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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Flucht und Vertreibung der ostdeutschen Bevölkerung 1944–1947/48: Ursachen und Ereignis: Heinrich Schwendemann

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Heinrich Schwendemann

Es war „eine der schlimmsten menschengemachten Katastrophen, die den Kontinent nach 1945 traf“ – so der irisch-amerikanische Historiker R. M. Douglas in seiner 2012 erschienenen Studie zur „Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“1. In der Tat – zwischen 1944 und 1947/48 verloren etwa 12 bis 13 Millionen Deutsche aus dem Reichsgebiet östlich von Oder und Neisse, Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei, sogenannte „Volksdeutsche“ aus Polen, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien durch Flucht bzw. Vertreibung ihre Heimat. Markierte der 8. Mai 1945 zunächst das Ende der massenhaften Fluchtbewegung vor der Roten Armee, so setzte wenige Wochen später bereits die Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung aus dem Osten ein. Millionen – es waren vor allem Frauen, Kinder und alte Leute – kamen buchstäblich mit dem, was sie auf dem Leib trugen, in den alliierten Besatzungszonen an. Wie viele Menschen bei Flucht und Vertreibung ihr Leben verloren haben, ist bis heute unbekannt. Es müssen Hundertausende gewesen sein2.

Keine Frage, diese radikale ethnische Säuberung war die Folge der nationalsozialistischen Eroberungspolitik in Osteuropa seit 1938/1939, und es waren die Deutschen im Osten, die alle – seien es Täter, Mitläufer, Verstrickte und Unschuldige – mit dem Verlust ihrer Heimat, ihres Besitzes und oft auch ihres Lebens kollektiv für einen unter rassenideologischen Prämissen durchgeführten Vernichtungskrieg bzw. für eine mörderische Besatzungs- und Germanisierungspolitik bestraft wurden, die zwischen 1938 und 1945 Millionen Menschenleben kostete.

Handelte es sich bei den Massenvertreibungen tatsächlich „um das...

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