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Populäre Ökologie

Zu Literatur und Geschichte der modernen Umweltbewegung in den USA

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Hannes Bergthaller

Mit dem Aufstieg der modernen Umweltbewegung avancierte die Ökologie von einer biologischen Disziplin zum gesellschaftspolitischen Schlagwort. Begriffe wie «natürliches Gleichgewicht» und «Nahrungskette» wurden umgeprägt zu absoluten Metaphern im Sinne Hans Blumenbergs: Sie dienen seitdem nicht mehr nur als Kurzformeln für wissenschaftlich beschreibbare Sachverhalte, sondern als Modelle ethischen Handelns. In den USA vollzog sich diese semantische Umbesetzung parallel zum Kalten Krieg, und sie mobilisierte das eng mit dem Naturbegriff verknüpfte Metaphern- und Erzählrepertoire der liberalen Gesellschaftslehre, um eine virulente Legitimationskrise zu bewältigen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Texte, die besonders nachhaltigen Einfluss auf diese Entwicklung gehabt haben: Aldo Leopolds A Sand County Almanach (1949), Rachel Carsons Silent Spring (1962), die Essays von Gary Snyder sowie Edward Abbeys Desert Solitaire (1968). Dabei geht es nicht nur um die Rekonstruktion ihrer kulturgeschichtlichen Kontexte, sondern auch um die Frage, welche Bedeutung den von ihnen entworfenen Positionen heute noch zukommen kann.
Aus dem Inhalt: Literatur der amerikanischen Umweltbewegung – Grüne/ökologische Literaturwissenschaft – Vom «Conservation Movement» zum «Environmentalism» – Ökologie als Religion der «Counter Culture» – Natur als Norm: Zum Problem des naturalistischen Fehlschlusses – Funktionen der Metapher in populärer und wissenschaftlicher Ökologie – Physikotheologische Wurzeln der populären Ökologie.