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Der «unpolitische» Komponist als Politikum

Die Rezeption von Jean Sibelius im NS-Staat

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Ruth-Maria Eicher

Jean Sibelius war im NS-Staat so etwas wie der finnische Wagner. Obwohl er selbst nicht aktiv dazu beitrug, wurde er gefördert wie kaum ein anderer ausländischer Komponist. Anhand zahlreicher Archivalien untersucht dieses Buch Zusammenhänge und Hintergründe des nationalsozialistischen Sibelius-Kults. Zum Teil erstmals ausgewertete Dokumente und statistische Erhebungen der Autorin zeigen auch, daß die Sibelius-Förderung durch das NS-Regime in den Medien (Konzert, Funk, Film, Schallplatte, Presse und Literatur) und in der breiten Masse der Bevölkerung keinen adäquaten Niederschlag fand. Dort hielten sich vielmehr traditionelle Klischees, die auch nach dem Krieg in der BRD wie in der DDR eine nüchterne Auseinandersetzung mit dem Komponisten und seiner in Deutschland von jeher politisch geprägten Rezeption verhinderten. Ausgehend vom Fall Sibelius bietet dieses Buch viele neue Einblicke in das deutsche Musikleben der NS-Zeit wie überhaupt des 20. Jahrhunderts.
Aus dem Inhalt: Politisch beeinflusste Sibelius-Rezeption vor 1933 – Außenpolitische, ideologische, musikästhetische und musikpolitische Voraussetzungen für die Sibelius-Pflege im NS-Staat – Der Sibelius-Kult an der Spitze des NS-Staates: Ehrungen und Auszeichnungen – Sibelius in den Musik verbreitenden Medien: Konzert, Schallplatte, Rundfunk, Film – Sibelius in den Musik kommentierenden Medien: Tagespresse, Musikzeitschriften, wissenschaftliche Literatur – Zwischen Begeisterung und Desinteresse: Sibelius-Rezeption an der Basis – Gegenreaktionen und verpasster Neuanfang: Sibelius-Rezeption in DDR und BRD 1945 bis 1990 – Aufarbeitung und Revision: Sibelius-Rezeption im wiedervereinigten Deutschland.