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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Lessings Nathan und die Frage der Toleranz nach Auschwitz bei George Tabori, Elfriede Jelinek und Robert Schindel

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Primus-Heinz Kucher

1.

Endlich verklingtSein lächerliches LiedDas törichte MärchenÜber irgendwelchen RingWir werden es nie wieder hören1

Mit diesen finalen Versen, gestanzt aus Hass, Anmaßung und Rachsucht, vorgetragen durch die Figur des Patriarchen, eines politkriminellen Drahtziehers wie er aus zahlreichen gegenwärtigen Konfliktszenarien jeden Moment ins Bild treten könnte, klingt Taboris Szenenfolge Nathans Tod aus. Die Irritation war wohl kalkuliert und unüberhörbar, wurde doch und zwar sehr bewusst der schon vielmals gescheiterte und geschändete Vernunftglaube der Aufklärung, der immerhin als „kunstvolles Märchengehäuse“ auf der Bühne utopische Spielformen des Dialogischen, allen voran seine ‚Ringparabel‘, unermüdlich gegen den Unbill der Zeiten in Szene gesetzt hat, buchstäblich, so eine Besprechung anlässlich der Uraufführung in Wolfenbüttel (1991), „zertrümmert“.2 Zertrümmert, was unverzüglich in die Nähe einer Infragestellung einer deutschen Bildungsinstitution schlechthin geriet, jener der großen Bühne mit ihrem zum Gelingen hochgerüsteten moralischen Besserungskatechismus. Das durfte nun doch nicht sein: Die Spitze des Stückes wendete sich flugs in eine Spitze gegen das Stück, dialektisch wie perfide zugleich: Einmal ein „Satan der Weise“, wie die FAZ titelte, dann: „Ein szenisches Pamphlet [Taboris Stück] gegen ein ‚dramatisches Gedicht‘ [so die Lessing’sche paratextliche Ergänzung zum Nathan, Anm. d. Verf.]. Ein Amoklauf unter Palmen…“, – ein letztlich unter den Erwartungen gebliebener Tabori, der an der großen und notwendigen Herausforderung Lessing – „ein Freidenkergespr...

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