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Gottfrieds ‹Tristan› lesen: Prolog, Haupttext, Wortpaare

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Magdalena Terhorst

Der Band möchte nachweisen, dass es einen inhaltlichen Zusammenhang von Prolog und Haupttext in Gottfrieds ‹Tristan› gibt. Die Autorin macht dies insbesondere an Wortpaaren des Prologs fest, die im Haupttext wiederkehren. Mit Hilfe der Ergebnisse der Wortuntersuchungen gelingt es, den Prolog auf eine neue Art zu lesen – nämlich mit den Wortbedeutungen, die der Haupttext des mittelalterlichen Romans intendiert. Diese Lektüre geht weit über die bisher im Zentrum stehende rhetorische Bedeutung des Textstücks hinaus. Ein Ausblick auf Gottfrieds Fortsetzer, Hartmanns von Aue ‹Gregorius› und ‹Iwein› sowie Wolframs von Eschenbach ‹Parzival› belegt, dass es sich bei diesen Beobachtungen in Gottfrieds Text um ein bewusst gestaltetes Konzept handeln muss, das sich nur auf wenige Vorbilder stützen kann.

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0 Einleitung

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Schon Walter HAUG fordert in seiner ‘Literaturtheorie im deutschen Mittelalter’, die literarische Interpretation eines Prologs habe „sich aus den Fesseln der Rhetorik zu lösen.“1 Besonders Prologe, die über eine schlichte Einleitung hinausgingen, könnten „letztlich nicht mehr abgelöst von ihrer jeweiligen Thematik erörtert werden.“2 An diesen Grundgedanken knüpfe ich in der vorliegenden Arbeit an. Ziel ist es, den Nachweis für einen inhaltlichen Zusammenhang von Prolog und Haupttext3 in Gottfrieds ‘Tristan’ zu erbringen. Dabei geht es mir keineswegs darum, die traditionelle rhetorische Auslegung des Prologs für falsch zu erklären. Vielmehr möchte ich meine inhaltsbezogene Lektüre neben diese stellen.

Da ich mich bei meinen Beobachtungen insbesondere auf die Wortpaare4 des Prologs stütze, bildet ein entsprechender Forschungsüberblick die Grundlage meiner Arbeit.5 Für meinen Hauptteil6 erweitere ich das Korpus der Wortpaare um andere Wörter des Prologs, die ich begründet ausgewählt habe,7 und untersuche zunächst deren Verwendungsweise im Haupttext. Auf Basis dieser Ergebnisse, die eine ganze Reihe neuer Lektüren der untersuchten Textstellen aufzeigen können und somit auch ein neues Licht auf den Haupttext werfen, wende ich schließlich ein Verfahren an, das ich Aufschlüsselung nenne.8 Ich vergleiche ← 17 | 18 → dabei die Ergebnisse der Analyse des Hauptteils mit der Verwendungsweise der jeweiligen Wörter im Prolog und wäge mögliche Zusammenhänge ab. So entsteht eine auf den Inhalt des ‘Tristan’-Romans bezogene Interpretation des Prologs. Eine Darstellung der Auswirkungen...

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