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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Das Denken gegen den Strich. Erscheinungsformen des österreichischen Aphorismus

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Stefan H. Kaszynski

1. Methodologische Vorüberlegung

Von den Zeitzeugen und Mitarbeitern von Otto Neurath, einem der profiliertesten Denker des berühmten Wiener Kreises wird erzählt, dass er in seinem Arbeitszimmer stets einen Zettel mit der Inschrift „Bilder vereinigen, Sprache trennt“ vor Augen hatte. Dieser an sich stark semantisch verschlüsselte Satz, war nicht so sehr als Feststellung, sondern vielmehr als Mahnung gedacht. Wovor er warnen sollte, wissen wir bereits aus den bildtheoretischen Schriften des Wissenschaftlers, aus denen klar hervorgeht, dass Bilder, bei ihm Piktogramme genannt, eindeutige Kommunikate sind, sprachliche Mitteilungen können hingegen aus ihrer implizierten Vieldeutigkeit heraus verbale Missverständnisse erzeugen. Neurath war erfolgreich in vielen Wissenschaftsbereichen tätig, eines war er aber mit Sicherheit nicht, er war kein professioneller Schriftsteller, dabei hat der eben angeführte Satz alle Merkmale eines literarischen Textes, er ist symbolisch, metaphorisch, vieldeutig und lässt sich sowohl durch seinen Inhalt als auch durch seine intuitiv angelegte ästhetische Form interpretieren. Rezeptionsästhetisch gesehen erfüllt dieser Text alle Voraussetzungen eines literarischen Aphorismus.

Die Geschichte mit dem unbeabsichtigten Aphorismus von Otto Neurath soll hier bewusstmachen, dass die Gattungsbezeichnung Aphorismus einerseits von den Intentionen des Autors und andererseits von der grammatischen Ausfertigung der Mitteilung abhängt. Neurath war kein Aphoristiker, doch der appelative, leicht emotionale Ton seiner Aussage erlaubt es dem Literaturwissenschaftler, diesen Satz in den Kategorien eines kreativen literarischen Kunstwerkes zu interpretieren, wobei der Schwerpunkt dieser Interpretation auf dem kreativen Element der Sprachstruktur liegt. Der...

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