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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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1. Die Orient-Rezeption im deutschen Kulturkreis

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1.   Die Orient-Rezeption im deutschen Kulturkreis

Kuppelbauten, Schlangenbeschwörer, fliegende Teppiche, Wunderlampen, leuchtende Farben, blendendes Licht, die mit aromatischen Düften verdichtete Luft. Winkelige Gassen, persische Basare, tanzende Derwische, Wundertaten, unbekannte Pflanzen, Kamelkarawanen, die durch die unermessliche Weite der arabischen Wüsten ziehen, freiheitsliebende Wüstenbewohner mit endlos langen Namen, exotische Wildheit, Tempel, Paläste, phantasievolle Moscheen: All das konstruiert die europäische Vorstellung vom märchenhaften Orient als einem romantisch-zarten und mystisch-mythischen Traumland. Auf der anderen Seite wird das Morgenland mit dem imaginären Ursprung des religiösen Fanatismus, des politischen Extremismus, Despotismus, Terrorismus, Fundamentalismus, der Irrationalität und Chaos verknüpft. Das Orient-Bild ist im (Unter-)Bewusstsein des Westens von widersprüchlichen Begriffen geprägt und dient nach wie vor für die Europäer als Projektionsfläche der gegensätzlichsten Ideen wie z. B.: Ruhe – Unruhe, Leidenschaft – Apathie, Phantasie – Metaphysik, Symbolik – Buchstäblichkeit, Marktlärm – Schweigen der Wüste, Materialismus – Idealismus, Sinnlichkeit – fanatischer Wahn, Pracht – Elend. Die oben erwähnten Motive des Orient-Mythos umfassen die Bereiche der Politik, Religion, Kultur, Wirtschaft und des Privatlebens und decken das gesamte gesellschaftliche Spektrum59 der Orientrezeption ab. Bibliotheken, Archive, Museen, Landschaften, Schlösser, Theater, Opern und Diplomatenkoffer hüten zahllose Zeugnisse wissenschaftlicher, kultureller, politischer und ästhetischer Auseinandersetzung Europas mit dem Orient, deren Wurzeln bis in die Antike reichen.60 Der unglaubliche ← 31 | 32 → Facettenreichtum der Spuren und die west-östliche Auseinandersetzung umfassen vielfältige Aspekte und Topoi, die den Orient-Begriff definieren.

Die jahrhundertlange Besch...

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