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Sprachen und Kulturen in Inter(Aktion)

Teil 2 – Linguistik, Didaktik, Translationswissenschaft

von Nikolaos Katsaounis (Band-Herausgeber:in) Renate Sidiropoulou (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 395 Seiten
Reihe: Hellenogermanica, Band 2

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Literaturverzeichnis
  • Philologie unter den Bedingungen der Transnationalität
  • 1.
  • 2.
  • 3.
  • 4.
  • 5.
  • 6.
  • 7.
  • 8.
  • Anmerkung
  • Literaturverzeichnis
  • Linguistik in Inter-Aktion
  • Deutsch-griechische lexikographische Tradition und Praxis. Eine kritische Untersuchung aus linguistischer Sicht
  • 1.
  • 2.
  • Bemerkungen zur prälexikographischen Phase und zur Makrostruktur in Jannaris (1883)
  • Mikrostruktur in Jannaris (1883)
  • 3.
  • Präsentation von semantischen bzw. semantisch-pragmatischen Informationen (vgl. PONS).
  • Morphologie, Stilistik
  • Syntax
  • 4.
  • Literaturverzeichnis
  • Komposition in Deutsch und Neugriechisch: eine kontrastive morphologische Analyse
  • 1. Einleitung
  • 2. Strukturelle Merkmale
  • 2.1. Kompositionsglieder
  • 2.2. Kopf
  • 2.2.1. Kompositionstypen
  • 2.3. Fugenelement
  • 2.4. Betonung
  • 2.5. Bedeutung
  • 3. Schlussfolgerung
  • Literaturverzeichnis
  • Fremdheit in Phraseologismen
  • 1. Allgemeines
  • 2. Positive Sicht auf das Fremde
  • 3. Negative Wertung von Fremdheit
  • 4. Andere Aspekte des Fremden
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Sprache in Inter-Aktion
  • Identifikation und Verwendung deutscher Wörter in der modernen serbischen Sprache und Einstellung von Muttersprachlern
  • Deutsch-serbische Sprachkontakte
  • Germanismen in der serbischen Sprache
  • Forschungshintergrund und Methodologie
  • Ergebnisse und Diskussion
  • Schlussfolgerungen
  • Literaturverzeichnis
  • Die Funktionen des Pronomens es. Ein linguistischer und didaktischer Ansatz
  • Einleitung
  • „es“ in Grammatiken
  • Lehr-Grammatiken bzw. Lehrwerke vs. Grammatiken
  • Vorschlag für Lehrwerke
  • Schlussfolgerung
  • Literaturverzeicnhis
  • Inter-Aktion im Fremdsprachenunterricht
  • Interkulturelle Kooperationsprojekte und computervermittelte Kommunikation in der Qualifikation von DaF-Lehrenden
  • 1. Einleitung
  • 2. Zur didaktischen Eignung computervermittelter Kommunikation im Fremdsprachenunterricht
  • 3. Lehrerkompetenzen und kooperative Lernszenarien
  • Sach- und Handlungskompetenz
  • Medienpädagogische Kompetenzen
  • Diagnose, Beratung
  • Förderung der Metakognition, Lernbewusstheit
  • Förderung des interkulturellen Lernens
  • 4. Kooperationsprojekte in der Unterrichtspraxis: Coimbrathen 1, 2 und 3
  • 5. Schlusswort
  • Literaturverzeichnis
  • Interkulturelle Werbung im fremdsprachigen Deutschunterricht
  • Definition IW
  • Transkription des Werbespots
  • Interkulturelle Werbung im DaF- Landeskundeunterricht
  • Aufgaben eines interkulturellen DaF- Landeskundeunterrichts und das Potential des Einsatzes von interkultureller Werbung
  • Die Konzepte der interkulturellen und integrativen DaF- Landeskunde
  • Interkulturelle Werbung als Medium einer soziokulturellen Kommunikation im DaF- Unterricht
  • Auswahlkriterien für interkulturelle Werbungen
  • Didaktisch-methodische Überlegungen
  • Bausteine einer möglichen Didaktisierung des VW-Werbefilms „Deutsch-italienische Begegnung“ für den interkulturellen DaF- Landeskunde-unterricht mit verschiedenen inhaltlichen und methodischen Schwer-punkten
  • Impulse
  • Weiterführende Wortschatzarbeit
  • Grammatikübungen
  • Wortfeldarbeit
  • Transferaufgaben
  • Literarische Texte und „Werbetexte“ im „Medienverbund“: Die Rolle von Intermedialität und Intertextualität im Sinne eines erweiterten Textbegriffs im Rahmen des modernen Fremdsprachenunterrichts
  • Literaturverzeichnis
  • Verwendung von kollektiver Sprecherdeixis (Wir-Form) durch Lehrer im Unterrichtsdiskurs
  • 1. Forschungsthema
  • 2. Hypothese- und Fragestellung – Zielsetzung
  • 3. Methodisches Vorgehen
  • 4. Datenauswertung
  • 5. Analyseergebnisse (wir-Form)
  • 6. Transkriptionsergebnisse (wir-Form + Modalverben)
  • 6.1 Exemplarische Handlungsanalyse – Analyseergebnisse (wir-Form + assertive Form der Modalverben)
  • 7. Transkriptionsergebnisse (wir-Form + fragende Verwendung der Modalverben)
  • 7.1 Exemplarische Handlungsanalyse – Analyseergebnisse (wir-Form + fragende Form der Modalverben)
  • 8. Zusammenfassung
  • Literaturverzeichnis
  • Kommunikation im DaF-Unterricht. Lehrer-Aufforderungen an die Schüler
  • 1. Einleitung
  • 2. Korpus
  • 3. Die Institution Schule und der Unterrichtsdiskurs
  • 4. Untersuchungsgegenstand
  • 5. Analyse
  • 6. Ergebnisse und Fazit
  • Literatur
  • Interdisziplinäre Inter-Aktion
  • Strukturelle und inhaltliche Besonderheiten einer Lernumgebung für die Fachsprache der Medizin
  • Die Effizienz beim Einsatz von Medien
  • Nachteile der Medien
  • Die Gestaltung der Lernumgebung
  • Inhalte der Lernumgebung
  • Lernart
  • Organisation des Wissensbestandes
  • Emotionen
  • Die Anwendung netzbasierter Lernangebote
  • Der Lerner im Mittelpunkt
  • Literaturverzeichnis:
  • Die «Sprache» der Kunst in einer «fremden» Sprache? Das Museum als Lernort für den Fremdsprachenunterricht
  • 1. Historischer Rückblick
  • 2. Das Museum als alternativer Lernort für den Fremdsprachenunterricht
  • 2.1 Zielsetzungen
  • 2.2 Kunstwerke als didaktische Mittel und methodischer Ansatz
  • 3. Vorschlag für den griechischen Rahmen
  • 4. Schlussfolgerungen
  • Literaturverzeichnis
  • Geschichte als Landeskunde? Mögliche Impulse für das Fach Landeskunde durch Einbeziehung historischer Inhalte
  • Einleitung
  • Landeskunde interkulturell
  • Landeskunde mit historischen Inhalten
  • Interkulturelles Lernen durch Geschichte
  • Zielsetzungen der Geschichts- und Landeskundedidaktik
  • Inhaltliche und methodische Überschneidungen
  • Neue Impulse für die Landeskunde durch die Geschichtswissenschaft und –didaktik auf universitärer und unterrichtspraktischer Ebene
  • Fazit
  • Literaturverzeichnis
  • Transnationale Inter-Aktion
  • Sprachidentitäten im internationalen Vergleich - Eine Zusammenschau eigener internationaler Studien aus Ägypten, Deutschland und der Türkei
  • 1. Wissenschaftlicher Diskurs
  • 2. Eigene Studien zum Muttersprachenverständnis
  • 2.1 Forschungsdesign
  • 2.1.1 Forschungsfrage und -interesse
  • 2.1.2 Hypothesen
  • 2.1.3 Forschungsmethode
  • 2.2 Nationale Studien
  • 2.3 Internationale Studien
  • 2.4 Die zentralen Ergebnisse der vier Studien im Überblick
  • 3. Muttersprache und Identität
  • 4. Diskussion
  • 4.1 Die Innensicht der Befragten
  • 4.2 Die neue Sicht der Wissenschaft
  • Literaturverzeichnis
  • Wörter, Sprichwörter und Geschichten als Referenzpunkte für die Ausbildung transkultureller Identitäten
  • Identität – ein ‚Sich Selbst Zusammensammeln’ von Momenten
  • Identität – ein Sammeln von Geschichten
  • Ein Ding weniger und ein Wort mehr in meiner vorläufigen Welt
  • Geschichten erzählen lernen
  • Der Lebenslauf – eine Ansammlung von Kapiteln
  • Literaturverzeichnis:
  • Literaturgeschichte anhand von Gedichten: ein Praxisbericht
  • 1. Problemaufriss
  • 2. Seminarbeschreibung
  • 3. Arbeitsweise
  • 4. Gedichtbeispiele: Auszüge aus studentischen Arbeiten
  • 4.1 Johann Wolfgang Goethe: Mailied
  • 4.2 Gottfried Benn: Kleine Aster
  • 5. Auswertung
  • Anhang
  • Literaturverzeichnis
  • Sprachbegegnungen im Rahmen einer Multiliteralitätsdidaktik
  • Kulturelles (Differenz-)Verständnis
  • Von der Sprachbegegnung zur Multiliteralitätsdidaktik
  • Sprachbegegnungskonzepte und die Folgen
  • Sprachreinheit versus Vielsprachigkeit
  • Multiliteracies pedagogy und Multiliteralitätsdidaktik
  • Multiliteralität fördern: literal, digital, interkulturell
  • Literaturverzeichnis
  • Todesanzeigen aus Griechenland und Deutschland - kontrastiv betrachtet
  • Einleitung
  • Todesanzeigen gelten als meistgelesene „Artikel“ in Regionalzeitungen. (Hölscher 2005, 1)
  • Textlinguistische Untersuchungen von Todesanzeigen
  • Kategorisierung von deutschen und griechischen Todesanzeigen
  • „Moderne Anzeigen“: Der Tod im Internet
  • Erste Ergebnisse
  • Literaturverzeichnis
  • Translatorische Inter-Aktion
  • Übersetzen mit „Überlegung“? Zur Kleist-Rezeption in GR
  • Literaturverzeichnis:
  • Über Grenzen und Grenzenlosigkeit der literarischen Übersetzung anhand Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“
  • 1. Einführung
  • 2. Zum Wesen des Humorvollen
  • 3. Die „ironische Grundhaltung“ des Erzählers als Quelle des Humors
  • 4. Stilistische Mittel im Dienst des Humors
  • 4.1 Überspitzt gehobener Sprachgebrauch als stilistisches Paradoxon
  • 4.2 Stilbruch
  • 5. Handlungskomik
  • 5.1 Diskrepanz zwischen menschlicher Größe und Schwäche
  • 5.2 Diskrepanz zwischen Geist und Fleisch
  • 5.3 Diskrepanz zwischen ‚normal’ und ‚abnormal’ bzw. Relativierung dieser Kategorien
  • 6. Verbindung von Sprachwitz und Handlungskomik
  • 6.1 (Selbst)ironische Tabubrechung – der Umgang mit dem Tod
  • 6.2 (Selbst)ironische Tabubrechung – der Umgang mit der Sexualität
  • 7. Abschluss
  • Literaturverzeichnis
  • Das Simultandolmetschen aus dem Deutschen ins Griechische: Herausforderungen und Antizipation als Überwindungsstrategie
  • Einleitung
  • Das Simultandolmetschen: der Prozess
  • Das Simultandolmetschen im Europaparlament
  • Die Besonderheiten des DE-EL Simultandolmetschens
  • Das Verb
  • Die Negation
  • Die Antizipation als Überwindungsstrategie
  • Die ersten Ergebnisse
  • Schlussfolgerungen und Zukunftsperspektiven
  • Literaturverzeichnis
  • Das Land der Griechen in der Bildung suchend. Johann Fischarts Übertragung der pseudo-plutarchischen Schrift „peri paidōn agōgēs“ im zeitgenössischen Kontext
  • Plutarch im Europa des 16. Jahrhunderts
  • Fischarts „Ehzuchtbüchlin“ und der zeitgenössische Übersetzerdiskurs
  • Fischarts Vorlage
  • Abschließende Bemerkungen
  • Literaturverzeichnis
  • Spannungsfelder der Inter-Aktion
  • Globale Krisen der Finanzmärkte als Krise einer Freundschaft – deutsche und griechische Medienberichterstattung während der Diskussion um europäische Rettungspakete zur Stützung des griechischen Staatshaushaltes, oder: Hört beim Geld die Freundschaft auf?
  • 1. Einleitung
  • 2. Methode und Corpus
  • 3.1 BILD und taz: Wortwahl, Bewertungen, Verteilung sozialer Rollen
  • 3.2 Metapherngebrauch in den deutschen Medien DER SPIEGEL und DIE ZEIT und den griechischen Medien Rizospastis und Eleftheros Tipos
  • 4. Ausblick
  • Literaturverzeichnis
  • Säkularisierung oder Laizismus?
  • I.
  • II. „Säkularisierung“
  • III. „Säkularisierung“ heute
  • Literaturverzeichnis
  • „Die Welt zu Gast bei Freunden“ und das D-Bild im Wandel
  • Literaturverzeichnis
  • Von ‚Panzern’ und ‚Fußballmaschinen’: der griechische massenmediale Diskurs über die Deutschen. Das Beispiel der Fußball-WM 2006.
  • Einleitung
  • Die Fußball-WM 2006
  • Stereotype: Untersuchungsprobleme
  • Der Corpus
  • Profil der Medien
  • Ergebnisse
  • Themen von Videoaufnahmen und Zeitungen
  • Allgemeine Merkmale des Nationaldiskurses
  • Die Deutschen
  • Erscheinungsbild
  • Das deutsche Bier
  • Fußballmaschinen
  • Mentalität – Disziplin – Organisation – Hartnäckigkeit
  • „Undeutsche“ Eigenschaften
  • Der neue deutsche Patriotismus
  • Zweiter Weltkrieg/Nazi-Assoziationen
  • Positive Kommentare
  • Literaturverzeichnis
  • Geschlecht und Identität im globalisierten Medienformat „Big Brother“.
  • 1. Ziel und Methode
  • 2. Geschlechter als Experiment
  • 3. Soziale Kategorisierung durch Sprache
  • 4. Reflexion
  • Anhang
  • Literaturverzeichnis

Einleitung: Sprachen und Kulturen in (Inter)Aktion – Teil II

Anlässlich ihres fünfzigjährigen Bestehens veranstaltete die Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie der Aristoteles Universität Thessaloniki vom 25. bis 28. Mai 2011 einen internationalen und interdisziplinären Kongress mit dem Thema Sprachen und Kulturen in (Inter)Aktion. Die Organisatorinnen und Organisatoren freuen sich, nach der unumgänglichen Auswahl und Perspektivenschärfung nun die ausgearbeiteten Beiträge dieses Treffens in drei Bänden der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Gedankt sei an dieser Stelle allen Begutachtern der Beiträge, die diese in einem blind-review-Verfahren evaluierten. Dabei gilt unser besonderer Dank Frau Assoc. Prof. Anastasia Parianou, Ionische Universität, Abteilung für Fremdsprachen, Übersetzung und Dolmetschen und Herrn Assist. Prof. Georgios Markopoulos, Universität Athen, Philosophische Fakultät, Fachbereich für Philologie. Das Thema der Tagung und deren kulturwissenschaftlicher Ansatz ergaben sich unmittelbar aus der besonderen Situation der Fremdsprachenphilologien, befinden sich diese doch in einem permanenten code und culturalswitching, in einem sprachlichen und kulturellen Dritten Raum zwischen ihren Lehr- und Forschungsgegenständen und der anderssprachigen und heterokulturellen Umgebung des Universitätsstandortes. Sie leben, erleben und lehren daher Interaktivität im Sinn von Interkonnektivität als einem charakteristischen Merkmal der Globalisierung, jenem „Zustand der engmaschig vernetzten medialen, oft gleichzeitigen Verbindung zwischen Menschen und Abläufen auf dem gesamten Globus“, wie Ulfried Reichardt definiert (Reichardt, 249). Interaktionen zwischen verschiedenen Kulturen – nicht nur zwischen der deutsch- und der anderssprachigen –, Sprachen und Medien standen im Mittelpunkt des Kongresses, und wie das große Echo auf den Call for Papers bewies, werden diese gerade in den Auslandsgermanistiken – wenn auch natürlich nicht nur dort – mit besonderer Sensibilität registriert. Die Stadt Thessaloniki mit ihrer 2300jährigen Geschichte als Kreuzungspunkt verschiedener Kulturen bot den adäquaten Rahmen für die Erarbeitung der enormen Vielfalt an „Inter-Aktionen“, die nun in drei Bände eingeflossen sind: Für den ersten wurden überwiegend Beiträge aus dem Bereich der Literaturwissenschaft ausgewählt, während der vorliegende zweite Band noch stärker dem transdisziplinären Thema der Tagung verpflichtet ist und Aufsätze aus der Linguistik, der Didaktik und der Translationswissenschaft beinhaltet. Der dritte Band vereinigt die Beiträge in griechischer Sprache aus allen Bereichen; diese sprachliche Separierung widerspricht zwar der Philosophie der Konferenz, war aber aus praktischen ← 9 | 10 → Gründen unvermeidbar. In der Zusammenschau der Beiträge erweist sich, dass der Anspruch der Konferenz auf Interdisziplinarität als Verhandlung von „wissenschaftlichen Fragestellungen im Überschneidungsbereich verschiedener Disziplinen“ sich nicht nur als höchst fruchtbar erwiesen hat, sondern in Teilen auch auf die höhere Abstraktionsebene der Transdisziplinarität transportiert worden ist, also in den „Überschneidungsbereich dieser wissenschaftlichen Fragestellungen mit gesellschaftlichen Problemen“ (Bergmann et al., 38), die direkt oder indirekt aus dem Kontext unserer Lebensverhältnisse in der gegenwärtigen Globalisierung erwachsen.

Globalisierung, weltweite Vernetzungen, Migrationsbewegungen und die dadurch hervorgerufenen Entwicklungen verleihen Sprachen und Kulturen eine besondere Signifikanz, wobei Kultur bzw. Kulturen nach Claus Altmayer als „hochkomplexe, offene, heterogene und in sich widersprüchliche Entitäten“ (Altmayer 2007, 11) aufgefasst werden, für deren Erforschung keineswegs mehr nur das Fach Kulturwissenschaft zuständig ist, das ohnehin keine „klar abgegrenzte eigenständige Disziplin“ (ebd. 3) mehr darstellt. Der Begriff Kulturwissenschaft hat „vielmehr mit einer Art innovativem Projekt zu tun“, „an dem viele verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beteiligt sind und dessen gemeinsame Stoßrichtung, vereinfacht gesagt, dahin geht, subjektive Sinnzuschreibungen und damit die Perspektive der Subjekte und deren deutenden Zugang zur Welt gegenüber den objektiven Strukturen in den Humanwissenschaften stärker zur Geltung zu bringen“ (ebd. 12).

Damit sollen – wie von Altmann gefordert – die Kulturwissenschaft(en) einerseits das Subjekt in den Vordergrund stellen, andererseits sollte aber auch der von der Gesellschaft an die Wissenschaft gestellte Anspruch, ihre Resultate verstärkt auf die Gesellschaft zurückwirken zu lassen, berücksichtigt werden, da dadurch Entwicklungen initiiert und Veränderungen bewirkt werden können. Die Mehrheit der Beiträge dieses Bandes fokussieren unter Rückgriff auf verschiedene methodische Instrumentarien genau diese Doppeldimensionalität, so zum Beispiel in Untersuchungen zu medienvermittelter Fremd- und Eigenperzeptionen.

In jüngster Zeit hat sich bei vielen Menschen die Wahrnehmung Europas ins Negative verkehrt, ein Resultat der politischen und ökonomischen Gegensätze und der dadurch verursachten Spannungen, die von manipulativen Medien noch geschürt werden und nationale und nationalistische Ressentiments in einer bisher nicht möglich scheinenden Intensität an die Oberfläche gebracht haben. In dieser Situation ergibt sich bei universitären Institutionen insofern Handlungsbedarf, als sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in Lehre und Forschung durch die Schaffung theoretischer Grundlagen dazu beitragen können, die Gesellschaft zu beeinflussen und über Bildungskanäle eine „tertiäre Soziali ← 10 | 11 → sation“ (Byram 1990; Doyé 1992 zit. n. Boeckmann, 3) zu initiieren. Diese erfolgt, über den familiären und den regional-nationalen Rahmen hinausgehend über Sprachen und Kulturen, befähigt zu Kommunikation und Interaktion mit Menschen und Kulturen außerhalb der eigenen Herkunftsgesellschaft und erhält durch interdisziplinäre Forschungsansätze und Praktiken eine besondere Effizienz.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes tragen mit ihrem interdisziplinären Ansatz dazu bei, den sprachlichen und kulturellen Dritten Raum, in dem diese Sozialisation stattfindet, zu erforschen, transkulturelle Verflechtungen transparent zu machen und kulturelle Deutungsmuster (Altmayer) zu präzisieren. Den großen historischen und gesellschaftspolitischen Rahmen hierzu steckt Konrad Ehlich gleich zu Beginn mit seinem Plenarvortrag „Philologie unter den Bedingungen der Transnationalität“ ab, in dem er die Entwicklung der Wissenschaft von Sprache und Texten, der Philologie, aus der Distanz heraus als „ein charakteristisches Ineinander von Kontinuität und Bruch“ (20) zeichnet, der „heilige“ Texte seit der griechischen Antike immer wieder aufs Neue Prozessen der Re- und De-Auratisierung unterzieht. Um die klassischen Philologien gruppierten sich die im Lauf des Mittelalters und mehr noch in der Frühen Neuzeit entstandenen „neuen“ Sprachen, die sehr bald als conditio sine qua non nationaler Identitätsbildung eine Aufwertung gegenüber den klassischen erfuhren und Ausdruck veränderter gesellschaftlicher Bedingungen waren. Mit Fokus auf der Germanistik als „germanischer Nationalphilologie“, die den „identitären Spagat“ zwischen der realen deutschen Verspätung bei der Staatenbildung und dem imaginierten deutschen Nationalstaat letztlich nicht durchzuhalten vermochte (23), zeigt Ehlich einen besonderen Fall von gesellschaftspolitischer Funktionalisierung von Nationalphilologie im 19. Jahrhundert auf. Das 20. Jahrhundert wird dann Zeuge einer widersprüchlichen Weiterentwicklung: Einerseits wird „das nationalsprachliche Modell zu einem weltweit expandierenden Konzept“ (24), andererseits aber verliert es im Zuge der postethnischen und postnationalen Realität zunehmend an Relevanz, ohne jedoch – bisher zumindest – durch gänzlich neue Strukturen obsolet zu werden (25). Gerade im Zuge der europäischen Einigung spielen sprachliche Gegebenheiten eine entscheidende Rolle; konsequenterweise postuliert Ehlich eine transnationale Philologie, die der mehrsprachlichen Realität Rechnung trägt und bis in die grundlegenden Bildungsprozesse hinein ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird (27f.).

Ganz im Sinne von Ehlichs Forderung kommt gleich in der ersten Sektion, Linguistik in Inter-Aktion, die „Janusköpfigkeit“ von Sprache (Steinmüller, 1) zum Vorschein: Sprache ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung und zugleich das Instrument, welches unsere alltägliche Kommunikation ermöglicht. Auf dieser Basis wird ein anwendungsbezogener Aspekt der Sprache im Beitrag ← 11 | 12 → von Christina Katsikadeli und Ioannis Fykias zum Forschungsdesiderat im Bereich der Lexikografie. Es wird der Versuch unternommen, die Konzepte der zeitgenössischen Lexikografie am Beispiel der deutsch-griechischen Wörterbücher einer kritischen Revision zu unterziehen und Verbesserungsvorschläge zur Diskussion zu stellen. Kontrastiv deutsch-griechisch geht es auch bei Maria Koliopoulou weiter: Die Autorin betrachtet die zwei Sprachen im Hinblick auf die jeweiligen Kompositionsverfahren und zeigt zahlreiche Gemeinsamkeiten – im weiteren Rahmen einer fusionierenden morphologischen Typologie – als auch einige Differenzen auf. Die Aufnahme der Sprache in Lexika beschäftigt auch Georg Schuppener, der sich mit dem Aspekt der Fremdheit bzw. mit der Frage, wie Fremdheit in historischen Phraseologismen thematisiert wird, auseinandersetzt. Ihm zufolge dienen Sprichwörter und Redewendungen zunächst der zwischenmenschlichen Kommunikation, auf einer Metaebene jedoch stellen die Facetten der Fremdheit, mit der sie umgehen, die Funktion der Sprache als Instrument erneut unter Beweis und veranschaulichen damit ein weiteres Mal die oben erwähnte „Janusköpfigkeit“ als Grundbedingung sprachlichen Handelns.

Auf der sprachlichen Ebene bewegt sich auch die zweite Sektion, Sprache in Inter-Aktion. Während Jelena Danilović, Ivana Zorica und Jovana Dimitrijević Savić deutsche Wörter, die in die moderne serbische Sprache eingeflossen sind, identifizieren und deren Gebrauch und Bekanntheitsgrad durch eine Umfrage untersuchen, befasst sich Ifigeneia Dosi mit den Funktionen des Pronomens es hinsichtlich linguistischer, aber auch didaktischer Parameter.

Die Beiträge der Sektion Inter-Aktion im Fremdsprachenunterricht sind im Diskurs über sprachliche und interkulturelle Kompetenz sowie Unterrichtskommunikation zu verorten. Es werden Sprachbegegnungskonzepte, kooperative Lernszenarien sowie rezeptionsästhetische und hermeneutische Aspekte im Literaturunterricht behandelt und sprachliches Handeln von Lehrenden untersucht. Marios Chrissou und Bernd Speidel stellen die internationalen Telekollaborationsprojekte Coimbrathen 1,2 und 3 vor, bei denen Studierende der Universität Coimbra/Portugal und Athen/Griechenland gemeinsam themenspezifisch kommunizierten und kooperierten und als angehende Lehrende die Möglichkeit erhielten, praxisbezogen interkulturelle, kommunikative und medienpädagogische Kompetenz zu entwickeln und zu trainieren. Antje Dohrn, Nikolaos Katsaounis und Nikolaos Ioannis Koskinas arbeiten in ihrem Beitrag ein Konzept zur Didaktisierung interkultureller Werbeanzeigen im fremdsprachigen Deutschunterricht aus, wobei kognitive, landeskundliche und literaturwissenschaftliche Aspekte in besonderem Maß berücksichtigt werden. Eleni Kalaitzi und Evangelia Karagiannidou präsentieren Ergebnisse von funktional-pragmatischen Diskursanalysen nach empirischen Verfahren, gestützt auf ← 12 | 13 → die Analysemethode von Ehlich und Rehbein. Eleni Kalaitzi untersucht die kollektive Sprecherdeixis wir in der Sprache der Lehrenden, die gemeinsame Handlungsentschlüsse impliziert, wobei die Initiative von den Lehrenden ausgeht und den Lernenden durch die fragende Form nur scheinbar eine Entscheidungsmöglichkeit offeriert wird. Evangelia Karagiannidou beschäftigt sich mit dem Gebrauch der Modalverben (Ich will/möchte…) bei Aufforderung im Lehr-Lern-Diskurs. Sie stellt die Ergebnisse ihrer Feldforschung vor und konstatiert, dass Modalverben nur im Diskurs der Lehrenden verwendet werden und dass dadurch die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten der am Unterricht beteiligten Aktantengruppen verdeutlicht werden.

In der Sektion Interdisziplinäre Inter-Aktionen werden diverse Lernorte sowie Theorie und Methodik anderer Disziplinen – zum Beispiel der Museumspädagogik und der Geschichtsdidaktik – auf den Fremdsprachenunterricht untersucht. Ivan Merdzhanov leitet diese Sektion ein und setzt sich konkret mit der Lehre von Fremdsprachen und unterschiedlichen Lernorten auseinander. Er behandelt „Strukturelle und inhaltliche Besonderheiten einer Lernumgebung für die Fachsprache Medizin“ und untersucht Struktur, Effizienz und Inhalte einer im Internet angesiedelten Lernumgebung für Deutsch als Fremdsprache der Medizin, von einer lernerzentrierten Basis ausgehend. Methodisch orientiert er sich am autonomen selbstgesteuerten Lernen, berücksichtigt aber auch Methoden von Blended-Learning und von Tutoren begleitetem Lernen. Die Effizienz des Lernortes Museum beim Fremdsprachenerwerb untersucht Niki Nikonanou in ihrem Beitrag, wo sich mit kulturellen Inhalten – authentischen Kunstwerken – in einer außerschulischen Lernumgebung kommunikative und interkulturelle Lernziele erreichen lassen. Nikonanou stellt theoretische Konvergenzen zwischen Fremdsprachendidaktik und Museumspädagogik fest und regt für den griechischen Raum Fortbildungsveranstaltungen für Fremdsprachenlehrende an, die auf konstruktivistischen Ansätzen basieren und methodische wie praktische Anwendungsmöglichkeiten vermitteln. Mittels Kunstwerken sollen in einer inspirierenden, kreativen Lernumgebung fremdsprachliche und kunstästhetische sowie interkulturelle Kompetenzen gefördert werden. Ähnliche interdisziplinäre Vorgangsweisen werden auch im geschichtsdidaktischen Beitrag von Renate Mathilde Sidiropoulou präsentiert. Die Autorin sieht im Fremdsprachenunterricht Möglichkeiten zur Förderung von (inter)kulturellen Kompetenzen mit historischen Themen, wobei der Schwerpunkt von der kognitiven Wissensvermittlung weg auf das Sammeln von Fremderfahrung im Umgang mit dem Anderen, dem Fremden aus der Vergangenheit und die Reflexion darüber durch den Lernenden von heute verlagert wird.

In der nächsten Sektion, Transnationale Inter-Aktionen, beschäftigt sich Mahzad Hoodgarzadeh in ihrem Artikel mit dem Zusammenwirken von Spra ← 13 | 14 → che und Identität und untersucht das Muttersprachenverständnis mehrsprachiger Schüler/innen und Studierender aus Deutschland und sog. Rückkehrer in Kairo und Istanbul. Als Ergebnis fordert Hoodgarzadeh eine Reform des Diskurses um den Muttersprachenbegriff, der dessen gegenwärtiger Komplexität angemessener ist und Eingang in Alltags- und Bildungskonzepte finden könnte. Ausgehend von Waldmann stellt Gesa Singer in ihrem Beitrag Ergebnisse aus einem Seminar mit Studierenden vor, wie literaturgeschichtliches Kontextwissen für die Interpretation von Lyrik nutzbar gemacht werden kann, wobei für Lehrende wie Studierende eine fruchtbringende Erfahrung durch die Beschäftigung mit Literatur in einer fremdkulturellen Umgebung in Bezug auf persönlichkeitsrelevante Faktoren und in Hinblick auf die Ermöglichung eines interkulturellen Gedankenaustausches gewonnen werden konnte. Anja Wildemann beschäftigt sich mit Aspekten des interkulturellen Lernens und dem damit in enger Verbindung stehenden, die Fremdsprachendidaktik bestimmenden, differenzorientierten Kulturbegriff. Sie stellt erste Ergebnisse der Anwendung einer in Zusammenhang mit dem EU-Projekt MUViT erstellten Computersoftware vor. Wildemann stützt sich auf Ansätze der Multiliteralität und der Mehrsprachigkeit, die die Fremdsprachendidaktik dominieren, weil sie dem Bildungsanspruch nach Menschen mit vielschichtigen, vernetzten und medialen Kompetenzen entgegenkommen. Barbara Siller betrachtet die Ausprägung transnationaler Identität am Beispiel des Protagonisten Fedele Conte Mamai aus Kurt Lanthalers Roman „Das Delta“ (2007) und zeigt, wie sich fluktuierende Identitätskonstruktionen in literarischer Verarbeitung gerade auch auf der Ausdrucksebene, mit Hilfe von Wörtern, Sprichwörtern und Geschichten festmachen. Jutta Wolfrum hingegen widmet sich einer eher randständigen Textsorte, indem sie Todesanzeigen aus Griechenland und Deutschland textlinguistisch analysiert und dabei nicht nur kulturspezifische Konventionen zum medialen Verarbeiten von Todesfällen aufzeigt, sondern auch eine Kategorisierung existierender Varianten griechischer und deutscher Todesanzeigen unternimmt.

Die Sektion Translatorische Inter-Aktionen stellt Übersetzungsprozesse in den Vordergrund, nach George Steiner „formal ebenso wie praktisch Teil jeglichen Kommunikationsaktes“, denn „Verstehen bedeutet Dechiffrieren. Bedeutungen zu hören, heißt übersetzen“ (Steiner, V). Dieses Hören der Bedeutungen bei der Übertragung eines literarischen Textes in eine andere Sprache thematisiert Anastasia Daskaroli in ihrem Aufsatz zur Kleist-Übersetzung und –rezeption in Griechenland. Am Beispiel des „Prinzen von Homburg“ zeichnet die Autorin die Rezeptionsvoraussetzungen für Kleists Werk nach und unterstreicht die Temporalität translatorischer Vorgänge anhand eines Vergleichs der Übersetzungen von Kostas Karthaios (1938) und Jennny Mastoraki (2008). Mit der ungarischen Übersetzung von Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung ← 14 | 15 → der Welt“ beschäftigt sich Erzsébet Drahota-Szabó. Sie erkennt in der Darstellung von Humor, Handlungskomik und Sprachwitz ein übernationales Phänomen, das Kehlmann auf den Menschen schlechthin bezieht und belegt mit Beispielen, wie sich diese ins Ungarische übertragen lassen. Um Probleme des Simultandolmetschens von deutscher in griechische Sprache geht es im Beitrag von Konstantina Liontou. Sie belegt mit ihrer Untersuchung, dass von Simultandolmetschern mittels Antizipation sprachliche Unterschiede bewältigt werden. Die geschichtliche Bedingtheit (nach Dilthey, vgl. Steiner 264–65, auch 15–25) arbeitet auch Ronny F. Schulz in „Das Land der Griechen in der Bildung suchend. Johann Fischarts Übertragung der pseudo-plutarchischen Schrift ‚peri paidōn agōgēs‘ im zeitgenössischen Kontext“ heraus und gelangt zu dem überraschenden Ergebnis, dass Fischarts Übertragung eine „interpretatio, die wesentlich weitergeht als ihre spätmittelalterlichen Vorgänger, da sie die Kultur der Zielsprache mit einbezieht“, darstellt und damit ihrer Zeit weit voraus war.

In der letzten Sektion dieses Bandes geht es um Spannungsfelder der Inter-Aktion. Hans Bickes, Eleni Butulussi, Tina Otten und Janina Schendel stellen uns Analysestränge und Ergebnisse im Zeitraum Februar-Juni 2010 eines griechisch-deutschen Forschungsprojektes vor, das im Rahmen der kritischen Diskursanalyse in verschiedenen Teilprojekten die mediale Diskurse anhand ausgewählter deutscher und griechischer Medien zu Beginn der griechischen Finanzkrise verfolgt. Annett Jubara stellt in ihrem Aufsatz „Säkularisierung oder säkularisierte Gesellschaft? Zur Aktualität eines älteren Säkularisierungskonzepts“ die Frage, wie die säkularisierten westlichen Gesellschaften Immigranten mit nicht-säkularen Einstellungen zur Religion zu integrieren vermögen und wie die Bildung von Parallelgesellschaften vermieden werden kann. Nach Diskussion der deutschen „Kopftuch-Debatte“ schlägt sie unter Rückgriff auf Hegels Konzept zur Säkularisierung eine Öffnung der Gesellschaft gegenüber der Religion vor, die ihrerseits jedoch auch mit einer Kontextualisierung der Religion in den Rahmen der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse einhergehen muss. Um nationale Images geht es in Chrysoula Katsourakis Beitrag „‘Die Welt zu Gast bei Freunden‘ und das Deutschlandbild im Wandel“; sie untersucht das anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 propagierte positive Auto-Image der Deutschen auf dessen Nachhaltigkeit hin und gelangt zu dem Ergebnis, dass sich spätestens bei Ausbruch der Euro-Krise 2010 die tradierten Stereotypen vom „hässlichen Deutschen“ zurückmeldeten. Auch im Beitrag von Amalia Plaskasoviti werden nationale Images diskutiert; einmal das Bild der Deutschen am Beispiel der Fußball-WM 2006 und des griechischen massenmedialen Diskurses über die Deutschen und zum anderen das griechische Selbstbild. Plaskasoviti geht von der These aus, dass die Massenmedien für die Formation und Verbreitung der eigenen bzw. fremden nationalen Identität die ← 15 | 16 → größte Verantwortung tragen. Der letzte Beitrag von Amalia Sdroulia bewegt sich im Rahmen der Gender-Studies und untersucht, welche Relevanz Geschlecht und Identität im globalisierten Medienformat Big Brother erhalten. Es handelt sich dabei um ein Spiel als Fernsehformat, das im Beitrag als Kristallisationspunkt kultureller Differenzierungen betrachtet wird. Aus der Analyse der Gespräche in diesem Spiel leitet Sdroulia ab, dass dieses globale populäre Medienformat nicht automatisch globale geschlechtliche Identitätskonstruktionen transportiert.

Thessaloniki, September 2013Nikolaos Katsaounis
Renate Mathilde Sidiropoulou

Literaturverzeichnis

Altmayer, Claus (2007): Von der Landeskunde zur Kulturwissenschaft. Germanistische Mitteilungen 65 S.7–21 auch unter:  http://www.bgdv.be/Dokumente/GM-Texte/gm65_altmayer.pdf.

Altmayer, Claus (2004): Kultur als Hypertext. Zu Theorie und Praxis der Kulturwissenschaft im Fach Deutsch als Fremdsprache. München: Iudicium.

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Zusammenfassung

Transdisziplinäre Sichtweisen werfen interdisziplinäre wissenschaftliche Fragestellungen auf und eröffnen neue Forschungswege. Diesem Anspruch will der vorliegende Sammelband gerecht werden. Durch die Überschneidung der Disziplinen lassen sich Problembereiche der «Sprachen und Kulturen und ihre Interaktion» darstellen, welche die Komplexität der modernen Gesellschaften reflektieren und zu höheren Abstraktionsebenen führen. Die Beiträge beschäftigen sich mit linguistischen Themenbereichen im deutsch-griechischen und anderen Kontexten, Pragmalinguistik, fremdsprachlicher und Multiliteralitätsdidaktik, translatorischen Fragen sowie mit Interkulturalität und Spannungsfeldern v.a. deutsch-griechischer Divergenzen aufgrund der aktuellen politischen Lage.

Details

Seiten
395
ISBN (PDF)
9783653036589
ISBN (ePUB)
9783653988536
ISBN (MOBI)
9783653988529
ISBN (Buch)
9783631648001
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (September)
Schlagworte
Kulturwissenschaften Fremdsprachendidaktik Pragmalinguistik Literaturwissenschaft
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 395 S.

Biographische Angaben

Nikolaos Katsaounis (Band-Herausgeber:in) Renate Sidiropoulou (Band-Herausgeber:in)

Nikolaos Katsaounis ist Sprachwissenschaftler. Er forscht und lehrt in den Gebieten Angewandte Linguistik, Semantik, Kognition und Neue Medien im Bildungswesen an der Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie an der Aristoteles Universität Thessaloniki. Renate M. Sidiropoulou ist Historikerin und beschäftigt sich mit Interkulturalität und Fremdsprachendidaktik an der Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie an der Aristoteles Universität Thessaloniki.

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Titel: Sprachen und Kulturen in Inter(Aktion)