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Der «am»-Progressiv im heutigen Deutsch

Neue Erkenntnisse mit besonderer Hinsicht auf die Sprachgeschichte, die Aspektualität und den kontrastiven Vergleich mit dem Ungarischen

von Gabriella Gárgyán (Autor:in)
©2014 Dissertation 221 Seiten

Zusammenfassung

Diese umfangreiche Studie beschäftigt sich nach der syntaktischen, semantischen und sprachgeschichtlichen Beschreibung des am-Progressivs mit bisher ungeklärten Fragen, wie der diachronen Veränderung, der Verwendungsfrequenz und den Restriktionen der Struktur. In einem kontrastiven Kapitel des Buches vergleicht die Autorin darüber hinaus literarische am-Progressivbelege mit ihren deutschen bzw. ungarischen Übersetzungen und beschreibt die Unterschiede im Progressivgebrauch. Zusätzlich wurde der am-Progressiv in der Pressesprache nach Frequenz und Formenvielfalt überprüft. Dem Buch ist ein CD-Anhang beigefügt, der eine große Anzahl von bisher nicht dokumentierten Belegen enthält. Die digitalisierte Form der Belegsammlung erleichtert die Sucharbeit in der Sammlung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • 1. Einleitung
  • 1.1. Die Existenz von Progressivkonstruktionen im Deutschen
  • 1.2. Methode, Fragestellungen und Hypothesen
  • 1.3. Die Korpora und Belegsammlungen
  • 1.4. Struktur der Arbeit
  • 1.5. Allgemeiner Literaturüberblick und Forschungsstand
  • 2. Der Progressiv – morphologisch und syntaktisch
  • 2.1. Definition und morphologische Konstruktionstypen
  • 2.2. Syntaktische Restriktionen der verschiedenen Konstruktionstypen
  • 2.2.1. Die am-Form
  • 2.2.1.1. Kombination mit temporalen und anderen grammatischen Kategorien
  • 2.2.1.2. Kombination mit Verbergänzungen
  • 2.2.2. Die beim-Form
  • 2.2.3. Die im-Form
  • 2.2.4. Die dabei-Form
  • 2.2.5. Die gerade-Form
  • 2.2.6. Der Absentiv
  • 2.3. Zusammenfassung
  • 3. Die Überprüfung der syntaktischen Restriktionen des am-Progressivs. Eine korpusbasierte Untersuchung
  • 3.1. Einführung und Forschungshypothese
  • 3.2. Stand der Forschung im Bereich der syntaktischen Variabilität des Progressivs
  • 3.3. Die Untersuchung der Belege mit negierten Progressivformen
  • 3.3.1. Die Methode
  • 3.3.2. Die Ergebnisse
  • 3.3.2.1. Tempus
  • 3.3.2.2. Modus
  • 3.3.2.3. Genus verbi
  • 3.4. Zusammenfassung
  • 4. Zum grammatischen Status des am-Progressivs
  • 4.1. Die Wortarten der Konstituenten und die Rechtschreibung des Progressivverbs in der Fachliteratur
  • 4.2. Argumentation für die verbale Auffassung
  • 4.3. Analyse über die Rechtschreibung des Progressivverbs
  • 4.4. Zusammenfassung
  • 5. Der Progressiv – in semantischer Hinsicht
  • 5.1. Einleitung und Fragestellung
  • 5.2. Unterschiede in den semantischen Funktionen der verschiedenen Konstruktionstypen
  • 5.3. Kombination mit den Vendlerschen Verbalklassen
  • 5.3.1. Die am-Form
  • 5.3.2. Die Konkurrenzformen (beim-, im-, dabei-Form und der Absentiv)
  • 5.4. Semantik des am-Progressivs
  • 5.4.1. Funktionsbeschreibung
  • 5.4.2. Semantische Blockierung
  • 5.4.3. Obligatorische Fälle des am-Progressivs
  • 5.4.4. Doppeldeutige Fälle des am-Progressivs
  • 5.5. Zusammenfassung
  • 6. Exkurs: Progressiv im Ungarischen. Eine kontrastive Analyse von Progressivbelegen in literarischen Werken
  • 6.1. Einführung
  • 6.2. Literaturüberblick und Forschungsstand (Definitionen und Typologie der Ausdrucksmöglichkeiten)
  • 6.3. Semantische und syntaktische Restriktionen
  • 6.4. Progressivkonstruktionen kontrastiv
  • 6.4.1. Übersetzungen aus dem Deutschen ins Ungarische
  • 6.4.2. Übersetzungen aus dem Ungarischen ins Deutsche
  • 6.5. Zusammenfassung des Kapitels
  • 7. Progressiv – sprachgeschichtlich
  • 7.1. Historische Entwicklung
  • 7.1.1. Einführung und Zielsetzung
  • 7.1.2. Die historische Entwicklung der deutschen Verlaufsform
  • 7.1.2.1. Grimm (1854 und 1898)
  • 7.1.2.2. Aron (1914)
  • 7.1.2.3. Reimann (1998)
  • 7.1.2.4. Leiss (2000)
  • 7.1.2.5. Glück (2001)
  • 7.1.2.6. Rödel (2004)
  • 7.1.2.7. Pottelberge (2004)
  • 7.1.2.8. Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und weitere Fragestellungen
  • 7.1.3. Empirische Beobachtungen
  • 7.1.3.1. Die methodische Herangehensweise
  • 7.1.3.2. Die Suchergebnisse
  • 7.1.3.2.1. Digitales Mittelhochdeutsches Textarchiv
  • 7.1.3.2.2. Johannes Rothe: Ritterspiegel (um 1415)
  • 7.1.3.2.3. Biblioteca Augustana (15.Jh.)
  • 7.1.3.2.4. Das Bonner Frühneuhochdeutschkorpus
  • 7.1.3.2.5. Textkorpus von Thomas Gloning
  • 7.1.4. Zusammenfassung: Die sprachhistorischen Konsequenzen für die Forschung
  • 7.2. Morphologische und syntaktische Analyse des historischen Progressivs
  • 7.2.1. Der Stand der Forschung
  • 7.2.2. Syntaktische und morphologische Restriktionen der historischen Progressivformen
  • 7.2.2.1. Typ 1 : sîn + Partizip Präsens
  • 7.2.2.1.1. Tempus
  • 7.2.2.1.2. Modus
  • 7.2.2.1.3. Modalverben
  • 7.2.2.1.4. Valenz und Wortfolge
  • 7.2.2.1.5. Artikel
  • 7.2.2.1.6. Negation
  • 7.2.2.2. Typ 2: sein + Infinitiv
  • 7.2.2.2.1. Tempus
  • 7.2.2.2.2. Modus
  • 7.2.2.2.3. Modalverben
  • 7.2.2.2.4. Valenz und Wortfolge
  • 7.2.2.2.5. Artikel
  • 7.2.2.2.6. Negation
  • 7.2.3. Zusammenfassung
  • 8. Der am-Progressiv als Aspekt
  • 8.0. Ein persönliches Vorwort
  • 8.1. Problemstellung
  • 8.2. Überblick über die bisherige Forschungsliteratur
  • 8.2.1. Allgemeine Grammatiken und Lexika über Aspekt und Aktionsart
  • 8.2.2. Stand der Forschung zum Thema „Aspekt im Deutschen“
  • 8.2.3. Zwischenbilanz: Kritik der dargestellten Definitionen und Versuch einer Systematisierung
  • 8.3. Lösungsvorschlag: Meine Aspektdefinition und der am-Progressiv
  • 8.3.1. Der Kriterienkatalog
  • 8.3.2. Die Verwendung des Kriterienkatalogs auf den am-Progressiv
  • 8.4. Zusammenfassung
  • 9. Beobachtungen zur Frequenz der Progressivformen
  • 9.1. Frequenz der verschiedenen Progressivformen in gemischten Korpora
  • 9.1.1. Das Projekt der Universität Augsburg
  • 9.1.2. Ergebnisse der eigenen Untersuchungen
  • 9.1.2.1. Zählung im COSMAS-Korpus
  • 9.1.2.2. Zählung der Regensburger Fragebogenerhebung
  • 9.1.3. Ergebnisse der Untersuchung von Krause (2002)
  • 9.1.4. Zusammenfassung der Zählungsergebnisse
  • 9.2. Frequenz der verschiedenen Tempusformen des am-Progressivs in der Pressesprache
  • 9.2.1. Die Stellung der am-Progressivformen in der Pressesprache nach Krause (2002)
  • 9.2.2. Die Stellung der am-Progressivformen in der heutigen Pressesprache
  • 9.2.2.1. Methodik
  • 9.2.2.2. Statistik der am-Progressivformen in den regionalen Zeitungen
  • 9.2.2.2.1. Deutschland
  • 9.2.2.2.2. Österreich und die Schweiz
  • 9.2.2.2.3. Statistik der Progressivformen in den überregionalen Zeitungen
  • 9.2.3. Resümee über die Frequenz der verschiedenen Tempusformen des am-Progressivs in der Pressesprache
  • 9.3. Zusammenfassung des Kapitels
  • 10. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
  • 11. Literaturverzeichnis
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Während meines Studiums der Germanistik an der Universität Szeged habe ich einen sehr interessanten Artikel von Olaf Krause entdeckt, mit dem Titel: Progressiv-Konstruktionen im Deutschen im Vergleich mit dem Niederländischen, Englischen und Italienischen. Da ich vom Progressiv bisher nur während meines Studiums der Anglistik erfahren habe, hat mich die Thematik aufgrund ihrer Ungewöhnlichkeit beeindruckt und mich zur Erforschung animiert. Mein Interesse hat sich schließlich in Form meiner Dissertation manifestiert, deren Betreuung von Herrn Professor Péter Bassola, Leiter des Lehrstuhls für Germanistische Linguistik an der Universität Szeged, übernommen worden ist. Ich möchte mich bei ihm von ganzem Herzen nicht nur für seinen fachlichen Beistand bedanken, sondern auch für die kontinuierliche Ermutigung, Vorträge auf Konferenzen zu halten und ebenfalls dafür, dass er an das Gelingen meiner Arbeit – trotz diverser Komplikationen – geglaubt hat. Seine Unterstützung war ein immenser Motivationsfaktor für meine Forschung!

Meine Arbeit wurde auch durch mehrere Studienaufenthalte in Deutschland beschleunigt. So gilt mein Dank dem DAAD für den Stipendien-Aufenthalt in Bochum, dem Institut für Germanistik an der Universität Szeged und insbesondere Herrn Professor Péter Bassola für den Forschungsaufenthalt in Mannheim am Institut für Deutsche Sprache und schließlich der Organisation BAYHOST für das Kurzstipendium in Regensburg.

Ich danke den Reihenherausgebern Ewa Drewnowska Vargáné und Péter Bassola für die Aufnahme dieser Arbeit in die Reihe Szegediner Schriften zur germanistischen Linguistik sowie dem Peter Lang Verlag dafür, dass er dies ermöglichte.

Darüber hinaus danke ich den folgenden Personen für ihre fachliche Hilfe, ihre Ratschläge und ihre Betreuung, für die Diskussionen mit ihnen, das Korrekturlesen und für ihre Urteile: Vilmos Ágel, Jörg Dőtsch, Mathilde Hennig, István Kenesei, Olaf Krause, János Németh, György Scheibl, Dorothee Schlegel, Eva Siebenborn, Ellen Taraba, Ellen Tichy, Heinz Vater, Klaus Welke und Marco Winkler.

Auch meine Familie hat erheblich dazu beigetragen, dass ich meine Arbeit fertigstellen konnte. Mein ganz besonderer Dank gilt meinen Eltern, meinem Ehemann Péter und meinen Kindern Áron und Ábel, weil sie es hingenommen haben, dass ich oftmals sehr wenig Zeit für sie aufbringen konnte.

Szeged, im September 2013

Gabriella Gárgyán

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1. Einleitung

1.1. Die Existenz von Progressivkonstruktionen im Deutschen

Der progressive Verbalaspekt ist unzweifelhaft im Englischen (flektierte Form von to be + Ving) am besten charakterisiert1, doch er ist in vielen Sprachen der Welt verbreitet. Gegenwärtig ist man sich in der Sprachtypologie einig, dass es sich – mit einigen Einschränkungen – um eine sprachliche Universalie handelt, die nicht immer mit der gleichen Eindeutigkeit wie im Englischen, aber zumindest in Ansätzen in fast allen Sprachen verbreitet ist (vgl. Bybee 1985). Trotz des universellen Charakters fällt die Beschreibung des progressiven Aspekts in den deutschen Grammatiken eher bescheiden und zudem gelegentlich diffus aus. Die Verlaufsform und ihre ‚Konkurrenten’, die im Deutschen den Ausdruck der Progressivität ermöglichen, lassen sich als eine der interessantesten Phänomene der Grammatik der deutschen Gegenwartssprache betrachten, denen bislang wenig Beachtung zuteil geworden ist. Die Thematik ist einer raschen Entwicklung unterworfen, sodass ich bereits während meiner Forschungen Veränderungen im Vergleich zu den in der Fachliteratur beschriebenen, nicht einmal zehn Jahre alten Forschungsergebnissen, feststellen konnte. In der vorliegenden Arbeit werden vorwiegend Konstruktionen folgender Art behandelt:

Zu zwei Bastelabenden trafen sich die Eltern, während das Lehrerkollegium mit den Nibelungenschülern im Unterricht fleißig am Arbeiten war. (Mannheimer Morgen, 28.11.20012)

Die Verfasser der detailliert abgefassten Grammatiken und Schulgrammatiken behandeln den Progressiv noch mit Zurückhaltung, weil die Grammatiken teilweise noch im Sinne der präskriptiven Sprachnorm verfasst worden sind, die die umgangssprachlichen Ausdrucksformen aus dem „korrekten“ Sprachgebrauch verbannt hat. In der Grammatik des Instituts für Deutsche Sprache (Zifonun u.a. 1997: 1877ff.) ist folgender Sachverhalt angegeben:

Im heutigen Standarddeutschen ist die Kategorisierung Aspekt nach der überwiegenden Meinung in der Forschung nicht belegt. Dennoch erscheinen z.B. in Wörterbüchern ← 11 | 12 oder anderen Darstellungen Formen wie Er ist am Schreiben unter dem Etikett ‚Verlaufsform’. (...) Der grammatische Status solcher Formen ist zu prüfen (...).

Zu einem späteren Zeitpunkt (1997: 1880) erklären dieselben Autoren: „Eine abschließende Klärung dieser Verwendungsweise wie des Status der Verlaufsform insgesamt steht noch aus.“ Auch Glück / Sauer (1990: 67) empfinden es als erstaunlich, „daß die germanistische Forschung sich mit ihr [mit der Verlaufsform] bislang kaum beschäftigt hat“ und dass sie „nicht systematisch erforscht worden ist“ (1990: 68). Auf der Basis der vorangegangenen Aussagen, die auf Forschungslücken hinweisen, halte ich es für wichtig, durch weitere theoretische und empirische Forschungen zur endgültigen Klärung des Status der Verlaufsform beizutragen.

In der vorliegenden Arbeit habe ich es mir hauptsächlich zum Ziel gesetzt, mich speziell auf den am-Progressiv zu konzentrieren, weil ich die Ansicht vertrete, dass unter den weiteren Progressiv-Konstruktionstypen, die ich im Verlauf dieser Arbeit eingehend vorstellen werde, die genannte Form die einzige ist, die ihre lexikalische Bedeutung schon verloren hat und in dem Grammatikalisierungsprozess am weitesten fortgeschritten ist. Die restlichen Konstruktionstypen sind in der Entwicklung der deutschen Sprache in dem Status eines lexikalisierten Ausdrucks verhaftet geblieben und werden meines Erachtens (vgl. Kapitel 2.2.2. bis 2.2.6.) aufgrund ihrer vielen Restriktionen auch keine erfolgreichen Kandidaten für einen grammatischen Aspektausdruck darstellen. Aus diesem Grund werden in dieser Arbeit zwar alle Konstruktionstypen detailliert vorgestellt und ihr morphologisch-syntaktischer Status behandelt, es ist aber nicht Ziel der Arbeit, sie in jedem Kapitel in aller Ausführlichkeit zu behandeln. Da ich von der größeren Bedeutung des am-Progressivs ausgehe, wird auch nur diese Form im Hinblick auf die Fragestellungen analysiert. Davon abweichende Fälle dienen lediglich dem Zweck, meine Hypothese über den primären Stellenwert des am-Progressivs zu untermauern.

1.2. Methode, Fragestellungen und Hypothesen

Seit der oben zitierten Festestellung von Glück / Sauer (1990: 67) sind mehrere umfassende Werke und auch zahlreiche kürzere, spezifische Beiträge zum Thema des am-Progressivs erschienen. Diese werden im Verlauf des Kapitels 1.5 detailliert dargestellt, an dieser Stelle möchte ich nur auf die drei umfangreichsten Studien hinweisen, die meiner Arbeit als Grundlage dienten: Reimann (1998), ← 12 | 13 Krause3 (2002) und Pottelberge (2004). Von diesen Werken ausgehend habe ich versucht, die Problematik des am-Progressivs zu optimieren und die von den genannten Autoren vernachlässigten Forschungsbereiche zu klären. Da ich mit der Ansicht Krauses (2002: 4) konform gehe, dass eine Fragebogenerhebung zwar ein gutes Mittel zur empirischen Überprüfung ist, doch nur ein durch das Zufallsprinzip zusammengestelltes Korpus kann ein authentischer, auf dem tatsächlichen Sprachgebrauch beruhender Ausgangspunkt der Sprachbeschreibung sein. Aus diesem Grund habe ich aus verschiedenen, im nächsten Kapitel genauer dargestellten Quellen diverse Belegsammlungen zusammengestellt, um auf diese Weise nicht die idealistische Spracherwartung, sondern den echten Sprachgebrauch der Sprecher zu ermitteln. Die Belegsammlungen befinden sich auf der CD, die dem Buch beigelegt ist. Wie bereits Krause (2002: 4, Fn. 2) bemerkt hat, neigen Versuchspersonen dazu, in einer Fragebogenerhebung die mutmaßlich korrekte Variante, und nicht die tatsächlich verwendete, stilistisch oder regional markierte Form als die von ihnen benutzte anzugeben. Dennoch bediene ich mich auch des Fragebogens, um auch die Frequenz der verschiedenen Progressivkonstruktionen neben den Ergebnissen einer Korpus-Untersuchung zu eruieren und zu reflektieren.

Hauptsächlich mittels eingehender Korpus- und Beleganalysen sind demnach in dieser Arbeit folgende Fragestellungen zu klären:

(1) Welche syntaktischen Realisierungen sind für den Ausdruck der Progressivität im Deutschen vorhanden?

(2) Welche Konkurrenzformen zum am-Progressiv kommen vor und inwieweit sind die verschiedenen Formen grammatikalisiert? Welche Progressivform wird am häufigsten im authentischen Sprachgebrauch eingesetzt?

(3) Welche Funktionen werden von dem am-Progressiv im Deutschen realisiert?

(4) Gibt es semantische oder syntaktische Restriktionen bezüglich des Gebrauchs der verschiedenen Progressivformen?

(5) Welche Beschreibungen des Progressivs im Deutschen existieren bislang und inwieweit entsprechen diese der sprachlichen Realität? ← 13 | 14

(6) Was bildet die historischen Grundlagen des am-Progressivs? Ist er eine gegenwartssprachliche Erscheinung oder verfügt er über eine weit zurückliegende Vorgeschichte?

(7) Ist eine grammatische Kategorie „Progressiv“ im Deutschen vorhanden? Kann diese Kategorie dem Aspekt untergeordnet werden?

(8) Ist der am-Progressiv tatsächlich eine vor allem in der mündlichen Kommunikation verwendete Form? Was zeigen die Untersuchungen der Pressesprache bezüglich des Gebrauchs des am-Progressivs?

(9) Welche Präferenzen können im schriftsprachlichen Gebrauch des am-Progressivs im Hinblick auf Tempus, Modus, Numerus, Valenz bzw. bezüglich der Kombination mit anderen Verbformen, wie beispielsweise Modalverben, festgestellt werden?

(10) Wie verhält es sich mit der regionalen Verbreitung bei der Benutzung des am-Progressivs in den deutschsprachigen Ländern?

(11) Ist das Progressivverb, d.h. das Verb in Form eines Infinitivs, (siehe Kapitel 4.1 für eine exakte Begriffserklärung) in der am-Progressivkonstruktion „am + INF + sein“ ein substantivierter Infinitiv, also ein Substantiv, oder ein Infinitiv, also eine verbale Form? Falls er verbal zu deuten ist, ist er wirklich ein Infinitiv oder eher eine Verbform, die formell durch die -en Endung dem Infinitiv entspricht, funktional jedoch eine neue Klasse von Verben darstellt? Wie zeigt sich diese Problematik in der Rechtschreibung der Belege?

Ziel der Arbeit ist es außerdem durch eine kontrastive Darstellung und praxisorientierte Analyse Parallelen zwischen dem ungarischen und deutschen Progressiv aufzuzeigen. Das wird in Form eines Exkurses unternommen (vgl. Kapitel 6). Dazu sind die folgenden weiteren Fragestellungen zu beantworten:

Details

Seiten
221
Jahr
2014
ISBN (PDF)
9783653033007
ISBN (ePUB)
9783653991857
ISBN (MOBI)
9783653991840
ISBN (Hardcover)
9783631644829
DOI
10.3726/978-3-653-03300-7
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (März)
Schlagworte
Progressiv Morphologie Syntax Semantik Sprachgeschichte Kontrastive Linguistik
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 221 S.

Biographische Angaben

Gabriella Gárgyán (Autor:in)

Gabriella Gárgyán, Studium der Germanistik und Anglistik in Szeged (Ungarn), Bochum und Regensburg; Promotion in Germanistik an der Universität Szeged, derzeit Deutschlehrerin am Ságvári Endre Gymnasium der Universität Szeged.

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