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Prostitution

Eine Begleiterin der Menschheit / A Companion of Mankind

Frank Jacob

Prostitution ist scheinbar genauso alt wie die Menschheit selbst und gilt nicht von ungefähr als das «älteste Gewerbe» überhaupt. Dieser Band versteht sich als interdisziplinäre, chronologisch sowie global umfassende Analyse des Phänomens und bietet dem Fachpublikum und dem interessierten Leser gleichermaßen eine breite Darstellung der Prostitution aus historischer, soziologischer, genderorientierter sowie kulturwissenschaftlicher Perspektive. Untersucht werden dabei die Rolle von Prostituierten in der Gesellschaft, die Rezeption des Gewerbes per se sowie die Rahmenbedingungen, unter denen sich ein solches etablieren kann.
Prostitution seems to be as old as humanity itself and is consequently not described as the «oldest profession» without cause. This anthology is an interdisciplinary, chronological and regional extensive approach to analyze the phenomenon. It provides a broad historical, sociological, cultural, and gender perspective on prostitution for the academic as well as the interested reader alike. It examines the role of prostitutes in society, the reception of the profession per se and the conditions due to which it is established.
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Männliche Prostitution in der Antike: Zwischen Topik, Polemik und sozialer Realität

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„Menander, mit guten Umgangsformen, für zwei Kupferasse“ und „Lodas, hausgeborener Sklave, für acht Kupferasse“,1 verkünden antike Graffiti auf Häuserwänden in Pompeji. Es handelt sich offenbar um kaiserzeitliche Preislisten im Kontext gewerbsmäßiger Prostitution, die in einem der zahlreichen pompejanischen Bordelle oder einzelnen kleinen cellae stattfand.2 Prostitution wird im Folgenden verstanden als „sex for sale“3 mit den Kriterien „promiscuity, payment, and emotional indifference between the partners“.4

Die Hinweise auf die Qualitäten der Prostituierten – Menanders Höflichkeit oder Lodas’ vermutliche Sonderstellung unter den Unfreien als einer der im Gegensatz zu Kaufsklaven Hausgeborenen (vernae),5 die als besonders fügsam galten –6 dienten den Kunden zur Orientierung, was sie erwarten konnten. In diesem Fall konnten sie vermutlich unter anderem die Kenntnis der lateinischen Sprache und ein gepflegtes Umgangsniveau voraussetzen. Andere römische Graffiti belegen, dass auch die Preise für bestimmte sexuelle Praktiken, die Prostituierte anboten, mit deren Namen versehen an Wände der Bordelle oder außer- sowie innerhalb der Häuser mit ← 143 | 144 → cellae geschrieben wurden, etwa: „Libanis bläst für zwei Asse“.7 Zudem wurden die Prostituierten als fellatores oder cunnilingi angepriesen.8 Der Anschlag eines solchen titulus, in römischen Quellen „jedes Täfelchen, das einen Verkauf ankündigt oder einen Preis bekanntmacht“,9 informierte ähnlich wie die tituli von Sklaven, die auf dem Markt feilgeboten wurden, über ihre Qualifikationen.

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