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Kulturwissenschaften der Moderne

Band 3: Das 20. Jahrhundert

Peter Nitschke

Kulturwissenschaften sind eine Sammeldisziplin in der Moderne geworden, bei der sich ganz unterschiedliche Fachdisziplinen unter dem Paradigma der Kultur zusammengefunden haben. Mit Blick auf das 20. Jahrhundert behandelt das Buch folgende Themen: Plakatpropaganda im Ersten Weltkrieg – Die Schuldfrage nach Jaspers – Der Biologismus – Gerechtigkeit in der Globalisierung – Von der Frauenfrage zum Genderansatz – Die kulturelle Funktion der Bundespräsidenten in Deutschland – Hannah Arendts politische Kulturdiagnose – Der Untergang des Abendlandes und der Clash of Civilizations.
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Plakatpropaganda im Ersten Weltkrieg: Eugen Kotte

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Plakatpropaganda im Ersten Weltkrieg

Eugen Kotte

I.Bilder als historische Quellen – zur Entwicklung einer „visual history“

Vor zwanzig Jahren rief der Baseler Kunsthistoriker Gottfried Boehm eine „Wiederkehr der Bilder“ aus,1 durch die er die Aufmerksamkeit für piktoriale Darstellungsformen als Zeugnisse vergangener und gegenwärtiger Mentalitäten durch die über die Untersuchung der visualisierten Aussage hinausgehende Frage nach den Eigenarten des Rezeptionsprozesses intensivieren wollte.2 Entscheidenden Einfluss auf die von Boehm geförderte Entwicklung übte die im anglo-amerikanischen Bereich bereits länger geführte Diskussion um die „visual culture“ aus, in deren Kontext der US-amerikanische Kunsthistoriker William J. T. Mitchell durch einen „pictorial turn“ die Auseinandersetzung mit der visuellen Kultur der Gegenwart forderte.3 Boehm fasste diese Impulse im Begriff des „iconic turn“,4 der in der Folge mit der Kernforderung verknüpft wurde, angesichts der maßgeblich durch die modernen Medien erzeugten Omnipräsenz des Visuellen die Dominanz der Sprache als Kommunikationsmedium durch die stärkere Wahrnehmung von Bildern in ihrem „Wechselspiel von Visualität, Apparat, Institutionen, Diskurs, Körper und Figurativität“ ergänzend zu relativieren.5

Für die Geschichtswissenschaft impliziert dieses verstärkte wissenschaftliche Interesse an bildlichen Darstellungen primär die Frage nach ihrem Quellenwert, der sich jedoch nicht in der visualisierten Aussage erschöpfen kann, sondern die artifizielle Eigenart und die ikonische Gestalt ebenso wie den historisch-sozialen Kontext individueller und kollektiver Aneignung und Deutung sowie die mit Herstellung und Wahrnehmung visueller Artefakte verbundenen kommunikativen Prozesse einbeziehen ← 17 | 18 → sollte.6 Zwar...

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