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Das Andere

Eine Spurensuche in der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

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Annette Kreutziger-Herr

Der Begriff «das Andere» durchzieht seit den achtziger Jahren zahlreiche philosophische und kulturtheoretische Texte, die der Postmoderne zugeordnet werden. Häufig wird hierbei nicht das Exotische des Anderen, sondern die für den Betrachter so attraktive Spiegelfunktion betont: Das Andere als das, was man selbst gerne wäre. In der Musikwissenschaft ist «das Andere» bislang selten zum Gegenstand spezieller Untersuchungen geworden. Liegt dies daran, daß als Folge in Kauf genommen werden müßte, das Eigene radikal zur Disposition zu stellen? Oder etwa daran, daß man meint, die «wortlose Kunst» Musik könnte als «tönend bewegte Form» in der wortgewaltigen Debatte keine Rolle spielen? Der Band widmet sich ausschließlich dem kontrovers diskutierten Begriff «das Andere» und ist mit seinem Netzwerk aus analytischen, textkritischen, interdisziplinären und historisch-beschreibenden Untersuchungen ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion um Alterität, Fremdheit und Interkulturalität. Musik wird hier erstmals dem kulturtheoretischen Diskurs als vielversprechendes Untersuchungsfeld zugeführt.
Aus dem Inhalt: Vladimir Karbusicky: Der Exotismus der Absurdität - Thomas H. Krumm: Die Musik ist nicht das ganz Andere. Aspekte der Musikphilosophie Vladimir Jankélévitchs - Frank Harders-Wuthenow: Ferne Klänge aus dem hetärischen Zeitalter. Der nichtwahrgenommene Antifeminismus der Philosophie der Neuen Musik - Nicola Gess: Die Schallplatte als (Schrift-)Spur: Das Andere Hören in den Texten Theodor W. Adornos - Roberto Favaro (Übersetzung: Klaus Oehl): Musik als verstörendes Element in der Literatur - Dagmar von Hoff: Von der hörbaren Zerstörung. Die Stimme des Erzählers bei Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek - Britta Sweers: Das Andere im Eigenen entdecken: Musikethnologisches Denken in der Historischen Musikwissenschaft - Helmut Rösing: Interkulturelle Musikaneignung. Verfälschung, Bereicherung oder Fortschritt? - Marie-Agnes Dittrich: Kein grollender Titan - Franz Schubert, der Österreicher - Silke Leopold: Grönland in Mannheim. Abbé Voglers Polymelos und die Idee der «nazional-karakteristischen» Musik - Dorothea Redepenning: «... unter Blumen eingesenkte Kanonen...» Substanz und Funktion nationaler Musik im 19. Jahrhundert - Ruth A. Solie: Whose life? The gendered self in Schumann's Frauenliebe songs - Gisela A. Müller: «Alter Ego» oder «das Andere»: Aspekte des «veränderlichen» Geschwisterverhältnisses von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy - Jeams Deaville: Liszt's Virtuosity and His Audience: Gender, Class and Power in the Concert Hall of the Early 19th Century - Melanie Unseld: Augenblicke des Sterbens. Salome und Mélisande als Entwürfe von Weiblichkeit um die Jahrhundertwende - Leslie Thayer Piper: Musical Canonicity or Spiritual Canonization: The Persistence of Lili Boulanger's «Unforgettable Image» and its Implications for Reception Leslie Thayer Piper - Uwe Sommer: «Er ist entkommen». Zur produktiven Rezeption der Musik Edgard Varèses - Dörte Schmidt: Die Geburt des Flugzeugs: Cage, I Ching und C. G. Jung - Hans-Peter Rodenberg: «I hold the idea of ecstasy as the solution» - Leonard Cohen und die melancholische Dekonstruktion des Selbst - Charlotte Rosch: Die Komposition Flammenzeichen von Younghi Pagh-Paan: Eine musikalische Begegnung mit einem «ganz anderen Deutschland» - Manfred Stahnke: Trace des Sorciers. Ein Stück weit Straßenmusik in drei Sätzen – Kerstin Beth: Mal was anderes: Die Hamburger Komponistin Dodo Schielein.