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Jahrbuch 2012/2013

Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes von Martin Heger

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Edited By Berliner Wissenschaftliche

Mit diesem Jahrbuch informiert die gemeinnützige Gesellschaft im 40. Jahr ihres Bestehens über ihre Aufgaben und Ziele. Sie pflegt und fördert mit ihren 325 Mitgliedern die Zusammenarbeit unter den im Großraum Berlin tätigen Wissenschaftlern aller Disziplinen und Institutionen, bietet besonders dem Nachwuchs aller Fächer ein Diskussionsforum, verleiht Preise für ausgezeichnete Leistungen und greift in die hochschulpolitischen Auseinandersetzungen ein, um der Politik und der Öffentlichkeit eine bessere Meinungsbildung zu ermöglichen. Im Verlauf des Jahres werden Vorträge aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen angeboten.
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Melchior Schildt und die Paduana Lachrymae

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Klaus Mylius

I. Über Melchior Schildt

Wie ein Archäologe in immer tiefere Schichten vordringt und dabei ständig neue Erkenntnisse sammelt, so erschließen sich beim Eintritt in die Wunderwelt der Orgel- und Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts immer neue Aspekte.1 Diese musikgeschichtliche Forschung ist aber keine l’art pour l’art, sondern soll neuen musikalischen Gewinn vermitteln, aber auch große Organisten und Komponisten der Vergessenheit entreißen und ihre Werke wieder ins Bewusstsein der Menschen von heute zurückbringen. Die vorliegende Studie ist einem immer noch von manchen Rätseln umgebenen Komponisten gewidmet: Melchior Schildt.2 Rätselhaft waren lange Zeit sogar seine Lebensdaten. Als Geburtsjahr konnte man sich zwischen 1592 und 1593 lange nicht entscheiden und ließ die Wahl offen. Als Resultat einer scharfsinnigen Überlegung hat Klaus Beckmann den Zeitraum zwischen Juni und August (wahrscheinlich Juli) 1502 als Geburtszeit Schildts ermittelt.3 Damit hat das Schwanken zwischen 1592 und 1593 ein Ende.

Musikgeschichtlich verblieb Schildt im Schatten von Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt. Seine Kompositionen waren bis 1955 fast unbekannt, als der Musikwissenschaftler Gustav Fock zwei Manuskriptsammlungen in Clausthal-Zellerfeld entdeckte, darunter das Magnificat. Selbst Gotthold Frotscher behandelt nur den Choral Hertzlich lieb hab ich dich, o mein Herr und die Bearbeitung von Allein Gott in der Höh sey Ehr.4 Das Kompendium Handbuch Orgelmusik ← 291 | 292 → erwähnt wiederum nur das Magnificat.5 Hermann Keller, der u.a. die wichtigsten norddeutschen Orgelkomponisten aufzählt, erwähnt Schildt überhaupt nicht.6 Mit Recht verweist Joseph Kelemen darauf,...

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