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Sprechwissenschaft: Bestand, Prognose, Perspektive

von Ines Bose (Band-Herausgeber:in) Baldur Neuber (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 250 Seiten

Zusammenfassung

Im Zeitraum von November 2012 bis Dezember 2013 feierten fünf prominente Professorinnen und Professoren der Sprechwissenschaft ihre Jubiläumsgeburtstage. Eva-Maria Krech, Jutta Suttner und Eberhard Stock jeweils den 80sten und Ursula Hirschfeld sowie Lutz Christian Anders jeweils den 60sten. Aus diesem Anlass fand ein Jubiläumskongress von höchstem inhaltlichem Anspruch statt, aus dessen Beiträgen dieser Band hervorgegangen ist. Ausgewählte, fachlich hochkarätige Autorinnen und Autoren präsentieren aktuelle Forschungsergebnisse in Sprache und Sprechen, zu Fragen der Rhetorik, Phonetik, Phonologie, Sprecherziehung und Sprechkunst, und dies sowohl in der interpersonellen Kommunikation als auch in Musik und Film. Vom Ethikmanagement im Bankgewerbe über Kommunikationsberatung bis hin zum theatralen Prozess werden vielfältigste Bereiche des gesellschaftlichen Lebens fokussiert.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Zu diesem besonderen Band
  • Sprechwissenschaftliche Forschung in Halle – im Rück-, Aus-, Seiten- und Überblick: Ines Bose, Ursula Hirschfeld und Baldur Neuber, Halle (Saale)
  • 1 Fachstruktur und Alleinstellungsmerkmale
  • 2 Universitäre, nationale und internationale Vernetzung
  • 3 Rückblick
  • 4 Ausgewählte aktuelle Forschungsprojekte
  • 4.1 Normphonetik
  • 4.2 Telekommunikation
  • 4.3 Interkulturelle Kommunikation
  • 4.4 Radiorhetorik
  • 4.5 Sprach- und Kommunikationsförderung in Kindertageseinrichtungen
  • 5 Fazit und Ausblick
  • 6 Literatur
  • Beziehungen zwischen Musik und Sprache aus musiktheoretischer und musikpsychologischer Sicht: Wolfgang Auhagen, Halle
  • 1 Musik und Rhetorik
  • 2 Musik als Gefühlsausdruck
  • 3 Musik und Sprache im Lichte sprachwissenschaftlicher und psychologischer Forschung
  • 4 Literaturverzeichnis
  • Wie man einen Film mit den Ohren liest – Musik und Film: Georg Maas, Halle
  • 1 Musik als filmischer Gestaltungsbereich
  • 2 Musik und filmische Diegese
  • 3 Funktionen der Filmmusik
  • 4 Rezeption von Film und Musik
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Duzen und Siezen: Elmar Ternes, Hamburg
  • 1 Terminologisches
  • 2 Grammatische Verfahren der Distanzierung
  • 2.1 Pluralisierung
  • 2.2 Dritte grammatische Person
  • 2.3 Eigene pronominale Formen
  • 2.4 Drei Stufen der Differenzierung
  • 2.5 Keine Differenzierung
  • 3 Distanzierung der ersten Person
  • 4 Ausblick
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Des Kaisers neue Kleider, die Brüder Grimm und die Sprechwissenschaft: Christa M. Heilmann, Marburg
  • 1 Vorrede
  • 2 Wissenschaftliche Verantwortung
  • 3 Literaturverzeichnis
  • Was ist ein „mittlerer“ Sprecher?: Rüdiger Hoffmann, Guntram Strecha und Sören Wittenberg, Dresden
  • 1 Aussprachewörterbücher
  • 1.1 Darstellung auf symbolischer Ebene
  • 1.2 Einbeziehung der Signalebene
  • 2 Sprachsynthese und Sprecherindividualität
  • 2.1 Parametrische Sprachsynthese I
  • 2.2 Synthese durch Verkettung von Sprachbausteinen
  • 2.3 Parametrische Sprachsynthese II
  • 3 Experimente
  • 3.1 Vokaltraktlängen-Normalisierung
  • 3.2 Stimmen-Konvertierung
  • 3.3 Erzeugung von „mittlerer“ Sprache
  • 4 Zusammenfassung
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Die stilisierte Alltagssprache im theatralen Prozess: Uwe Hollmach
  • 1 Theatrale Prozesse
  • 2 Theatrale Sprechweise / phonetische Untersuchungen
  • 3 Literaturverzeichnis
  • Sprechkunst und Wissenschaft – Positionsbestimmung der Teildisziplin Sprechkunst im Referenzrahmen der Disziplin Sprechwissenschaft: Martina Haase, Halle
  • 1 Definition und Gegenstandbestimmung von Sprechkunst
  • 2 Erscheinungsformen von Sprechkunst
  • 3 Textgrundlagen von Sprechkunst
  • 4 Sprechkunst und Schauspielkunst
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Sprechkünstlerische Tendenzen im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater: Julia Kiesler, Bern
  • 1 Ausgangspunkt
  • 2 Untersuchungsgegenstand
  • 3 These
  • 4 Methodische Vorgehensweise
  • 5 Literatur
  • Ethikmanagement und Glaubwürdigkeit im Bankgewerbe: Stefan Dobiasch, Augsburg
  • 1 Einleitung
  • 2 Implementierungsproblematik und Kommunikationskultur
  • 3 Glaubwürdigkeit nach innen und außen
  • 4 Empirische Untersuchung der Glaubwürdigkeit
  • 5 Fazit
  • 6 Literatur
  • Zur Problematik der Klangqualität gesprochener Sprache: Wieland Kranich, Regensburg
  • 1 Umschreibung des Problemfeldes
  • 2 Untersuchungen zur Beschreibung der Klangqualität
  • 2.1 Expertenbefragung zur Erstellung eines Begriffsinventars
  • 2.2 Überprüfung des aufgestellten Inventars durch Experten
  • 2.3 Überprüfung des Inventars durch eine größere Probandengruppe
  • 2.4 Überprüfung des Inventars auf Textebene
  • 3 Überlegungen für weitere Untersuchungen
  • 4 Literaturverzeichnis
  • Auditives Erkennen von Emotionen bei CI-Trägern: Beate Wendt, Magdeburg und Astrid Braun, Halberstadt
  • 1 Hintergrund und Fragestellung
  • 2 Studienteilnehmer
  • 3 Material und Methode
  • 4 Ergebnisse
  • 4.1 Vergleich des emotional-prosodischen Ausdrucks – gesamt
  • 4.2 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚sachlich‘
  • 4.3 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚Freude‘
  • 4.4 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚Trauer‘
  • 4.5 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚Wut‘
  • 4.6 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚Angst‘
  • 4.7 Emotional-prosodischer Ausdruck ‚Ekel‘
  • 5 Schlussfolgerungen
  • 6 Literaturverzeichnis
  • Danksagung
  • „Und wozu der ganze Aufwand? Ich sehe doch schon beim Reinkommen, was der Patient hat.” – Stimmdiagnostik im Wandel: Susanne Voigt-Zimmermann, Magdeburg
  • 1 Ist eine spontane Blickdiagnostik möglich?
  • 2 Muss die Stimme überhaupt noch untersucht werden?
  • 3 Welche Implikationen hat das für die stimmtherapeutische Arbeit?
  • 4 Beiträge der Klinischen Sprechwissenschaft zur Diagnostik von Stimmstörungen
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Was denkt der Arzt und wie kommen Gesprächsforscher da dran? – Gesprächsanalytische Untersuchungen zu Kognitionen im Gespräch zwischen Arzt und Patient: Thomas Spranz-Fogasy, Mannheim
  • 1 Kognitionen als Untersuchungsgegenstand der Gesprächsforschung
  • 2 Das ärztliche Gespräch, seine Handlungscharakteristik und Äußerungstypik
  • 3 Kognitive Kategorien, Konzepte und Operationen in prädiagnostischen Mitteilungen
  • 4 Epistemische, Sinnes- und Performativausdrücke in prädiagnostischen Mitteilungen
  • 5 Schlussbetrachtungen
  • 6 Literaturverzeichnis
  • Das Auswertungsgespräch in der kompetenzorientierten Hochschullehre: Eine interaktionsanalytische Untersuchung: Cordula Schwarze, Innsbruck
  • 1 Einleitung
  • 2 Theoretischer Rahmen: Kompetenzorientierte Lehre, Hochschulkommunikation, Textproduktion und Rhetorik
  • 3 Auswertungsgespräche – Vorläufige Begriffsbestimmung
  • 4 Datenerhebung und Charakterisierung des Materials
  • 5 Fragen und Ausblick
  • 6 Literaturverzeichnis
  • Danksagung
  • Sprechwissenschaft und Kommunikationsberatung: Zur Praxistauglichkeit sprechwissenschaftlicher Ausbildungen: Brigitte Teuchert, Regensburg
  • 1 Rahmenbedingungen in der Weiterbildung
  • 2 Anforderungsprofil von Seiten der Wirtschaft
  • 2.1 Ausbildungsberufe
  • 2.2 Führungskräfte
  • 2.3 Ziele von Weiterbildung im gewerblichen Umfeld und bei Führungskräften
  • 3 Studien- und Ausbildungsinhalte sprechwissenschaftlicher Studiengänge
  • 3.1 Studieninhalte
  • 3.2 Berufsfelder
  • 4 Vereinbarkeit von Anforderungsprofil und Studieninhalten für die Kommunikationsberatung
  • 5 Fazit
  • 6 Literaturverzeichnis
  • Das Thema Sprecherziehung im Lehramt – ein alter Zopf?: Siegrun Lemke, Leipzig
  • 1 Problemaufriss
  • 2 Faktoren der Sprechwirkung im Lehrerberuf
  • 3 Berufspolitische und Forschungsprojekte
  • 4 Untersuchung zum freien Sprechen
  • 4.1 Untersuchungsparameter
  • 4.2 Ergebnisse
  • 4.3 Diskussion
  • 5 Zusammenfassung
  • 6 Literaturverzeichnis
  • Stellenwert der Phonetik in der Anglistik: Frank Lorenz, Erfurt
  • 1 Bedarf und Ausrichtung des Fachs
  • 2 Aussprache von Studienanfängern der Anglistik
  • 3 Phonetik / Phonologie in der akademischen Lehre
  • 4 Diskussion
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Wie sprechen polnische Berufssprecher fremde Eigennamen aus und warum tun sie es so?: Robert Skoczek, Lublin
  • 1 Einführung in die Problematik der Einpolnischung
  • 2 Ältere Ausspracheprinzipien von Fremdnamen in Polen
  • 3 Ausspracheregelung des Polnischen und Einpolnischungskonzepte
  • 4 Grundlegende Gedanken zur Einpolnischung fremder Eigennamen
  • 5 Methodischer Ansatz und Datenerhebung
  • 6 Einpolnischung von Endonymen in Aussprachewörterbüchern
  • 7 Flexionszwang und Aussprache von Finalsegmenten
  • 8 Resümee / Fazit
  • 9 Literaturverzeichnis
  • Phonetische Datenbasen als Grundlage der modernen Sprechtechnologien: Rodmonga Potapova, Moskau
  • 1 Korpuslinguistik und Hauptfunktionen der phonetischen Datenbasen
  • 2 Phonetische Datenbase für das Türkische (einige Etappen der Erarbeitung)
  • 3 Literaturverzeichnis
  • Sprechwissenschaftliche Forschungen als Grundlage für den Fremdsprachenunterricht: Ludmila Veličkova, Woronesh
  • 1 Die Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht
  • 2 Wissenschaftliche Grundlagen für das Unterrichtmodell
  • 2.1 Phonologische bzw. systemhafte Auffassung der Rede – Segmentale Ebene
  • 2.2 Systemhafte Analyse der Suprasegmentalia
  • 2.3 Untersuchung des Sprechrhythmus
  • 2.4 Kontrastive Phonostilistik Deutsch – Russisch
  • 2.5 Systemhafte Untersuchung der expressiven Mittel im Deutschen und Russischen
  • 3 Bestandteile des Unterrichtmodells
  • 4 Didaktische Prinzipien
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Zur universitären Phonetik- und Rhetorikausbildung in Deutsch als Fremdsprache: Beata Grzeszczakowska-Pawlikowska, Łódź
  • 1 Der DaF-Unterricht in Polen
  • 2 Die Ausspracheschulung im polnischen DaF-Unterricht
  • 3 Zur universitären Phonetik- und Rhetorikausbildung am Beispiel der Auslandsgermanistik in Łódź
  • 3.1 Die Phonetikausbildung
  • 3.2 Rhetorikausbildung
  • 4 Fazit und Desiderata
  • 5 Literaturverzeichnis
  • 6 Quellenverzeichnis
  • Wie schaukt a Pruag aos? – Stabile phonetische Unterschiede in Wortformen nach Auslautverhärtung in Tirol: Sven Grawunder, Leipzig
  • 1 Auslautverhärtung (Final Devoicing)
  • 2 Methoden
  • 2.1 Experimentelle Prozedur der Datenerhebung
  • 2.2 Datenaufbereitung und Analyse
  • 3 Ergebnisse
  • 4 Diskussion und Schlussfolgerungen
  • 5 Literaturverzeichnis
  • 6 Appendix
  • Danksagung
  • Sprechstimmlage und Melos – Terminologievorschläge: Augustin Ulrich Nebert, Münster
  • 1 Terminologische Vereinheitlichung
  • 2 Problematische Termini
  • 2.1 Mittlere Sprechstimmlage
  • 2.2 Indifferenzlage
  • 2.3 Tonhöhenverlauf
  • 3 Terminologievorschläge
  • 4 Literaturverzeichnis
  • Virtuelle Arbeitsbesprechungen als (sprechwissenschaftlicher) Untersuchungsgegenstand: Margarethe Olbertz-Siitonen, Jyväskylä
  • 1 Hintergrund – Zur Bedeutung natürlicher Daten
  • 2 Virtuelle Arbeitsbesprechungen im Fokus
  • 2.1 Interaktion in der „Petrischale“
  • 2.2 Unechte Gespräche?
  • 3 Methodologische Überlegungen
  • 4 Zusammenfassung
  • 5 Literaturverzeichnis
  • Autorinnen und Autoren

Zu diesem besonderen Band

Im Zeitraum von November 2012 bis Dezember 2013 feierten fünf Professorinnen und Professoren der Sprechwissenschaft ihre Jubiläumsgeburtstage; Frau Prof. Dr. phil. habil. Eva-Maria Krech, Frau Dr. phil. habil. Jutta Suttner und Herr Prof. Dr. phil. habil. Eberhard Stock jeweils den achtzigsten, Frau Prof. Dr. phil. habil. Ursula Hirschfeld sowie Herr Prof. Dr. phil. habil. Lutz Christian Anders jeweils den sechzigsten.

Aus diesem Anlass gestalteten wir 2013 einen großen Jubiläumskongress, der – nicht zuletzt auf ausdrücklichen Wunsch aller Jubilarinnen und Jubilare – zu einer hochkarätigen Fachtagung geriet. Es ging uns allen um „gelebte Arbeit“ statt um „Gratulationskur“. Hoch ausgewiesene und wissenschaftlich aktive Fachkolleginnen und -kollegen mehrerer Generationen, von den Nachwuchswissenschaftler/-inne/-n bis zu den Emeriti, präsentieren im nunmehr vorliegenden Kongressband ausgewählte Arbeitsergebnisse, Gedanken und Vorschläge. Es ist ein Buch mit einem Themenspektrum entstanden, das sich an alle richtet, die sich professionell mit Sprechkommunikation befassen.

Also wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Ertrag und Freude beim Lesen dieses besonderen Bandes unserer HSSP.

Ines Bose und Baldur Neuber,
mit herzlichem Dank an alle Mitstreiter

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Sprechwissenschaftliche Forschung in Halle – im Rück-, Aus-, Seiten- und Überblick

Ines Bose, Ursula Hirschfeld und Baldur Neuber, Halle (Saale)

Im Folgenden sollen einige Aspekte traditioneller und aktueller sprechwissenschaftlicher Forschung angerissen werden, die die Vielfalt an Forschungsthemen sowie die nationale und internationale Vernetzung der halleschen Sprechwissenschaft zeigen. Wie im vorliegenden Tagungsband sichtbar wird, ist sprechwissenschaftliche Forschung sowohl intradisziplinär, durch die Verbindung von Forschungsfragen aus verschiedenen Teilgebieten, als auch interdisziplinär, durch die Kooperation mit Vertretern anderer Wissenschaftsgebiete bzw. mit Praxispartnern, auch im Bereich der Drittmittelforschung.

1Fachstruktur und Alleinstellungsmerkmale

Gegenstand der Forschung (und Lehre) in allen Teilbereichen der Sprechwissenschaft ist die gesprochene (deutsche) Sprache, die mündliche Kommunikation in unterschiedlichen Kontexten. Teilbereiche der Sprechwissenschaft sind

die sprechwissenschaftliche Phonetik,

die rhetorische Kommunikation,

die sprechkünstlerische Kommunikation,

die Sprechbildung / Sprecherziehung,

und, mit einer eigenen Spezialisierung im Masterstudiengang, die Klinische Sprechwissenschaft (Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen).

Die Sprechwissenschaft an der halleschen Universität verfügt über eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen. Dazu gehört die mehr als 100-jährige Fachgeschichte der inzwischen ältesten Einrichtung für Sprechwissenschaft in Deutschland. Hier wird der einzige BA-Studiengang für Sprechwissenschaft (180) sowie ← 11 | 12 → das einzige konsekutive BA-MA-Studienprogramm im gesamten deutschsprachigen Raum angeboten und mit einer hohen Auslastung ausgeführt. Zum Renommee, Leitinstitution für Sprechwissenschaft in Lehre und Forschung in Deutschland zu sein, tragen solide, empirisch angelegte Forschungen bei, die in die Lehre einfließen. Mehr als 30 eingeschriebene Doktoranden forschen in allen Teilbereichen, hinzukommen einige externe Doktoranden.

2Universitäre, nationale und internationale Vernetzung

Innerhalb der Universität ist die Sprechwissenschaft in Lehre und Forschung sehr gut vernetzt. So werden u. a. Lehrveranstaltungen im Rahmen der ASQ- und LSQ-Module zur „Mündlichen Kommunikation“ für Studierende aller Studiengänge angeboten. Gemeinsam mit anderen Instituten der Fakultät wird ein Promotionsstudiengang „Sprache – Literatur – Gesellschaft“ ausgerichtet und fakultätsübergreifend in einer interdisziplinären wissenschaftlichen Einrichtung (IWE Verständlichkeitsforschung) mitgearbeitet.

Forschungskooperationen und -kontakte (mit Verträgen bzw. schriftlichen Vereinbarungen) bestehen universitätsübergreifend, vor allem im Rahmen des Universitätsverbundes Halle – Jena – Leipzig mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Lehrstuhl für Sprechwissenschaft, Institut für Deutsch als Fremd- / Zweitsprache) und der Universität Leipzig (Herder-Institut, Institut für Germanistik), darüber hinaus mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig (Department of Linguistics), der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Medizinische Fakultät: HNO-Klinik, Univ.-klinik für Neurologie), dem Universitätsklinikum der Humboldt-Univ. zu Berlin (Charité, HNO-Universitätsklinik, Abt. Phoniatrie und Pädaudiologie), der Technischen Universität Dresden (Institut für Akustik und Sprachkommunikation), der Hochschule für Kunst und Design Halle (Fachbereich Design), der Philipps-Universität Marburg (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft, Arbeitsgruppe Sprechwissenschaft).

Internationale Kooperationen gibt es mit der Staatlichen Universität Woronesh (Zentrum für Phonetik, gefördert durch das GIP-Programm des DAAD), der Linguistischen Universität und der Lomonossov-Universität Moskau (Universitätspartnerschaft), der Dokkyo-Universität Tokyo (Universitätspartnerschaft), der Universität Sorbonne Paris (Institut für Germanistik, gefördert durch das Erasmus-Programm), der Katholischen Universität Mailand (Institut für Germanistik, gefördert durch das Erasmus-Programm), der Universität Genua (Institut ← 12 | 13 → für Germanistik, auch gefördert durch das Erasmus-Programm), der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich (ebenfalls gefördert durch das Erasmus-Programm), der Universität Wien (Germanistik, Deutsch als Fremdsprache) sowie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Institut für Germanistik).

3Rückblick

Die systematische sprechwissenschaftliche Forschung an der Universität Halle begann in den 1950er Jahren mit Hans Krech, der die erste Professur für Sprechwissenschaft innehatte. Ausgehend von Untersuchungen zu klinischen und (norm-)phonetischen Fragestellungen, entwickelte sich die sprechwissenschaftliche Forschung in den folgenden Jahrzehnten in allen Teilbereichen in bemerkenswerter Breite und Vielfalt. Das belegen ca. 90 Dissertationen und 16 Habilitationen, die (bis 2013) in Halle abgeschlossen wurden. Langjährige Forschungsthemen sind dabei die Orthoepieforschung und die Sprechwirkungsforschung, die auch in aktuellen Projekten eine Rolle spielen. Die Reihe „Hallesche Schriften zur Sprechwissenschaft und Phonetik“ gibt ebenfalls einen Einblick in ausgewählte Forschungsprojekte, hier liegen inzwischen mehr als 50 Bände vor.

4Ausgewählte aktuelle Forschungsprojekte

Fünf inter- und intradisziplinär angelegte Projekte, zu denen gegenwärtig besonders intensiv gearbeitet wird, sollen im Folgenden kurz umrissen werden; sie sind angesiedelt in den Bereichen:

1.Phonetik → Normphonetik

2.Phonetik und Rhetorik → Telekommunikation

3.Phonetik und Rhetorik → Interkulturelle Kommunikation

4.Phonetik, Rhetorik, Kommunikations- und Medienwissenschaft / Linguistik → Radiorhetorik (Verständlichkeit, Radioästhetik)

5.Phonetik, Rhetorik, Klinische Sprechwissenschaft → Gesprächsforschung – Kommunikationsförderung in Kindertageseinrichtungen.

In nahezu all diesen Projekten ist die Sprechwirkungsforschung ein Schwerpunkt. Zahlreiche Publikationen sind erschienen oder in Vorbereitung, es sind kontinuierlich Dissertationen, Diplomarbeiten, MA-Abschlussarbeiten entstanden bzw. entstehen, einige davon werden auch in diesem Tagungsband vorgestellt; zu verweisen ist auch auf einen Online-Sammelband mit Aufsätzen von Doktoranden (Ebel 2014). ← 13 | 14 →

4.1Normphonetik

In der normphonetischen Forschung geht es um phonetische und soziophonetische Untersuchungen zur Entwicklung der Standardaussprache in Deutschland (vgl. Hirschfeld / Stock 2013, 47 f.). Dies ist schon seit den 1950er Jahren der wichtigste Forschungsschwerpunkt der halleschen Sprechwissenschaft. Beginnend mit Hans Krech wurden empirisch fundierte Beschreibungen der Standardaussprache vorgenommen und in Aussprachewörterbüchern publiziert: Wörterbuch der deutschen Aussprache (Krech et al. 1964), Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache (Krech et al. 1982) und Deutsches Aussprachewörterbuch (Krech et al. 2009 gebunden / 2010 Broschur). Darüber hinaus bzw. diese Publikationen vorbereitend, entstanden und entstehen zahlreiche Graduierungsarbeiten und Einzelveröffentlichungen. Als Kooperationspartner bei der Erarbeitung des aktuellen Deutschen Aussprachewörterbuchs ist vor allem die Universität Köln zu nennen (Georg Heike); die Arbeiten wurden in den 1990er Jahren großzügig durch die VW-Stiftung gefördert.

Aktuell verläuft die normphonetische Forschung in zwei Richtungen:

a)Erarbeitung wissenschaftlich evaluierter Eindeutschungsregeln,

b)Entwicklung eines „sprechenden“ Aussprachewörterbuchs.

Details

Seiten
250
ISBN (PDF)
9783653043884
ISBN (ePUB)
9783653989014
ISBN (MOBI)
9783653989007
ISBN (Hardcover)
9783631647400
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (August)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 250 S., zahlr. Tab. und Abb.

Biographische Angaben

Ines Bose (Band-Herausgeber:in) Baldur Neuber (Band-Herausgeber:in)

Ines Bose und Baldur Neuber sind Professoren am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der Universität Halle-Wittenberg. Sie forschen und publizieren zu verschiedensten Themen der interpersonellen Sprechkommunikation, lehren in Bachelor- und Masterstudiengängen des Faches Sprechwissenschaft und betreuen zahlreiche Promovierende. Beide nehmen zudem praxisnahe Lehr- und Forschungsaufgaben in Drittmittelprojekten in Rundfunk und Fernsehen sowie in Industrie und Wirtschaft wahr.

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Titel: Sprechwissenschaft: Bestand, Prognose, Perspektive