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Neue Ansätze, Analysen und Lesarten der phantastischen Literatur

Typische und atypische Repräsentationen - Frauen und phantastische Literatur - Einblick in die phantastische Stadtliteratur Wiens

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Karin Angela Rainer

Dieses Buch bietet neue Ansätze und einen umfassenden Überblick über das vielfältige Gebiet der phantastischen Literatur und ihrer benachbarten Bereiche. Im einführenden theoretischen Teil werden eine historische Darstellung sowie eine kritische Betrachtung verschiedener Theoriegebäude präsentiert. Im Sinne einer Wortfeldbestimmung werden verwandte Gattungen abgrenzend klassifiziert sowie der zwiespältige Konnex zu Buchhandel und Leserschaft behandelt. Der genuine Konflikt zwischen dem literarisierten Realitätsniveau und dem Phantastischen wird umrissen und an konkreten Fallbeispielen aufgearbeitet. In zwei eigenständigen Abschnitten beschäftigt sich die Autorin mit den Teilaspekten einer weiblichen phantastischen Literatur sowie mit Einblicken in die phantastische Stadtliteratur Wiens.
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4 Geschichte der phantastischen Literatur

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Deshalb konnte die phantastische Erzählung erst nach dem Märchen entstehen und es sozusagen ersetzen. Sie konnte nur entstehen, nachdem die wissenschaftliche Auffassung einer zwangsläufig rationalen Ordnung der Dinge sich durchgesetzt hatte, nachdem ein strenger Determinismus in bezug auf Ursache und Folge allgemein anerkannt worden war. Mit einem Wort, es entstand ein Zeitpunkt, an dem jeder mehr oder weniger von der Unmöglichkeit von Wundern überzeugt war. Wenn danach das Wunder Angst hervorrufen mußte, dann nur, weil die Wissenschaft es verbannt hatte: es war unzulässig und erschreckend geworden. Und geheimnisvoll: man hat nicht genügend bemerkt, daß das Märchen, weil es ein Märchen war, das Geheimnis ausschloß.118

In diesem Kapitel soll nun etwas näher auf die historischen Wurzeln der phantastischen Literatur eingegangen werden. Wie schon der eingangs zitierte Ausschnitt von Caillois „Bild des Phantastischen“ deutlich macht, muss erst eine gewisse Basis des Rationalen Einzug in die allgemeine Gedankenwelt der Rezipierenden gehalten haben, um danach das Eindringen des regelverstoßenden allgemeinen Phantastischen als unheimlich und grenzüberschreitend zu empfinden. Diese Entwicklung soll im Folgenden skizziert werden, um einen besseren Zugang zu den danach präsentierten Werken der traditionellen und der ebenfalls grenzüberschreitenden Repräsentationen der phantastischen Literatur finden zu können.

4.1 Wegbereiter und Wurzeln der phantastischen Literatur

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