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Prostitution

Eine Begleiterin der Menschheit / A Companion of Mankind

Edited By Frank Jacob

Prostitution ist scheinbar genauso alt wie die Menschheit selbst und gilt nicht von ungefähr als das «älteste Gewerbe» überhaupt. Dieser Band versteht sich als interdisziplinäre, chronologisch sowie global umfassende Analyse des Phänomens und bietet dem Fachpublikum und dem interessierten Leser gleichermaßen eine breite Darstellung der Prostitution aus historischer, soziologischer, genderorientierter sowie kulturwissenschaftlicher Perspektive. Untersucht werden dabei die Rolle von Prostituierten in der Gesellschaft, die Rezeption des Gewerbes per se sowie die Rahmenbedingungen, unter denen sich ein solches etablieren kann.
Prostitution seems to be as old as humanity itself and is consequently not described as the «oldest profession» without cause. This anthology is an interdisciplinary, chronological and regional extensive approach to analyze the phenomenon. It provides a broad historical, sociological, cultural, and gender perspective on prostitution for the academic as well as the interested reader alike. It examines the role of prostitutes in society, the reception of the profession per se and the conditions due to which it is established.
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„Es gibt nur eine Moral, sie ist die gleiche für beide Geschlechter“ Die (alte) Frauenbewegung und die Frage der Prostitution (1897–1927)

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Es war im Jahr 1894 als die verschiedenen Vertreterinnen der Frauenbewegung im wilhelminischen Deutschland einen neuen Gesprächsgegenstand eröffneten und zum ersten Mal in ihren Reihen Fragen von Sittlichkeit und Moral, genauer gesagt die Frage der Prostitution, erörterten. Es war auf einer der ersten Generalversammlungen des neu gegründeten Dachverbandes BDF (Bund deutscher Frauenvereine) als die gesellschaftliche Debatte so an Fahrt aufnahm, dass auch die Frauenbewegung begann, sich dem Thema anzunehmen. Auf dieser Generalversammlung sollte eine Sittlichkeits-Petition verabschiedet werden, die die künftige Arbeit aber vor allem die Position des BDF zur Prostitutionsfrage deutlich machen und als Petition an den Reichstag geschickt werden sollte. Dazu waren zwei unterschiedliche Versionen ausgearbeitet worden. Einmal von der ersten Vorsitzenden des BDF Auguste Schmidt und dann von Hanna Bieber-Böhm, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits über fünf Jahre mit diesem Thema in ihrem Verein Jugendschutz befasst hatte. Im Bericht von Lily von Gizycki (spätere Lily Braun) ist nachzulesen, dass der Vorstand versuchte, die Verlesung der Petitionen und die öffentliche Erörterung der Thesen zu verhindern. Der Vorstand erklärte, „daß eine Verlesung der langen und ‚sehr peinliche Dinge‘ berührenden Petition von Frau Bieber-Böhm unterbleiben müsse und auch keinen praktischen Nutzen habe, da der Vorstand bereits endgültig entschieden habe, nur die (…) kurze Petition [von Frau Auguste Schmidt] abzusenden.“1 Gegen dieses Vorgehen aber erhob sich der massive Protest der anwesenden Delegierten. Mit 34 zu 23 Stimmen überstimmten diese den Vorstand und erzwangen so die...

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