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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Strömen und Bleiben: das Geschichtswunschbild Johannes Bobrowskis

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Gerhard Bauer

Weinen wir den Hochzeiten des Historismus nicht nach. Nehmen wir „die Geschichte“, die Erinnerung vor allem, in der prekären, verunsicherten Form an, zu der die neueren Skeptiker von Nietzsche bis Baudrillard oder Sloterdijk sie herabgedacht haben. Inklusive den nachlassenden Sinn für Geschichte, mit dem nicht wenige von denen, die unsere, die deutsche wie die polnische künftige Generation von Intellektuellen ausmachen wollen, sich nach acht bis elf Jahren Geschichtsunterricht ins Leben entlassen. Hören wir aber auf die praktizierenden Poeten und Literaten und sehen wir ihnen auf die Finger, wie sie es schaffen, für halb oder ganz vergessene Personen, Völkerschaften, Entwicklungen, Auseinandersetzungen immer wieder Nachfrage, womöglich sogar Faszination zu erregen. „Vivifizieren, entphlegmatisieren“ hat schon Novalis gefordert, ehe jener Historismus sich richtig etablieren konnte. Die meisten oder jedenfalls die erfolgreichsten Schriftsteller, wenn ich richtig sehe, arbeiten daran, dass die Gedächtnisgüter oder -kräfte nicht einfach als „Bereicherung“ der zumeist selbst reichlich reizbestückten Gegenwart angefügt werden. Sondern dass sie dieser Gegenwart als Widerstand, Infragestellung, Herausforderung oder allenfalls „Aufgabe“ in dem moralisch-politisch-intellektuell zusammengesetzten Sinn des Wortes entgegengestellt werden. Halten wir uns an einen Autor, dem ein hinreichend mächtiger Quirl von vergangenem Leben am Herzen lag. Bobrowski als Sänger des verschollenen „Sarmatien“ könnte sich gut dazu eignen.

Dass dieser Johannes Bobrowski, seitdem er überhaupt etwas gedruckt bekam, es zu seinem Zentralthema gemacht hat, an das einstige Zusammenleben von Ureinwohnern, Zugewanderten und Eroberern in den...

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