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Die Suche nach den ersten Amerikanern

Entstehung, Rezeption und Auswirkungen von Ursprungsideen

Helga Gemegah

Bereits im 16. Jahrhundert begann die Suche nach der Herkunft der ersten Amerikaner. Dabei ging man von Anfang an von einem externen Ursprung und daher entweder von maritimen Kontakten aus der Alten Welt oder von einer Besiedelung aus Asien über eine Landbrücke aus. Diese Vermutungen wurden selten kritisch betrachtet, weil Ursprungsideen trotz vieler Ungereimtheiten die Besiedelungsforschung Amerikas erheblich beeinflusst haben. Diese Vorstellungen führten zudem zu zahlreichen Vergleichen zwischen den Sprachen und Kulturen der Völker Amerikas und Asiens. Anhand der Entstehung und Rezeption von Ursprungsideen sowie ihrer Auswirkungen auf Literatur und Wissenschaft wird in der Arbeit untersucht, ob Ursprungsideen eine ernstzunehmende Grundlage für die Besiedelungsforschung Amerikas sind oder ob sie zu den wissenschaftshemmenden Weltbildern vergangener Jahrhunderte gehören.

«...Und wir dürfen nicht vergessen, dass uns Helga Gemegah an etwas erinnert, dass sehr wichtig ist: für die Findung der Wahrheit ist es sehr wichtig, Lehrmeinungen zu hinterfragen und auch kritische Fragen zu stellen. Nur wer fragt, bekommt Antworten.» (MK, Amerindian Research)
«Diese beiden Publikationen der Vf. beruhen auf intensiven Studien der Romanistik, Altamerikanistik, Sinologie und Archäologie. Durch weitere Veröffentlichungen und Vorträge auf internationalen Kongressen hat Frau Gemegah mit ihren Thesen inzwischen weltweite Anerkennung erfahren. Dies äußerte sich jüngst auch in der Ausstellung 'Novos Mundos / Neue Welten' des Deutschen Historischen Museums in Berlin. In der Untersuchung über den Kolonialklassiker des spanischen Jesuiten José de Acosta wird dabei eine Reihe von historischen Irrtümern korrigiert. Im Dienste der spanischen Krone beruhte dessen Konzept von einer Landbrücke zwischen Amerika und Asien allerdings auf interessengeleiteten Quellen, Landkarten und Vertragswerken. Ein kritisches Studium der damaligen Kartografie entlarvt die Schrift Acostas als Propagandabroschüre. Selbst auf der berühmten Karte von Martin Waldseemüller (1507) sind Amerika und Asien als getrennte Kontinente abgebildet.
In der zweiten Publikation hat die Vf. diese Kritik erweitert und sich die Frage nach der Entstehung, Rezeption und den Auswirkungen von Ursprungsideen gestellt. Die Arbeit mündet in das Problem, ob Ursprungsideen eine seriöse Grundlage für die Erforschung der Besiedlung Amerikas sind oder ob sie auf den Abfallhaufen der Geschichte gehören.
Durch beide Veröffentlichungen hat die Vf. Stellung bezogen in dem jahrhundertealten Disput über die rivalisierenden Interessen Portugals und Spaniens in Asien. Vor allem die spanischen Pläne einer 'Conquista' Chinas sind Gegenstand heftiger Kontroversen gewesen. Die Innovation der vorgestellten Arbeiten liegt in der Hinzuziehung kartografischer Darstellungen als Beleg für die spanischen Interessen in Asien.
Daher betreffen diese interdisziplinären Untersuchungen weit über den Rahmen der Fachwissenschaftler hinaus alle an dem Ursprung unserer Welt Interessierten.» (Professor Dr. Norbert Rehrmann, Technische Universität Dresden)