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Vom Zeugnis zur Fiktion

Repräsentation von Lagerwirklichkeit und Shoah in der französischen Literatur nach 1945

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Silke Segler-Meßner, Monika Neuhofer and Peter Kuon

Sechzig Jahre nach der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager ist das Gedächtnis von Shoah und Lager an einem Wendepunkt angelangt. Mit dem absehbaren Tod der letzten Überlebenden wird sich die Erinnerungskultur zwangsläufig verändern. An die Stelle der Abwesenden werden ihre Zeugnisse und deren Bearbeitungen in den unterschiedlichsten Medien treten. Der Band sucht der Diversität eines Archivs gerecht zu werden, das nicht in Zeugnisse und Fiktionen, erste und zweite Generation, vergessene und kanonische AutorInnen, Lager-Texte und Shoah-Texte auseinander dividiert, sondern als lebendige «Erinnerungslandschaft» rekonstruiert werden sollte. Die Beiträge thematisieren die Übergänge vom Zeugnis zur Fiktion in der französischen Literatur nach 1945.
Aus dem Inhalt: Silke Segler-Messner: Une connaissance inutile: Zum Paradox literarischer Zeugenschaft – Aurélia Kalisky: Das literarische Zeugnis zwischen ‘Gestus des Bezeugens’ und literarischer Gattung – Karla Grierson: Discours d’Auschwitz: Lebensberichte und Symbolisierungen des Genozids – Lydia Bauer: « Retenir l’autre dans la vie »: Humanistisches Denken bei Antelme und Duras in Relation zur Philosophie des Anderen bei Lévinas und Blanchot – Judith Kasper: « La queue et l’art de comparer »: Spaltungen und Metamorphosen in Piotr Rawicz’ Roman Le sang du ciel – Mona Körte: Stummer Zeuge: Der ‘Muselmann’ in Erinnerung und Erzählung – Anke Gladischewski: « Le dédoublement de la mémoire et des mots » (Delbo): Traumatische Erinnerung und Sprache – Michael Einfalt: Jorge Semprun: Die Konstruktion von Erinnerung als Aufgabe der Literatur – Peter Kuon: Die Schwierigkeit, Ich zu sagen: Erzählstrategien in den Lagertexten von Paul Tillard – Mechtild Gilzmer: Germaine Tillion: ‘À la recherche de la vérité perdue’ – Andreas Schmoller: Über das Lager schreiben: Konstruktion von Identität in Erinnerungstexten – Renate Overbeck: Erinnern, Vergessen und Schreiben als Themen der autobiographischen Lagerliteratur – Titus Heydenreich: Überleben - weiterleben? Odette Abadi - Ruth Klüger - Edith Bruck – Heidi Aschenberg: Polyglossie im Konzentrationslager: Literarische Reflexe in Texten zur Shoah – Reinhard Krüger: Lagererfahrung, Labyrinth und fragmentarisches Erzählen: Les morts inutiles von François Wetterwald – Sabine Friedrich: Narrative Inszenierungsformen der Zeugenschaft in Robert Antelmes L’espèce humaine – Monika Neuhofer: Zur Funktionsweise von Intertextualität bei Jorge Semprun – Fransiska Louwagie: Die Suche nach Einheit und Identität in Zeugnissen der Shoah: Elie Wiesels La nuit und André Schwarz-Barts Le dernier des justes – Catherine Coquio: Was ist eine ‘lazarinische’ Literatur? Zur Aktualität von Jean Cayrol – Ute Fendler/Christoph Vatter: ‘Leerstelle Lager’: Zur Darstellung der Konzentrationslager im französischen Film – Isabelle Enderlein: Das komische Theatrum Mundi und die allgegenwärtige Abwesenheit der Shoah in Albert Cohens Belle du Seigneur – Thomas Klinkert: Das Schreiben des Nicht-Erlebten: Georges Perec und Patrick Modiano – Astrid Poier-Bernhard: La danse de Gengis Cohn - von und ‘in’ Romain Gary.