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Franz Fühmann: «Das Judenauto» – ein Zensurfall im DDR-Literaturbetrieb

Eine historisch-kritische Erkundung mit einer Synopse aller publizierten Textvarianten

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Uwe Buckendahl

Fühmanns Held im «Judenauto» zieht als begeisterter Mitläufer in den Vernichtungskrieg und kehrt als gläubiger Sozialist aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zurück in «seine» DDR. Obwohl 1962 und 1979 in differierenden Textfassungen erschienen, gilt «Das Judenauto» in der Forschung bisher nicht als Zensurfall im DDR-Literaturbetrieb. Die erste historisch-kritische Fühmann-Studie erfasst drei publizierte sowie zwei unbekannte Textzeugen synoptisch und belegt so die Selbstzensur durch den Autor sowie die Fremdzensur. Editions- und Rezeptionsgeschichte sowie eine Textanalyse rahmen den Variantenvergleich und enthalten überraschende Resultate, die neue Sichtweisen auf dieses Werk und dessen Autor ermöglichen. Auf der begleitenden CD kommt Franz Fühmann selbst zu Wort.

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1 Einleitung

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1    Einleitung



Abb. 2:    Franz Fühmann an Harry Fauth (FFA-1228. 1/1/80)

Als Franz Fühmann am Neujahrstag 1980 die zweite, eine der Urfassung folgende Textedition seines Episodenzyklus Das Judenauto (Hinstorff Verlag 1979, im Folgenden J79) erstmals durchblättert, ist er sich im Schreiben an seinen Verlagsleiter der Relevanz, die diese Ausgabe für die Wissenschaft birgt, durchaus bewusst. Seine tiefgestapelte Hoffnung bleibt aber lange unerfüllt, dass ‘irgendwer’ diese Edition mit der Erstausgabe (Aufbau-Verlag 1962, im Folgenden J62) konsequent abgleicht. Die Literaturwissenschaft zumindest ist den vereinzelten Hinweisen auf Textvarianten bisher nicht mit der notwendigen wissenschaftlichen Neugier und Ernsthaftigkeit nachgegangen.

Ohne wissenschaftstheoretischen Vorlauf war für mich schon zu einer Zeit, da an diese ‘Erkundung’ noch nicht zu denken war, die vergleichende Darstellung in einer Synopse mit drei nebeneinander angeordneten Spalten alternativlos, um Quantität und Qualität der Textdifferenzen der Hinstorff-Ausgabe zu – in der Weltbühne, dem Sonntag sowie in einer Anthologie – publizierten Vorabdrucken von knapp der Hälfte der Kapitel sowie zu J62 zu veranschaulichen. Ergänzt werden mussten für diese Fallstudie geeignete “typographische Mittel” (Gärtner 2003:559), um die Synopse platzsparend, übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten. Dass damit ein geforderter wissenschaftlicher Standard eingelöst wurde, konnte ich seinerzeit nicht ahnen:

Der Herausgeber eines der Zensur unterworfenen Textes darf sich nicht darauf beschränken, den ursprünglichen Text zu restituieren und die Zensureingriffe als Fremdvarianten auszuscheiden oder im Apparat zu verstecken. Er muß vielmehr nach geeigneten...

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