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Gegen das Vergessen

Justiz, Wahrheitsfindung und Versöhnung nach dem Genozid in Rwanda durch Mechanismen transitionaler Justiz: Gacaca Gerichte

Sandrine Schilling

Die Bewältigung einer durch massive Verbrechen geprägten Vergangenheit als Gegenstand des interdisziplinären Konzepts der transitionalen Justiz stellt betroffene Gesellschaften vor grösste Herausforderungen. Wie soll die Verantwortung für Verbrechen etabliert werden? Soll die Vergangenheitsbewältigung ebenfalls der Wahrheitsfindung verpflichtet sein, und wie lassen sich Reparationsansprüche der Opfer erfüllen? Das Angehen dieser delikaten Fragen prägt den komplexen Versöhnungsprozess. Der Weg, den Rwanda zur Bewältigung des Genozids gegenwärtig beschreitet, lässt aufhorchen, denn er ist in seiner Form einzigartig. Die Führung dieses versehrten Landes griff auf die alte Tradition der Gacaca-Gerichtsbarkeit zurück und veranlasste, dass die Bevölkerung unter der Leitung von Laienrichtern über Genozidverbrechen urteile und die Wahrheitsfindung vorantreibe. Die Frage, inwieweit und unter welchen Bedingungen Justiz, Wahrheitsfindung und Reparation durch die nun modernisierte Gacaca-Gerichtsbarkeit ermöglicht werden und den Versöhnungsprozess fördern, steht im Zentrum dieser Untersuchung.
Aus dem Inhalt: Justiz, Wahrheitsfindung und Versöhnung nach Massengewalt, insbesondere einem Genozid – Vergangenheitsbewältigung durch Mechanismen transitionaler Justiz – Gesellschaftliche Bedingungen der Vergangenheitsbewältigung – Umgang mit Genozidverbrechen – Retributive und restaurative Justiz – Vorkoloniale Konfliktschlichtung in Stammesgesellschaften; traditionale Konfliktlösungsmechanismen – Gacaca-Gerichtsbarkeit im postgenozidären Rwanda – Gesellschaftstheoretische und sozialhistorische Analyse der rwandischen Gesellschaft vom 19. Jahrhundert bis heute – Rechtssoziologische Überlegungen zur Ausdifferenzierung des Rechtssystems.