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Bertolt Brecht in Wien

von Günther Berger (Autor:in)
Monographie 408 Seiten

Zusammenfassung

Bereits früh rezensierten österreichische Zeitungen Werke von Bertolt Brecht. Dieses Buch subsumiert erstmals Bertolt Brechts vielseitige Kontakte zu Wien. Seine Stücke wurden erfolgreich im renommierten Raimund Theater aufgeführt. Brecht kam mehrmals nach Wien und hatte sowohl privat als künstlerisch zeitlebens entscheidende Beziehungen zu Österreich. Ereignisse österreichischer Zeitgeschichte inspirierten ihn zu Dichtungen. Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft schürte den Brecht-Boykott der (Wiener) Bühnen. Das Buch erläutert auch die Wandlung vom fanatisch boykottierten Autor zum beliebten Schriftsteller in Österreich, dem in Wien ein Platz gewidmet ist.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhalt
  • 1. Bertolt Brechts Kindheit und Jugend in Augsburg
  • 2. Begegnungen mit ÖsterreicherInnen in München, Berlin und Oberösterreich
  • 3. Bertolt Brechts erste in Österreich gespielte Stücke und seine Wienbesuche bis 1933
  • 4. Bertolt Brechts Wienaufenthalt 1933
  • 5. Exiljahre Bertolt Brechts in Dänemark, Schweden, Finnland und den USA
  • 6. Bertolt Brechts Rückkehr nach Europa
  • 7. Authentische Regie von Bertolt Brecht für das „Neue Theater in der Scala“
  • 8. Beginnender Boykott
  • 9. Bertolt Brechts letzter Wienbesuch
  • 10. Epilog Vom Boykott zur Platzbenennung
  • Anmerkungen
  • Abbildungsnachweis
  • Abbildungen

Günther Berger

Bertolt Brecht in Wien

Autorenangaben

Günther Berger ist promovierter Kunsthistoriker und Ethnologe und wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Er ist Beirat der neuen Internationalen Alexander Lernet-Holenia Gesellschaft.

Über das Buch

Bereits früh rezensierten österreichische Zeitungen Werke von Bertolt Brecht. Dieses Buch subsumiert erstmals Bertolt Brechts vielseitige Kontakte zu Wien. Seine Stücke wurden erfolgreich im renommierten Raimund Theater aufgeführt. Brecht kam mehrmals nach Wien und hatte sowohl privat als künstlerisch zeitlebens entscheidende Beziehungen zu Österreich. Ereignisse österreichischer Zeitgeschichte inspirierten ihn zu Dichtungen. Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft schürte den Brecht-Boykott der (Wiener) Bühnen. Das Buch erläutert auch die Wandlung vom fanatisch boykottierten Autor zum beliebten Schriftsteller in Österreich, dem in Wien ein Platz gewidmet ist.

Zitierfähigkeit des eBooks

Diese Ausgabe des eBooks ist zitierfähig. Dazu wurden der Beginn und das Ende einer Seite gekennzeichnet. Sollte eine neue Seite genau in einem Wort beginnen, erfolgt diese Kennzeichnung auch exakt an dieser Stelle, so dass ein Wort durch diese Darstellung getrennt sein kann.

Danksagung

Ich habe meine Meinungen nicht, weil ich hier bin,

sondern ich bin hier, weil ich meine Meinungen habe.“

Bertolt Brecht 1952

Obzwar seit Kindheit Bücher liebend, hinterließen von der Pflichtlektüre des gymnasialen Deutschunterrichts nur das violette Suhrkamp – Taschenbuch Bertolt Brecht „Mutter Courage und ihre Kinder“ und das gelbe Reclam – Bändchen Alexander Lernet-Holenia „Der Baron Bagge“ bleibende Begeisterung.

Bei meiner zweiten Koreareise wohnte ich dann im Oktober 1976 in Seoul bei einem jungen koreanischen Deutschlehrer. Die Einrichtung des mir überlassenen Zimmers über der Apotheke seiner Frau bestand aus einem Bücherregal mit den Gesammelten Werken von Bertolt Brecht.

In Wien sah ich auch einige seiner Stücke: „Antigone“ (Komödianten am Börseplatz, am 24. 2. 1973), „Die Dreigroschenoper“ (Akademietheater, Sonntag, 21. 1. 1979), „Im Dickicht der Städte“ (Akademietheater, Montag, 8. 2. 1982), „Der Hofmeister“ (Akademietheater, Premiere, Samstag, 27. 1. 1979), „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ (Perchtoldsdorf, Donnerstag, 12. 7. 1990) und „Die Judith von Shimoda“ (Theater in der Josefstadt, Samstag, 25. 10. 2008).

Im Atelier 3A fiel mir ein von der Wiener Keramikerin Anna O Hajnovits modellierter Porträtkopf Bertolt Brechts auf. Als Honorar für einen Katalogbeitrag konnte ich ihn 1998 erwerben, ohne zu ahnen, daß er einmal den Umschlag eines Buches von mir zieren würde.

Die Lektüre früher Nachrichten über Bertolt Brechts Werke in österreichischen Zeitungen inspirierte mich ab 2009 zu einigen Vorträgen über den Stückeschreiber aus Augsburg und ließ im Oktober 2013 den Wunsch nach einer Publikation entstehen.

Die ältesten Zeitungstexte sollten in unveränderter stilistischer und orthographischer Erscheinung mit exakt kopierten Zeilenlängen und Abteilungen ungekürzt wiedergegeben und in eine biographische Skizze des Dichters eingefügt werden. Angesichts der vielseitigen Kontakte Bertolt Brechts sowohl im privaten als auch im künstlerischen Bereich mit ÖsterreicherInnen verwundert es, daß in der Flut von Sekundärliteratur bisher nur ein einziges Buch 1983 den seit 1950 österreichischen Staatsbürger Bertolt Brecht explizit thematisiert, genauer gesagt den ihm hierzulande zuteil gewordenen fanatischen Boykott.

Am 23./24. 12. 2013 besuchte ich mit Brigitte Maria Döller erstmals Augsburg und fand am 24. Dezember in der Rathausinformation das Programm des Brecht-Festivals 2014. Die Ankündigung eines Vortrags (Freitag, 31. 1. 2014) bzw. einer←5 | 6→ Brecht-Sprechstunde am darauf folgenden Tag im Brechthaus von dem internationalen Brecht-Experten Univ.- Prof. Dr. Jan Knopf (Leiter der Arbeitsstelle Bertolt Brecht am Karlsruhe Institute of Technology) führte uns vom 31. 1. – 3. 2. 2014 sogleich wieder nach Augsburg. Im Brechthaus fand ich die 33bändige Berliner und Frankfurter Werkausgabe vor. Auch vom 30. 1. – 1. 2. 2015 (Freitag, 30. 1. Vortrag, 31. 1. Brecht-Sprechstunde im Brechthaus) sowie 29. 2. – 3. 3. 2016 (Montag, 29. 2. Sprechstunde in der Zentrale mit überraschendem Schneefall, Mittwoch, 2. 3. Vortrag im Theaterfoyer) weilten wir in der Geburtstadt von Bertolt Brecht. Der Dialog mit Univ – Prof. Dr. Jan Knopf hat die Qualität des vorliegenden Buches total verändert.

Die selbst der wohl informierten Fachwelt großteils unbekannten Zitate zur erstaunlich frühen Brechtrezeption in meist nicht mehr existenten österreichischen Zeitungen bilden einen integralen Bestand des Buches. Gleichzeitig wurde auch erstmals ein kompakter Überblick über Brechts lebenslange vielfältige private und berufliche Beziehungen zu ÖsterreicherInnen skizziert. Ein Epilog lässt trotz seiner bewußten Unvollständigkeit den Wandel in der Wertschätzung des Dichters hierzulande erkennen.

Für wesentliche Informationen gedankt werden muß auch Univ. – Prof. Dr. Friedrich Cerha, Prof. Dietmar Grieser, Werner Josef Grüner, Mag. Gerhard Halusa (Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum), Lotte Ingrisch und Conny Hannes Meyer. Prof. Hans Werner Boußka und Univ.-Prof. Mag. Dr. Beungkun Sou B. A. sorgten für wunderbare Abbildungen. Pekuniäre Unterstützung erfolgte durch die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) Wissenschafts- und Forschungsförderung (GS Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt).

Bereits zum fünften Mal danke ich Prof. Hans Werner Boußka (Bezirksmuseum Meidling) aus ganzem Herzen, daß er trotz seiner unermüdlichen Arbeit für das Bezirksmuseum und die Arbeitsgemeinschaft der 22 anderen Wiener Bezirksmuseen sowie einem ebenso intensiven liebevollen Familienleben Zeit fand, die Eigenmächtigkeiten des geborgten Laptops von 1988 durch seine technische Virtuosität zu zähmen.

Univ.-Lektor Prof. Dr. Günther Berger

Chairman

Austria Mundi Gesellschaft für internationale Kulturforschung

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1. Bertolt Brechts Kindheit und Jugend in Augsburg

Berthold Friedrich Brecht (6. 11. 1869 Achern im Schwarzwald/Baden – 20. 5. 1939) war Sohn des Lithographieanstaltsbesitzers Stephan Berthold Brecht1 und dessen Gattin Karoline geb. Wurzler. Nach bloßem Volksschulabschluß sowie nach einer kaufmännischen Ausbildung in Oberbayern und dreijähriger Tätigkeit in der Stuttgarter Papiergroßhandlung Binder trat er am 1. 9. 1893 als Commis in die katholische G(eorg) Haindl’sche Papierfabrik2 in Augsburg ein und bezog eine Unterkunft in der Oblatterwallstraße 26. Am 23. 10. 1893 übersiedelte er in ein möbliertes Zimmer in der Kaiserstraße 43 (in diesem Haus sollte zufällig dreißig Jahre später Paula Banholzer wohnen). Während eines Aufenthaltes bei ihrer Schwester lernte Wilhelmine Friederike Sophie Brezing (8. 9. 1871 Roßberg bei Bad Waldsee/Württemberg – 1. 5. 1920 Augsburg), die sehr belesene evangelische Tochter des Königlich-Württembergischen Stationsvorstandes Josef Friedrich Brezing (1842 als Strumpfwebersohn geboren – 1922)3 und dessen Gattin Friederike geb. Gamerdinger (1838–1914) im Oktober 1893 den neuen Arbeitskollegen ihres seit 1890 als Papiertechniker in der Haindl’schen Papierfabrik tätigen Schwagers Hermann Reitter kennen, den katholischen Berthold Friedrich Brecht, den sie dann am 15. 5. 1897 in Pfullingen, wo ihr Vater Bahnhofsvorstand war, evangelisch heiratete.

Am 16. 5. 1897 bezog das Ehepaar Brecht das Haus Auf dem Rain 7 (Katasternummer C 206), in einer längeren Häuserzeile, die an der Vorder- und an der Rückseite von rauschenden Kanälen, dem vorderen und mittleren Lech, begrenzt wird. Die Beiden bewohnten in dem typischen Handwerkerhaus des 16./17. Jahrhunderts neben zwei Kleiderhändlerinnen den ersten Stock. Unter dem Dach lebte die vierköpfige Familie des Feilenhauers Christian Bierl, der im Erdgeschoß des Hauses seine geräuschvolle Werkstätte hatte.

Am Donnerstag, 10. Februar 1898, um 4 Uhr 30 Nacht wurde dem Ehepaar Brecht in Augsburg, am Fuß des Perlachberges, im Haus Auf dem Rain 74 der erste Sohn geboren, der am 20. März in der evangelischen Barfüßerkirche5 die Namen Eugen Berthold Friedrich erhielt. Am 18. September 1898 übersiedelte die Familie Brecht in eine Wohnung, Bei den sieben Kindeln Nr. 1, wo ein römisches Relief legendärerweise sechs spielende Kinder beim Sarkophag des ertrunkenen siebten Offizierskindes zeigt, in Wahrheit jedoch die Längswand eines Erotensarkophags ist.←9 | 10→

Biographische Angaben

Günther Berger (Autor:in)

Günther Berger ist promovierter Kunsthistoriker und Ethnologe und wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Er ist Beirat der neuen Internationalen Alexander Lernet-Holenia Gesellschaft.

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Titel: Bertolt Brecht in Wien