk“, welches maßgeblich auf das sozialwissenschaftliche Denken Einfluss genommen hat. Gleichzeitig legte sein Magnum Opus auch Grundlagen für die Wirtschaftswissenschaften und die Psychologie (Long 2013, 235f.).26 In der muqaḍḍima beabsichtigte Ibn Khaldūn nicht, eine politische Philosophie zu begründen. Er selbst erklärt klar und deutlich, der „ideale Staat“ der Philosophen sei „etwas Außergewöhnliches und weit davon entfernt, (verwirklicht) zu werden“ (Ibn Khaldūn 2011, 287). Ebenso erklärt er es nicht zu seiner Absicht, die Ämter des Herrschers wie in den Büchern über Staatsverwaltung etwa eines al-Māwardī oder Nizām al-Mulk deskriptiv darzulegen und zu legitimieren (Ibn Khaldūn 2011, 237). Schlussendlich legt Ibn Khaldūn tatsächlich eine Theorie dar, die über den Staat hinausgeht. In seiner Abhandlung erhält die Gruppensolidarität (ʿ asabiyya) gemeinsam mit dem Begriff der Kultur (ʿ umran) eine zentrale Rolle (Enz 2012) für die Erklärung des Aufstiegs und Niedergangs von Dynastien. Seine Untersuchungen...

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