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Identität statt Differenz

Zum Verhältnis von Kunsttheorie und Gesellschaftsstruktur in Russland im 18. und 19. Jahrhundert

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Dirk Kretzschmar

Diese Arbeit rekonstruiert mit Hilfe systemsoziologischer Kategorien die Entwicklung der russischen Literatur- und Kunsttheorie zwischen 1700 und 1900 im Vergleich zu Westeuropa. Es wird gezeigt, dass in Russland die für die westeuropäische Moderne konstitutive Evolution von der stratifizierten zur funktionsdifferenzierten Gesellschaft ausbleibt und sich infolgedessen Kunst und Literatur nicht zu autonomen und funktional spezifizierten gesellschaftlichen Subsystemen ausdifferenzieren können. Die Anwendung eines elaborierten (kunst-)soziologischen Instrumentariums sowie der Vergleich mit der westeuropäischen Evolution der Kunst zu einem exakt abgrenzbaren Teilsystem der Gesellschaft bringt die für Russland charakteristische Funktionsüberforderung insbesondere der Literatur als religiöses, metaphysisches, kognitives, moralisches und politisches Erkenntnismedium einer theoretisch fundierten Erklärung näher.
Aus dem Inhalt: Zu Fragestellung, Untersuchungsziel und theoretischer Basis – Die frühneuzeitliche Ausdifferenzierung des Sozialsystems Kunst in Westeuropa – Gesellschaftsstruktur und Kunst in Russland zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert – Zum Stand gesellschaftlicher Funktionsdifferenzierung in Russland im 18. und 19. Jahrhundert – Die Ausdifferenzierung der Kunst im 18. Jahrhundert als Reflexionsproblem der westeuropäischen Kunsttheorie – Die kunsttheoretische Semantik Russlands im 18. und 19. Jahrhundert (Ästhetik, Autonomie, Mimesis, Aufklärung, Genialität) – Das Faszinosum geretteter Identität: Die russische Romantik.