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Beiträge zu einer Geschichte der Translation

Vom Wirken bedeutender Dolmetscher und Übersetzer

Heidemarie Salevsky and Ina Müller

Das Buch befasst sich mit bedeutenden Dolmetschern und Übersetzern aus 5000 Jahren auf der Basis umfangreicher Recherchen in Archiven und Bibliotheken. Aus der Geschichte der Translation sind erstmals aufgearbeitet: die Dolmetscher im Alten Testament, die Rolle der Pfortendolmetscher im Osmanischen Reich, die Dolmetschermemoiren über die Kriegserklärung Deutschlands an die Sowjetunion am 22. Juni 1941 in der Gegenüberstellung mit neuen Dokumenten aus Archiven in Moskau und Washington sowie die Geschichte des Simultandolmetschens in der DDR. Gründlich beleuchten die Autorinnen die Tätigkeit der Russisch-Dolmetscher auf dem Nürnberger Prozess anhand schriftlicher und mündlicher Erinnerungen. Den Abschluss bilden Leben und Wirken der Übersetzer der ersten russischen Ausgabe des Kapitals von Karl Marx.
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V. Aus der Geschichte des Simultandolmetschens in der DDR

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1Vom Konsekutivdolmetschen zum neuen Modus Simultandolmetschen

Nachdem im Ersten Weltkrieg der Waffenstillstand unterzeichnet worden war, wurde eine Anzahl von Waffenstillstandskommissionen gegründet, um verschiedene Probleme zwischen den Vertretern der deutschen Armee und denen der verbündeten Streitkräfte der Sieger auszuhandeln. Diese Verhandlungen fanden in Deutsch, Englisch und Französisch statt (vgl. Herbert 1978:6) und nicht mehr nur in Französisch, das seit dem 17. Jh. die Sprache der Diplomaten war. Die deutsche Armee stellte den deutschen Dolmetscher, der – ebenso wie seine englischen und französischen Berufskollegen – in seine Muttersprache und aus seiner Muttersprache zu dolmetschen hatte. Das Dolmetschen erfolgte in der Regel satzweise.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren es Präsident Wilson (USA) und Premier Lloyd George (Großbritannien), die forderten, dass Englisch bei den Friedensverhandlungen in Paris (1919) ebenfalls offizielle Sprache sein sollte.1 Dies galt dann auch für die Institutionen, die aus diesen Verhandlungen hervorgingen – den Völkerbund, die International Labour Organisation (ILO) und den Ständigen Internationalen Gerichtshof (Permanent Court of International Justice) (vgl. Baigorri-Jalón 1999:29).

Das Dolmetschen erfolgte zunächst konsekutiv in zwei Teams, einem französischen und einem englischen. Hier wie auch später im Völkerbund hatten die Dolmetscher vorn direkt im Anschluss an den Redner zu dolmetschen. Bei Konferenzen kam in jener Zeit für mehrere Sprachen mitunter nur ein Dolmetscher zum Einsatz. Wenn mehrere Sprachen (meist drei oder vier) verwendet wurden, bedeutete das, dass die Reden entsprechend oft wiederholt werden...

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