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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Der Bund der Vertriebenen – Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände (BdV/VL) in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte: Erich Später

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Erich Später

Die erste Volkszählung nach Beendigung des Krieges hatte 1946 ergeben, daß seit dem Zusammenbruch des deutschen Reiches mehr als neun Millionen Deutsche in die vier Besatzungszonen der Alliierten gelangt waren. Etwa sechs Millionen befanden sich in der amerikanischen und der britischen Besatzungszone, in der sowjetisch besetzten Zone waren es drei Millionen. Die französische Besatzungsmacht hatte es zunächst abgelehnt, Deutsche aus den ehemaligen Reichsgebieten aufzunehmen. Wegen seiner Nichtteilnahme an der Potsdamer Konferenz fühlte Frankreich sich nicht verpflichtet, deren Beschlüsse bezüglich der Aufnahme von Flüchtlingen mitzutragen1.

Wie die Ergebnisse der Volkszählung von 1950 auf dem Gebiet der neugegründeten Bundesrepublik ergaben, hatte sich der Anteil der Neubürger auf 7,9 Millionen erhöht. Das waren 16,5 % der Bevölkerung. Als Vertriebene wurden allerdings auch schon die auf dem Gebiet der ehemaligen westlichen Besatzungszonen geborenen Kinder von Eltern, die aus den ehemaligen Ostgebieten stammten, registriert. Zum ersten Mal fand damit das Prinzip der „Vererbbarkeit“ des Vertriebenstatus Eingang in die offizielle Statistik der Bundesrepublik.

Mit dem Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz wurde 1953 der Vertriebenen- und Opferstatus erblich. Es genügte fortan, daß ein Elternteil aus dem Vertreibungsgebiet stammte, um den Status des Vertriebenen zu erhalten. Diese Konstruktion hat zu einer rapiden Zunahme der bundesdeutschen Vertriebenen geführt. Ihre Zahl stieg von ungefähr 7,9 Millionen im Jahre 1950 auf 13 Millionen im Jahre 1970. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes waren im April...

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