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Das Buch der Bücher – gelesen

Lesarten der Bibel in den Wissenschaften und Künsten

Series:

Steffen Martus and Andrea Polaschegg

Die Spuren, welche die Bibel in den Künsten, Wissenschaften, Bild- und Sinnwelten des Abendlandes hinterlassen hat, sind ohne Zahl. Das Wissen um diese Wirkmächtigkeit aber beginnt ebenso zu verblassen wie die Kenntnis der biblischen Texte selbst. Einige Spuren der Bibel sind längst verwischt, andere werden allmählich unkenntlich. Einige weisen noch unübersehbar auf das Buch der Bücher, andere haben ihre Herkunft vergessen machen, und dritte schließlich haben unmittelbar auf die Bibelinterpretationen zurückgewirkt und sind ununterscheidbar vom Ausgangstext geworden. Dabei sind die medialen Träger der Bibelrezeption nicht weniger vielgestaltig als ihre konfessionellen, weltanschaulichen und denkgeschichtlichen Transformationen.
Die Beiträge dieses Bandes verfolgen unterschiedliche Fährten der Bibel auf ihrem Weg durch Wissenschaften und Künste von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert. Dabei stehen weniger thematische und stoffgeschichtliche Traditionen im Zentrum der Aufmerksamkeit als vielmehr die verschiedenen Arten und Weisen der Bezüge auf das Buch der Bücher. Es sind drei wichtige Eigenschaften der Bibel, an denen sich die einzelnen Studien orientieren: Bibel als Sammelbecken von Themen, Geschichten, Formen und Topoi des kulturellen Gedächtnisses; Bibel als Anstoß für Auseinandersetzungen mit Grenzen und Möglichkeiten der Hermeneutik, mit Techniken des Lesens und der Konstitution von Sinn; Bibel als paradigmatisches Buch samt seiner mediengeschichtlichen Effekte.
Aus dem Inhalt: Steffen Martus/Andrea Polaschegg: Das Buch der Bücher - gelesen. Einleitung – Hermann Danuser: Mischmasch oder Synthese? Der «Schöpfung» psychagogische Form – Horst Wenzel: Noah und seine Spsychagogische Form – Horst Wenzel: Noah und seine Söhne oder Die Neueinteilung der Welt nach der Sintflut – Gustav Seibt: Jaakobs Gott – Rudolf Preimesberger: «Und in meinem Fleisch werde ich meinen Gott schauen». Biblische Regenerationsgedanken in Michelangelos «Bartholomäus» der Cappella Sistina (Hiob) – Angelika Neuwirth: Hebräische Bibel und Arabische Dichtung. Mahmud Darwishs palästinensische Lektüre der biblischen Bücher Genesis, Exodus und Hohelied – Matthias Köckert: Abraham: Ahnvater, Fremdling, Weiser. Lesarten der Bibel in Gen 12, Gen 20 und Qumran – Ernst Osterkamp: Judith. Schicksale einer starken Frau vom Barock zur Biedermeierzeit – Werner Röcke: Die Danielprophetie als Reflexionsmodus revolutionärer Phantasien im Spätmittelalter – Lutz Danneberg: Von der Heiligen Schrift als Quelle des Wissens zur Ästhetik der Literatur (Jes 6,3; Jos 10,12-13) – Verena Olejniczak Lobsien: Biblische Gerechtigkeit auf dem Theater? Shakespeare und Matthäus 7,1-5 – Georg Witte: Majakovskij - Jesus. Aneignungen des Erlösers in der russischen Avantgarde – Helmut Pfeiffer: Salome im Fin de Siècle. Ästhetisierung des Sakralen, Sakralisierung des Ästhetischen – Hans Jürgen Scheuer: Hermeneutik der Intransparenz. Die Parabel vom Sämann und den viererlei Äckern (Mt 13,1-23) als Folie höfischen Erzählens bei Hartmann von Aue – Hartmut Böhme: Apostelgeschichte 19,23-20,1. Artemis Ephesia, christliche Idolen-Kritik und Wiederkehr der Göttin – Alexander Honold: Beispielgebend. Die Bibel und ihre Erzählformen – Richard Schröder: Zum Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24-30) – Daniel Weidner: Geist, Wort, Liebe. Das Johannesevangelium um 1800.