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Lyrik im 19. Jahrhundert

Gattungspoetik als Reflexionsmedium der Kultur

Series:

Steffen Martus, Stefan Scherer and Claudia Stockinger

Dieser Band geht auf eine Tagung zurück, die 2003 an der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet wurde. «Lyrik» ist im 19. Jahrhundert das massenhaft verbreitete literarische Kommunikationsmedium. Auf allen Ebenen der Gesellschaft und in allen Segmenten des Alltags dient sie als Ferment einer im Umbruch befindlichen Kultur. Ihr Beitrag zur Modernisierung bewegt sich dabei in einem spannungsvollen Verhältnis zwischen der immer wieder betonten thematischen und formalen Traditionalität und der seit dem späten 18. Jahrhundert behaupteten Autonomisierung von Poesie. Mehr noch als andere Gattungen steht Lyrik unter Epigonalitätsverdacht, aber gerade ihr ungesicherter Status macht die Lyrik des 19. Jahrhunderts vielfach anschlußfähig und kulturhistorisch aufschlußreich.
Die Beiträge dieses Bandes befassen sich mit der ‘lyrischen’ Konstitution von Gefühlen, von Geselligkeit, von Gesellschaft, Aufmerksamkeitsmustern oder spezifischen Formen des Gruppen- und Traditionsverhaltens; sie untersuchen Verbindungen zwischen dem Literatursystem und seinen Umwelten und beziehen komparatistische Aspekte sowie Wechselwirkungen zwischen den Gattungen ein.
Aus dem Inhalt: Steffen Martus/Stefan Scherer/Claudia Stockinger: Einleitung. Lyrik im 19. Jahrhundert - Perspektiven der Forschung – Sandra Pott: Poetologische Reflexion. Lyrik als Gattung in poetologischer Lyrik, Poetik und Ästhetik des 19. Jahrhunderts – Steffen Martus: Zwischen Dichtung und Wahrheit. Zur Werkfunktion von Lyrik im 19. Jahrhundert – Claudia Stockinger: Paradigma Goethe? Die Lyrik des 19. Jahrhunderts und Goethe – Simone Winko: Emotionskodes und Lyrikgeschichte. Zum Verhältnis von Kontinuität und Differenz in der deutschsprachigen Lyrik zwischen 1800 und 1900 – Ulrich Breuer: «Farbe im Reflex»: Natur/Lyrik im 19. Jahrhundert – Dirk Niefanger: Lyrik und Geschichtsdiskurs im 19. Jahrhundert – Gerhard Lauer: Lyrik im Verein. Zur Mediengeschichte der Lyrik des 19. Jahrhunderts als Massenkunst – Stefan Scherer: Anti-Romantik (Tieck, Storm, Liliencron) – Gustav Frank: Dichtung in Prosa(ischen Zeiten). Lyrik zwischen Goethezeit und Vormärz in Erzähltexten Goethes, Heines, Mörikes und Eichendorffs – Andrea Polaschegg: Unwesentliche Formen? Die Ghasel-Dichtungen August von Platens und Friedrich Rückerts. Orientalisierende Lyrik und hermeneutische Poetik – Thomas Borgstedt: Der Ruf der Gondoliere. Genretheorie, Formpoetik und die Sonette August von Platens – Madleen Podewski: Zwischen «Hellenen» und «Barbaren»: Artifizielle Repetitionen in Heinrich Heines letztem Gedicht – Albert Meier: «Unerhörte Rücksichtslosigkeit». Zur Logik von Theodor Storms Anthologie-Polemik – Ralf Simon: Hymne und Erhabenheit im 19. Jahrhundert, ausgehend von Stefan Georges «Hymnen» – Fabian Lampart: Zeit, Gedächtnis, Erinnerung. Überlegungen zu einer Denkfigur bei Hölderlin, Leopardi und Keats – Uwe Japp: Achim von Arnim und der Surrealismus – Peter Hühn/Jörg Schönert: Beobachtete Beobachtungen in Lyrik-Texten und Lyrik-Diskussionen des 19. Jahrhunderts nach dem Ende der ‘Kunstperiode’ – Max Kaiser/Werner Michler: Lyrik und Lyrikbetrieb im literarischen Feld. Österreichische Lyrikanthologien zwischen Nachmärz und Moderne.