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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Henry Friedlander, Der Weg zum NS-Genozid. Von der Euthanasie zur Endlösung, Berlin Verlag, Berlin 1997, 640 Seiten

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Als 1955 im Suhrkamp Verlag ausgewählte Schriften von Walter Benjamin in zwei Bänden, herausgegeben von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem, erscheinen, ist die Resonanz gering. Etwa 200 Exemplare werden verkauft. Eine ähnliche Erfahrung macht Raul Hilberg. Als sein Werk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ über 20 Jahre nach der amerikanischen Erstausgabe von 1961 in einem kleinen Berliner Verlag (Olle und Wolter) auf Deutsch erscheint, wird das Buch nur begrenzt wahrgenommen; dies geschieht erst 1990 durch die Veröffentlichung im S. Fischer Verlag. Dass Bücher von großer analytischer Bedeutung zuweilen ihr Publikum nicht wirklich erreichen, gilt in gewisser Beziehung auch für die große Untersuchung von Henry Friedlander, die historischen Fachleuten zwar bekannt ist, aber in der Öffentlichkeit nur unzureichend wahrgenommen wurde – anders als marktgängig geschriebene, halbkritische Bücher über den Nationalsozialismus.1 Vergleichbar nur mit den Studien Hilbergs hellt Friedlander die Funktionsmechanismen und personellen Verantwortlichkeiten der nationalsozialistischen Politik des Massenmords umfassend auf.

Friedlander widmet sein Buch seiner Mutter: „In memoriam Ruth Friedländer, geb. Löwenthal, Brandenburg 1902, Birkenau 1944.“ Er überlebt, 15 Jahre alt, das Konzentrationslager Auschwitz. Seine Analyse bekommt dadurch ein besonderes Gewicht, dass sich in ihr die eigenen Erfahrungen mit den rechtszerstörenden Institutionen des NS-Regimes mit dem Anspruch sachlich genauer Darstellung verbinden. Damit besitzt Friedlanders Werk die gleiche, durch eigene Anschauung verstärkte Objektivität, die jene großen Arbeiten über die NS-Herrschaft charakterisiert, die, durch den Prozess der Verfolgung geschärft, von Franz L....

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