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Formen des Nicht-Verstehens

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Oliver Niebuhr

Für viele Sprachwissenschaftler ebenso wie für Sprachbenutzer ist Nicht-Verstehen eine unabsichtlich entstehende Randerscheinung in der Kommunikation, die es zu vermeiden gilt. Die Beiträge in diesem Band rücken das negative Image des Nicht-Verstehens ein wenig zurecht. Sie analysieren und kategorisieren die Formen des Nicht-Verstehens aus unterschiedlichen ingenieurs- wie geisteswissenschaftlichen Blickwinkeln heraus für verschiedene Sprachen und Medien. Nicht-Verstehen ist – mal mehr, mal weniger ausgeprägt – in geschriebener wie gesprochener Sprache allgegenwärtig und wird von Sprachbenutzern auch gezielt instrumentalisiert. Zudem werden einige Formen des Nicht-Verstehens überschätzt – oder durch die Forschung selbst erst geschaffen, die das (Nicht-)Verstehen noch nicht verstanden hat.
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Konstantin Tacke / Stephanie Thieme: Verständliche Gesetze? – Aus der Praxis der Sprachberatung im Gesetzgebungsverfahren

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Verständliche Gesetze? – Aus der Praxis der Sprachberatung im Gesetzgebungsverfahren

Konstantin Tacke / Stephanie Thieme (Berlin)

1. Schwerverständlichkeit von Gesetzen – eine kurze Einführung

In einem Band, der das Nicht-Verstehen behandelt, darf – so werden manche denken – ein Beitrag zum Thema „(Un-)Verständlichkeit von Gesetzen“ nicht fehlen. Gesetzen eilt wie kaum einer anderen Textsorte der Ruf voraus, nicht oder nur schwer verständlich zu sein. Wie WARNKE (2004) durch den „Vergleich allgemeiner Laienurteile zur Verständlichkeit der Rechts- und Gesetzessprache mit den Befunden zur tatsächlichen Textkenntnis“ (WARNKE 2004: 446) empirisch nachweisen konnte, handelt es sich dabei in vielen Fällen allerdings um ein Stereotyp: „[Die] Aussage zur Schwerverständlichkeit ist ein gewohnheitsmäßiges Urteil und kann nicht durch sachliche Reflexion begründet werden“ (WARNKE 2004: 452). Ganz unberechtigt sind solche Aussagen dennoch nicht, wie dieser Beitrag zeigen soll.

Gesetze1 regeln nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen (Zusammen-)Lebens: Beim Mieten einer neuen Wohnung oder beim Abschluss eines Arbeitsvertrages gelten rechtliche Regelungen ebenso wie im Straßenverkehr oder beim Einkauf im Supermarkt; durch Gesetze wird der Umgang mit Trinkwasser, die Prüfung von Produkten auf deren Sicherheit oder die Erhebung von Steuern für private Versicherungen oder für Strom oder Tabak geregelt. – Obwohl Gesetze die Lebensbereiche jedes Einzelnen betreffen, sind sie doch meist nicht für jeden Einzelnen verständlich, mindestens aber „schwerer verständlich, als sie sein müssten“ (NUSSBAUMER 2008: 301). Anders als in der Alltagssprache entfaltet sich die...

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