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Jahrbuch 2012/2013

Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes von Martin Heger

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Edited By Berliner Wissenschaftliche

Mit diesem Jahrbuch informiert die gemeinnützige Gesellschaft im 40. Jahr ihres Bestehens über ihre Aufgaben und Ziele. Sie pflegt und fördert mit ihren 325 Mitgliedern die Zusammenarbeit unter den im Großraum Berlin tätigen Wissenschaftlern aller Disziplinen und Institutionen, bietet besonders dem Nachwuchs aller Fächer ein Diskussionsforum, verleiht Preise für ausgezeichnete Leistungen und greift in die hochschulpolitischen Auseinandersetzungen ein, um der Politik und der Öffentlichkeit eine bessere Meinungsbildung zu ermöglichen. Im Verlauf des Jahres werden Vorträge aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen angeboten.
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Vom Quellenwert der Bilder

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← 138 | 139 → Sind Historiker „im Bilde“?Zur Auseinandersetzung der Geschichtswissenschaft mit dem Visuellen

Eckart Henning

Der als Reaktion auf den sog. Linguistic Turn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts proklamierte wissenschaftstheoretische Paradigmenwechsel zum Pictorial (J.T. Mitchell, 1992) bzw. Iconic Turn (Gottfried Boehm, 1994) hat die Geschichtswissenschaft erst in den neunziger Jahren erreicht. Jüngere Darstellungen zur deutschen Geschichte kamen noch ganz ohne Bilder aus; weder Thomas Nipperdey noch Hans-Ulrich Wehler waren schon „im Bilde“. Historiker zweifelten nicht nur an der Abbildbarkeit von Geschichte, Bilder galten ihnen auch als wenig seriös, gerade wegen einer wahren Bilderflut. Sie störten mehr die Darstellung „ernsthafter“ Historiker, wurden als Ersatzquellen behandelt oder erschienen als nebensächliche Illustrationen. Bildkompetenz wurde Kunsthistorikern zugeschrieben, während Historiker sich für Texte zuständig fühlten, ihre Quellenkritik war Sprachkritik. Abgesehen von textlichen Bildern (Metaphern), die ja neben den visuellen bestehen, herrschte bei ihnen eine weitgehende Bild-ignoranz vor, obwohl bekannte Methodenlehrer wie Johann Gustav Droysen, Karl Bernheim und Wilhelm Bauer wenigstens auf Bildquellen hingewiesen hatten, um sie dann (meist) den „Überresten“ zuzuordnen. Sie behandelten diese nonverbalen Quellen wie Sachüberreste (Realien) und vermochten deren „Wirkmächtigkeit“ kaum angemessen einzuschätzen.

Die unausgesprochene Arbeitsteilung zwischen Kunstgeschichte und Geschichte fand erst in den letzten Jahrzehnten ein allmähliches Ende, befördert durch die Wiederkehr der Kulturgeschichte, auch wenn Außenseiter und Vorläufer dieser Entwicklung den Weg ebneten. Auf Seiten der Kunstgeschichte sind Jacob Burckhardt (1818-1897), Aby M. Warburg (1866-1929) und Erwin Panofsky...

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