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Kurze Texte und Intertextualität

Ausgewählte Beiträge der GeFoText-Konferenz vom 26.9. bis 27.9.2013 in Vaasa

von Mariann Skog-Södersved (Band-Herausgeber:in) Ewald Reuter (Band-Herausgeber:in) Christian Rink (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 248 Seiten

Zusammenfassung

Wann ist ein Text ein kurzer Text? In welchen Bereichen ist es relevant, zwischen kurzen Texten und Kurztexten zu unterscheiden? Welche Verweise bestehen zwischen kürzeren Texten und ihren längeren Bezugstexten? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich die Beiträge dieses Bandes, und zwar aus sprach-, literatur- und übersetzungswissenschaftlicher Sicht. Texttheoretische und texttypologische Aspekte werden an Beispielen multimodaler Alltagstexte wie Werbetexten oder Horoskopen, aber auch an literarischen Texten wie dem hermetischen Gedicht und seiner Übersetzung erörtert.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Sprachwissenschaftliche Beiträge
  • Editorials im deutsch-schwedisch-finnischen Vergleich: Aspekte der Intertextualität
  • Kurze Texte und Kurztexte – transtextuell vernetzt?
  • Kurze Texte in deutschen und litauischen linguistischen Büchern: Intertextualität von Klappentexten und Annotationen
  • Ist ein Abstract kürzer als sein Bezugstext? Zum Begriff der Kürze
  • Der Klappentext linguistischer Publikationen
  • Die studentische Hausarbeit in transnationaler Perspektive. Textfunktion und IMRAD-Schema
  • Kurze Texte für den schnellen Konsum. Zu Struktur und Wortschatz von Horoskoptexten
  • Öffentliche Verbotsschilder in Deutschland. Versuch einer Typologie
  • Literaturwissenschaftliche Beiträge
  • Von der Krönung der Marionette zur Überwindung des Affentums. Einbrüche des Bewusstseins in Heinrich von Kleists Über das Marionettentheater und Franz Kafkas Bericht an eine Akademie
  • Blaue Ente: kurzer Text, lange Vorgeschichte. Zu einem Zitat bei Johannes Bobrowski und Paavo Rintala
  • Stein im Mund. Zur Intertextualität in einem kurzen Gedicht Manfred Peter Heins
  • Peritexte als „Vestibüle“ mit „Netzwerkqualitäten“
  • „Ich bin ein momentaner kürzester Impressionist“. Zur Ästhetik der Kürze bei Peter Altenberg
  • Zur Intertextualität von Kurztexten in den Fotomontagen und Collagen der dadaistischen Künstler Johannes Baader, Hannah Höch, Raoul Hausmann und John Heartfield
  • Kulturelle Sinnkonstitution in den Liedtexten des Berner Mundartlyrikers Mani Matter. Eine kulturwissenschaftliche Textanalyse anhand der Lieder „dr hansjakobli und ds babettli“ und „dene wos guet geit“
  • Autorenverzeichnis

Vorwort

Wann ist ein Text ein kurzer Text im weiten Feld der faktualen und fiktionalen Texte? Lässt sich zwischen kurzen Texten und Kurztexten unterscheiden? Gibt es spezifische intertextuelle Verweisstrategien in kurzen Texten?

Zu diesen Fragestellungen und zu weiteren Problemfeldern, die sich aus der Kürze bzw. Komprimierung von Texten hinsichtlich ihrer Beziehung zu anderen Texten ergeben, veranstaltete das Institut für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Vaasa in Zusammenarbeit mit dem Studienprogramm Deutsche Sprache, Kultur und Translation der Universität Tampere und dem Finnischen DAAD-Verein vom 26. bis 27. September 2013 eine interdisziplinäre Konferenz mit dem Thema Kurze Texte und Intertextualität. Der Einladung nach Vaasa folgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Irland, Litauen, Schweden und Finnland. Aus sprach- und literaturwissenschaftlicher sowie translatologischer Perspektive wurde das Konferenzthema behandelt. Die Bandbreite reichte dabei von Untersuchungen zu Besonderheiten unterschiedlicher Textsorten – hier besonders zu der Frage, ob Kürze ein textsortenkonstitutives Merkmal ist – bis zu Untersuchungen bislang kaum beachteter Gemeinsamkeiten einzelner Schriftsteller. Dabei wurden sowohl die Spezifika alltäglicher multimodaler Kurztexte als auch die Spezifika unterschiedlicher literarischer Gattungen erörtert. Behandelt wurden zudem die ganz eigenen Herausforderungen, die sich aus der Übersetzung kurzer literarischer Texte ergeben, wofür das hermetische Gedicht mit seinen zahlreichen intertextuellen Verweisen das Paradebeispiel ist.

Die Artikel des vorliegenden Bandes basieren auf ausgewählten Vorträgen der Konferenz und haben alle ein doppel-blindes Peer-Review-Verfahren durchlaufen. Sowohl bei den Beitragenden als auch bei den Gutachtern möchten wir uns für die konstruktive Zusammenarbeit herzlich bedanken.

Dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) in Bonn, dem Fachbereich Sprach-, Translations- und Literaturwissenschaften der Universität Tampere und der Philosophischen Fakultät der Universität Vaasa gilt unser Dank für die großzügige finanzielle Unterstützung sowohl der Konferenz als auch der Drucklegung der vorliegenden Konferenzdokumentation. ← 7 | 8 →

Irma Hyvärinen und Jarmo Korhonen danken wir für die Aufnahme dieses Bandes in die Reihe Finnische Beiträge zur Germanistik.

Vaasa/Tampere/Helsinki, im September 2014Die Herausgeber

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Sprachwissenschaftliche Beiträge

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Margit Breckle und Mona Enell-Nilsson

Editorials im deutsch-schwedisch-finnischen Vergleich: Aspekte der Intertextualität

The paper presents a study of intertextuality in 45 editorials in German, Swedish and Finnish customer magazines from the pharmacy sector (Apotheken Umschau, Apoteket, Terveydeksi). The aspects of intertextuality analysed and compared are source, topic and type of reference text as well as specific linguistic features of intertextuality. The study shows that the references range from explicit ones including several such features to implicit ones with no evident linguistic features of intertextuality at all.

1. Einführung

Im vorliegenden Beitrag geht es um eine Untersuchung von Intertextualität in deutschen, schwedischen und finnischen Editorials. Das Untersuchungsmaterial besteht aus Editorials so genannter Apothekenzeitschriften, die man als Kunde kostenlos in der Apotheke erhält; es handelt sich dabei um „Gesundheitsratgeber“. In unsere Untersuchung gehen 15 deutschsprachige Editorials aus der Apotheken Umschau aus Deutschland ein, die mit Editorial betitelt sind, 15 schwedischsprachige Editorials mit dem Titel Välkommen aus der schwedischen Zeitschrift Apoteket sowie 15 finnischsprachige Editorials aus der finnischen Apothekenzeitschrift Terveydeksi, die mit Pääkirjoitus überschrieben sind. Bei allen drei Apothekenzeitschriften handelt es sich um diejenige mit der größten Reichweite im jeweiligen Land. Die untersuchten Editorials stammen aus den Jahren 2008 bis 2013.

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Nach der Einführung werden kurz die zentralen Begriffe Editorial und Intertextualität dargestellt (Abschnitt 2), bevor die Analyse und die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt werden (Abschnitt 3). Abschließend werden in Abschnitt 4 neben der Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse auch einige methodische Herausforderungen thematisiert.

2. Zentrale Begriffe

2.1 Editorial

Das Deutsche Universalwörterbuch (DUW) (2007) spricht beim Editorial vom „Vorwort des Herausgebers in einer [Fach]zeitschrift […]“. Editorials gehören zum ← 11 | 12 → redaktionellen Teil der Zeitschrift und werden von deren Chefredakteur(inn)en verfasst. In der Literatur finden sich keine konkreten Angaben zur Länge (Wort- oder Zeilenzahl) von Editorials; empirisch lässt sich aber beobachten, dass sie aufgrund von Restriktionen vom Umfang her eher begrenzt sind: Mit dem entsprechenden Layout der Zeitschrift umfassen die Editorials maximal eine Seite. Im Sinne von Nikula1 handelt sich somit um kurze Texte.

2.2 Intertextualität

Der Begriff der Intertextualität wird in der Literatur recht unterschiedlich definiert und weist verschiedene Untergliederungen auf (vgl. z. B. Genette 1993, Holthuis 1993 und Krause 2000 sowie die Übersicht in Adamzik 2004: 99). In unserer Untersuchung beziehen wir uns auf Intertextualität nach Burger (2005) und Genette (1993). Nach Ersterem (Burger 2005: 75, 77) weist die sog. diachrone und kompositionelle Intertextualität als Kennzeichen auf, dass es einen Bezug auf zwei oder mehr vorhergehende Texte gibt. Diese werden von Burger (2005: 75) als „Prätexte“ bezeichnet. In Anlehnung an u. a. Genette (1993) verwenden wir im vorliegenden Beitrag hierfür den Begriff Bezugstext, da u. E. nicht nur auf vorhergehende reale, sondern auch auf hypothetische Texte Bezug genommen werden kann (siehe unten). Dabei kann es sich um explizite Bezüge handeln, die sprachlich in allen Formen des Zitierens realisiert werden, oder um implizite Bezüge, d. h. „verdeckte, nicht durch Intertextualitätssignale angezeigte […] Bezüge“ (Burger 2005: 75).

Die Frage, was alles als Bezugstext aufgefasst werden kann, hängt von der Frage ab, was als Text verstanden werden kann. Den Aspekt der Textualitätsmerkmale können wir im Folgenden nicht weiter vertiefen, sondern verweisen diesbezüglich u. a. auf Beaugrande/Dressler (1981) und Gansel/Jürgens (2007). An dieser Stelle soll jedoch festgehalten werden, dass wir bei der Analyse von einer Textauffassung ausgehen, die sowohl schriftliche als auch mündliche Texte umfasst (vgl. hierzu auch Schwitalla 2006: 192f. und Brinker/Sager 2006: 7). So sind z. B. in einer Apotheke geführte Gespräche zwischen Verkäufer und Kunde als Texte aufzufassen, die als Bezugstexte verstanden werden, wenn in den Editorials darauf verwiesen wird.

Das Untersuchungsmaterial der Analyse hat in Bezug auf mögliche Formen des Bezugstextes auch die Frage aufgeworfen, ob neben realen auch hypothetische Texte als Bezugstexte aufgefasst werden können. So wird in den analysierten Editorials nicht nur auf in der Realität vorgekommene Gespräche zwischen ← 12 | 13 → z. B. Verkäufer und Kunde in der Apotheke Bezug genommen, sondern auch auf hypothetische Gespräche, d. h. auf Gespräche, die man sich in der Apotheke vorstellen kann, die sich aber der Verfasser des Editorials als Gespräch und damit als Text erdacht hat. In Anlehnung an die IDS-Grammatik (Zifonun/Hoffmann/Strecker et al. 1997: 1755), in der in Bezug auf die direkte Redewiedergabe neben realen Originaläußerungen auch von „hypothetischen Originaläußerung[en]“ gesprochen wird, gehen wir in der Analyse davon aus, dass es auch hypothetische Originaltexte gibt, die ebenfalls Bezugstexte darstellen können. So wurde z. B. folgender Verweis als intertextuell klassifiziert:

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir davon ausgehen, dass es sich bei Bezugstexten sowohl um reale als auch um hypothetische Texte handeln kann.

3. Analyse

3.1 Ziel und Fragestellungen

Das Ziel des vorliegenden Beitrags ist es zu untersuchen, wie Intertextualität in deutschen, schwedischen und finnischen Editorials in Zeitschriften der Apothekenbranche als kurzen Texten realisiert wird. Der Untersuchung liegen die folgenden Fragestellungen zugrunde:

  1. Weisen die Editorials heftinterne, zeitschrifteninterne oder heft- und zeitschriftenexterne Bezüge auf? (= Quelle des Bezugstextes)
  2. Inwiefern thematisieren die intertextuellen Bezüge Gesundheit? (= Thema des Bezugstextes)
  3. Auf welche Formen von Bezugstexten wird verwiesen? (= Form des Bezugstextes)
  4. Wie werden die intertextuellen Bezüge sprachlich zum Ausdruck gebracht? (= sprachliche Realisierung)

In Bezug auf die vier Fragestellungen geht es um erste qualitative Beobachtungen, die darauf abzielen, Ähnlichkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Texte ← 13 | 14 → in den drei untersuchten Sprachen Deutsch, Schwedisch und Finnisch festzustellen.

Als Ergebnis der letzten Fragestellung wird in Abschnitt 3.5 ein Kontinuum präsentiert, in dem die im Untersuchungsmaterial verwendeten sprachlichen Mittel überblicksartig dargestellt werden. Dabei wird in Anlehnung an Pfister (1985) von einer Skalierung der Intertextualität ausgegangen, jedoch nicht wie bei Pfister ausgehend von allgemeinen qualitativen Kriterien für die Intensität intertextueller Verweise von Texten und Textsorten im Ganzen, sondern von einer Skalierung zwischen expliziten und impliziten intertextuellen Verweisen hinsichtlich der verwendeten sprachlichen Mittel. Unsere Unterscheidung zwischen expliziten und impliziten intertextuellen Verweisen ähnelt Broichs Trennung zwischen „markierte[r] und nicht-markierte[r] Intertextualität“ (Broich 1985: 31), unterscheidet sich aber hiervon zum Teil, da sich Broich – wie Pfister (1985) – in erster Linie auf Texte und Werke bezieht, während in der vorliegenden Untersuchung die konkreten sprachlichen Mittel zur Realisierung intertextueller Bezüge fokussiert werden.

3.2 Quelle des Bezugstextes

Als erster Aspekt der Analyse wurde untersucht, auf welche Quellen sich die intertextuellen Verweise beziehen, d. h. um welche Quellen es sich bei den im Untersuchungsmaterial vorhandenen Bezugstexten handelt. Dabei wurde in erster Linie zwischen zwei Hauptkategorien unterschieden: heftinternen und heftexternen Bezugstexten. Bei den Verweisen auf heftexterne Bezugstexte wurde zusätzlich analysiert, ob es um zeitschrifteninterne oder -externe Bezüge geht, so dass die intertextuellen Verweise den drei Kategorien heftintern, zeitschriftenintern sowie heft- und zeitschriftenextern zugeordnet wurden. Folgende Beispiele zeigen den Unterschied der drei Typen:

a) Heftintern

b) Zeitschriftenintern

Details

Seiten
248
ISBN (PDF)
9783653043617
ISBN (ePUB)
9783653992038
ISBN (MOBI)
9783653992021
ISBN (Hardcover)
9783631647325
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Januar)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 248 S., 9 farb. Abb., 4 s/w Abb., 3 Tab.

Biographische Angaben

Mariann Skog-Södersved (Band-Herausgeber:in) Ewald Reuter (Band-Herausgeber:in) Christian Rink (Band-Herausgeber:in)

Mariann Skog-Södersved ist ordentliche Universitätsprofessorin für Deutsche Sprache an der Universität Vaasa (Finnland). Ihre wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind (kontrastive) Medienlinguistik und Übersetzungswissenschaft. Ewald Reuter ist ordentlicher Universitätsprofessor für Deutsche Sprache und Kultur an der Universität Tampere (Finnland). Seine Forschungsschwerpunkte sind Gesprächs-, Text- und Diskurslinguistik, angewandte Linguistik, interkulturelle Wirtschafts- und Wissenschaftskommunikation sowie Deutsch als Fremdsprache. Christian Rink ist stellvertretender Universitätslektor am Institut für moderne Sprachen/Germanistik der Universität Helsinki (Finnland). Seine Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle Literaturwissenschaft, Narratologie, Rezeptionsästhetik und Deutsch als Fremdsprache.

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