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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Gesellschafts-, Zeit- und politischer Roman

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Gegenwart und Vergangenheit

Leicht wirken auf eine heutige Leserschaft Gesellschafts-, Zeit- und politische Romane eines verflossenen Jahrhunderts wie historische Erzählungen, da sie Probleme, Zustände und Ereignisse einer Vergangenheit zur Sprache bringen, die der Gegenwart ferngerückt ist. (Das Beispiel des erzählenden Werks von Eugenie Marlitt.) Doch gehören diese Produkte keinesfalls zum Genre des Geschichtsromans. Dessen Voraussetzung ist die manifeste Intention einer Autorin oder eines Autors, eine historische Dichtung zu schaffen – faßbar in der Bemühung, in eine frühere Epoche hinabzusteigen, um vergangenes Geschehen und ältere Zustände, auch Persönlichkeiten, die unter den Bedingungen älterer Zustände agierten, zu vergegenwärtigen (Die frühere Epoche muß nicht immer so weit entfernt sein wie das Ägypten der Romane von Georg Ebers).

Nun trifft dasselbe auf den Gesellschafts-, Zeit und politischen Roman eines verflossenen Jahrhunderts gerade nicht zu, weil die in diesem Genre tätigen Autoren Begebenheiten und Gestalten ihrer eigenen Gegenwart schildern, auch wenn in den Jahrzehnten danach der damalige Gegenwartsstoff mehr und mehr als Urväterhausrat erscheint. Wenn z. B. Rudolf Herzog in zwei Romanen jeweils einen Besuch bei Bismarck schildert, atmet die heutige Leserschaft – wenn denn diesem Autore noch eine zustünde – die stickige Luft der Vergangenheit, ungeachtet der Bemühung des Verfassers, die Leserschaft seiner Gegenwart mit Ansichten eben dieser Gegenwart zu versorgen.

Was wären denn aber Gegenwart und Vergangenheit? – Zum Erstaunen der Späteren kann ein längst vergangenes oder wenigstens vergangen...

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