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Mehrsprachigkeit und regionale Bindung in Musik und Literatur

Series:

Tomi Mäkelä and Tobias Robert Klein

Kognitive Prozesse in mehreren Sprachen und die gleichzeitige Bindung an verschiedene kulturelle Kontexte beeinflussen das Selbstverständnis und Schaffen europäischer Musiker und Literaten nicht erst seit der um sich greifenden Verbreitung elektronischer Interaktionsformen und medialer Globalität. Zudem scheint das Phänomen keineswegs nur auf Europa und seine einstigen Kolonialmächte und Vielvölkerstaaten anwendbar, sondern stellt ein wichtiges, wenngleich bisher wenig beachtetes Merkmal vieler Kulturen weltweit dar. Durch die Globalisierungsdebatte der letzten Jahre hat die Frage nach multiplen kulturellen Identitäten allerdings eine neue Aktualität gewonnen. Um so dringender erscheinen heute sowohl historisch-empirische als auch systematisch-theoretische Analysen. In neunzehn Fallstudien zu Musik, Literatur, Alltagssprache sowie ihrer wechselseitigen Beziehungen zum jeweiligen politischen Umfeld beleuchten Autoren aus insgesamt sieben Staaten die Auswirkungen von Mehrsprachigkeit, Nationalismus und Globalität in Regionen Europas sowie in Afrika und Nordamerika seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Neben theoretischen Entwürfen enthält der Band biographische Studien zu einigen Künstlern, deren adäquate Interpretation ein wissenschaftliches und publizistisches Desiderat darstellt.
Aus dem Inhalt: Tobias Robert Klein/Tomi Mäkelä: Von regionaler Mehrsprachigkeit zur globalen Heimat. Eine Einleitung – Bärbel Treichel: Mehrsprachigkeit und Identität – Gudrun Goes: Vladimir Nabokov: Rußland - mein verlorenes Paradies: Erzählen in zwei Sprachen – Janna Kniazewa: Jacques Handschin in St. Petersburg – Tomi Mäkelä: Konflikt der Sprachen und Stämme. Jean Sibelius und das zweisprachige Finnland – Stefan Keym: Zur Problematik von Heimat, Nationalität und Sprache bei Ignacy Jan Paderewski und Feliks Nowowiejski – Michael Wittmann: Franz Xaver Scharwenka - Komponist aus Posen – Ivana Rentsch: Auf der Suche nach dem «wirklichen Theater» oder Wie tschechisch ist Martinů – Lubomir Spurny: Novák und die tschechische Moderne – Ronald Dürre: Ludwig Spohr und Europa – Jens Marggraf: Zeitgenössisches Komponieren in Mitteldeutschland – Hans-Werner Breunig: Englische Romantiker in Deutschland: Das Vertrauen und das Fremde – Ludwig Finscher/Andreas Jaschinski: Die neue MGG als internationales Lexikon – Rüdiger Schumacher: Der Globalisierungsdiskurs und die Musikethnologie – Jan Stęszewski: Turm zu Babel, Elfenbeinturm, Medien und Globalisierung - Über individuelle, lokale, regionale, nationale, übernationale und andere Musikidentitäten – Dietmar Fricke: Globalisierung und Fragmentierung aus politologischer Sicht oder Moritat von den ungleichen Chancen – Nicholas N. Kofie: Die «Gaia-Hypothese» und die Globalisierung afrikanischer Musik – Tobias Robert Klein: Audiatur et altera Pars? - Über die Bedeutung Afrikanischer Nationalismen für die Musikwissenschaft – Michael Schlottner: Musik und Medien: Lokale und globale Artikulation im indigenen Hörfunk Nordamerikas.