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Christentum und Menschenrechte in Europa

Perspektiven und Debatten in Ost und West

Series:

Vasilios N. Makrides, Jennifer Wasmuth and Stefan Kube

Der Band geht auf eine internationale Konferenz in Erfurt zurück und ist den aktuellen Beziehungen zwischen Christentum und Menschenrechten in Europa gewidmet. Die Veröffentlichung der offiziellen Position der Russischen Orthodoxen Kirche zu den Menschenrechten im Jahre 2008 hat der Diskussion eine neue Dynamik verliehen und intensive Debatten in Ost- und Westeuropa ausgelöst. Die verschiedenen Beiträge behandeln einerseits das russische orthodoxe Dokument zu den Menschenrechten in seinen diversen Dimensionen, sowohl im russischen und breiteren orthodoxen Kontext als auch in seinem Verhältnis zu den westlichen christlichen Kirchen und europäischen säkularen Akteuren und Institutionen. Andererseits werden Positionen zu den Menschenrechten aus katholischer und evangelischer Sicht auf prägnante Weise präsentiert und die Ambivalenzen des modernen Menschenrechtsdiskurses zwischen Säkularismus und Religion thematisiert.
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Kulturphilosophische Anfragen an die russisch-orthodoxe Konzeption der Menschenwürde

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Regula M. Zwahlen

The Russian Orthodox Church’s “Basic Teaching on Human Dignity, Freedom and Rights” (2008) has kindled an extensive debate among the Christian Churches in the West. Focusing on responsibility, duties towards society, and traditional moral norms rather than human rights and liberties, this document carries on the centuries-old European debate about the right balance between individual and communal values. As I argue in this chapter, this focus on traditions favours cultural relativism and ignores the historical context that led to the Universal Declaration of Human Rights in 1948. As a result, the document does not endorse a definition of human dignity in terms of a moral concept of individual autonomy, and thus neglects one of the main premises on which modern pluralist societies are based.

Die Russische Orthodoxe Kirche hat zu den Menschenrechten Stellung bezogen und damit in Westeuropa eine lebhafte Diskussion unter Vertretern der anderen christlichen Konfessionen ausgelöst.1 Haben die meisten westeuropäischen Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer vorbehaltlosen Unterstützung der Menschenrechte gefunden, so scheint dies der Russischen Orthodoxen Kirche in der aktuellen Situation nicht möglich zu sein. Dabei ist in jüngster Zeit deutlich geworden, dass es sich bei dieser Problematik nicht um unüberwindbare west-östliche Fronten in einem „Kampf der Kulturen“ handelt, sondern um die gegenwärtige Ausprägung eines kulturellen Entwicklungsprinzips, das in der europäischen Moderne – bis hin zu unserem „postsäkularen Zeitalter“2 – besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Der Kulturphilosoph...

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