Lade Inhalt...

Die Amazone

Geschlecht und Herrschaft in deutschsprachigen Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen (1670–1766)

von Jennifer Villarama (Autor:in)
Dissertation 398 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Untersuchungsgegenstand, Fragestellung und Ziele
  • 1.2 Untersuchungszeitraum
  • 1.3 Forschungsstand
  • 1.4 Textkorpus
  • 1.5 Methodische und theoretische Überlegungen
  • 1.5.1 Methode der Textinterpretation
  • 1.5.2 Intertextualität
  • 1.5.3 Affekte im Roman und in (musik-)dramatischen Texten der Frühen Neuzeit
  • 1.5.4 Amazonen und ‚Geschlecht‘
  • 1.6 Aufbau der Arbeit
  • 2 Antike Amazonen-Mythen und ihre Rezeption in der Frühen Neuzeit
  • 2.1 Zentrale Mythologeme und antike Amazonen-Figuren
  • 2.2 Amazonen-Figuren in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
  • 2.3 Die Amazonen-Figur als Mittel zur Herrschaftsinszenierung im höfischen Kontext
  • 2.3.1 Amazonen in der höfischen Festkultur: Männer als Amazonen
  • 2.3.2 Die Amazone als Leit- und Idealbild für hochadlige Damen
  • 3 Amazonen im Roman
  • 3.1 Zur „nuetzliche[n] lehre und liebe zur tugend“: Der Romandiskurs im 17. Jahrhundert
  • 3.2 Homoerotik durch Cross-Dressing in Gautier de Costes Sieur de La Calprenèdes Cassandre (1642-1645)
  • 3.2.1 La Calprenèdes Roman Cassandre als Inspirations- und Übersetzungsvorlage
  • 3.2.2 Zur „Gemueths=Ergoetzung“ und „Lust zur ehelichen Liebe“: Christoph Kormarts Statira. Die Übersetzung der Cassandre ins Deutsche
  • 3.2.3 Von „praechtiger“ Schönheit und „natuerliche[r] Grausamkeit“: Talestris, Königin der Amazonen
  • 3.2.4 Zwischen Pflicht und Neigung: Liebe als Problem für Amazonen
  • 3.2.5 Orontes als Amazone: Cross-Dressing aus Liebe
  • 3.2.6 Die Läuterung der Amazone
  • 3.2.7 Die Amazone − ein Vorbild für junge Damen?
  • 3.3 Die exotische und erotische Amazone am Beispiel von Christian Wilhelm Hagdorns Æyquan, oder der große Mogol (1670)
  • 3.3.1 Zwischen Übersetzung und Originalroman
  • 3.3.2 Mit europäischem Blick auf das Fremde: Hagdorns asiatische Amazonen
  • 3.3.3 Exotisch und erotisch: Die Funktionalisierung der Amazone bei Hagdorn
  • 3.3.4 Das Eigene trotz Nachahmung: Hagdorns Akzentverschiebungen im Æyquan
  • 3.4 Die Amazone als regierungs(un)fähige Herrscherin? Joachim Meiers Die Amazonische Smyrna (1705)
  • 3.4.1 Der verschlüsselte Roman
  • 3.4.2 Frauen auf den Thron? Frühneuzeitliche Debatten über die Gynäkokratie
  • 3.4.3 Myrina, Königin der Amazonen: ‚Weiberherrschaft‘ und Amazonen-Ehe
  • 3.4.4 Wider die „Liebe nach Amazonischer Art“: Smyrna, die ungehorsame Tochter
  • 3.4.5 Amazonen auf den Thron? Weibliche Herrschaft in Meiers Roman Smyrna
  • 4 Amazonen in der Oper
  • 4.1 Amazonen-Figuren in der Oper der Frühen Neuzeit
  • 4.1.1 Die frühe ‚deutsche’ Oper
  • 4.1.2 Die Parallelisierung von Oper und Roman: Debatten über die Oper in der Frühen Neuzeit
  • 4.2 Die manipulative und intrigante Amazone in Stefano Pallavicinis Antiope (1689), Hercules (1714) und Friedrich Christian Bressands Hercules unter denen Amazonen (1693, 1694)
  • 4.2.1 Antiope, die manipulative Amazonenkönigin in den Opernlibretti Antiope und Hercules
  • 4.2.2 Antiope als eifersüchtige und intrigante Amazonenkönigin in Hercules unter denen Amazonen
  • 4.2.3 Gefährliche Liebschaften
  • 4.2.4 Die Intrige der Amazonenkönigin
  • 4.2.5 Besiegt und gleichgestellt?
  • 4.3 Verhöhnung einer alten Amazone in Heinrich Anshelm von Zigler und Kliphausens Die Lybische Talestris (1696, 1698) und deren Adaptionen
  • 4.3.1 Zigler als Librettist der Lybischen Talestris
  • 4.3.2 „Graue Liebe taug nicht viel“? Verliebte Alte in Die Lybische Talestris und ihren Bearbeitungen
  • 4.3.3 Vom Idealbild zur alten Vettel: Rixane, die betagte Amazone
  • 4.4 Von der Selbststilisierung zum Herrscherinnenlob: Die Oper Talestri (1763) der Maria Antonia Walpurgis von Sachsen und das Trauerspiel Thalestris, Koeniginn der Amazonen (1766) von Johann Christoph Gottsched
  • 4.4.1 Die „vernünftige Tugend des Menschen“ − das Leitmotiv in Gottscheds Trauerspielkonzeption
  • 4.4.2 Gottscheds Amazonen-Republik in Die vernünftigen Tadlerinnen
  • 4.4.3 Maria Antonia Walpurgis von Sachsen als femme savante und Politikerin
  • 4.4.4 Maria Antonia als Amazonenkönigin Talestri im Kontext ihrer Zeit
  • 4.4.5 Gottscheds Trauerspiel Thalestris: Die Adaption des Operntextes
  • 4.4.6 Die Tragödie Thalestris: Differenzen und Gemeinsamkeiten zum Librettotext
  • 4.4.7 Gottscheds aussagekräftige Akzentverschiebungen
  • 4.4.8 Nur aus „unverbruechliche[r] Bewunderung“? Mögliche Gründe für Gottscheds Bearbeitung des Operntextes
  • 4.4.9 Die femme forte in der Aufklärung: Ein obsoletes Weiblichkeitsideal?
  • 5 Zusammenfassung und Ausblick
  • 6 Literaturverzeichnis
  • 6.1 Quellen
  • 6.2 Forschungsliteratur
  • 6.3 Handbücher, Lexika, Bibliographien
  • 6.4 Abbildungsverzeichnis
  • 7 Anhang
  • 7.1 Übersicht: Analysierte Werke mit Angaben zu WidmungsempfängerInnen, zum Aufführungsort, zum Aufführungsjahr, zu Anlässen und zu erwähnten Figuren
  • 7.2 Übersicht: Weitere Werke mit Angaben zu WidmungsempfängerInnen, zum Aufführungsort, zum Aufführungsjahr, zu Anlässen und zu erwähnten Figuren
  • 8 Index
  • Reihenübersicht

1Einleitung

1.1Untersuchungsgegenstand, Fragestellung und Ziele

Im Jahr 1717 ließ Markgräfin Sophie von Brandenburg-Bayreuth (1684-1752) anlässlich des 39. Geburtstags ihres Ehemannes Georg Wilhelm (1678-1726) die deutschsprachige Oper Talestris1 am Bayreuther Hof aufführen. In einer Szene bewundert die Figur des Orontes ein Porträt der Amazonenkönigin Talestris im Hause seines Gastgebers Arasbes. Dieser klärt den unwissenden Prinzen über das Volk der Kriegerinnen auf:

„Ihr Regiment besteht aus lauter Weiber Bildern/
Die sich von Jugend auf in Waffen ueben/
Sind Feind dem Maennlichen Geschlechte/
Beschuetzer= und Erhalterinen ihrer Rechte.
Und halten nichts aufs Lieben.
Sie fuehren schwere Kriege/
Mit großem Glueck und Siege.
Doch/ daß sie auch ihr Reich mit Nachdruck unterstuetzen;
So lassen sie sich nur ein eintzigmahl des Jahrs im Streit/
Mit denen Liebes Schuetzen.
Und wann alsdann die Zeit
Mit einer Tochter sie erfreut;
So wird sie bey erreichten Jahren/
Dem Kriegs=Heere einverleibt;
Allein/ so bald sie nur erfahren/
Daß sie ein Knaebelein empfangen/
Sobald ist auch ihr eintziges Verlangen/
Wie man diß Kind/ nach dems die Welt erblickt/
So gleich in seinem Blut und erstem Bad erstickt. […].“2

Diese Beschreibung der kriegerischen, männerfeindlichen, Knaben mordenden Frauen, welche sich nur einmal im Jahr ausschließlich zur Kinderzeugung mit dem männlichen Geschlecht einlassen, gehört zu den wesentlichen ← 11 | 12 → Mythologemen,3 die mit den Amazonen aus antiken Überlieferungen in Verbindung gebracht werden. Dabei ist die durch Mythen4 geprägte Vorstellung von den wehrhaften, als brutal,5 keusch, sexuell anziehend, Männerkleidung tragend,6 androgyn7 und einbrüstig geltenden Frauen besonders auf Dichter und Historiographen wie Homer, Herodot, Diodorus, Justinus und Curtius Rufus zurückzuführen.8

Es ist offensichtlich: Amazonen stellen die männliche Herrschaft und „Macht der männlichen Ordnung“,9 die vermeintlich keiner Rechtfertigung bedarf,10 dezidiert in Frage. Als Sinnbild für starke und unabhängige Frauen, die keinesfalls gedenken, sich den Männern unterzuordnen, diese sogar bekämpfen, repräsentieren11 sie durch ihre im Kampf verteidigte Autarkie die ‚verkehrte Welt‘ par exellence – eine Vorstellung, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Mit Darstellungen von Amazonen und ihren Kämpfen gegen Helden der griechischen Antike (Amazonomachien) werden in der Literatur und bildenden Kunst durch die Epochen hindurch Motive von Eros und Kampf miteinander verknüpft,12 Transgressionen des weiblichen Geschlechts thematisiert,13 die Geschlechterordnung unterschiedlicher Zeiträume verhandelt und zugleich Fragen nach Geschlechterrollen und -verhältnissen gestellt. Dabei fungiert die Figur der Amazone, deren Imagina ← 12 | 13 → tion „zwischen Wunsch- und Schreckbild“14 oszilliert, über die Jahrhunderte hinweg zum einen als Leit- und Idealbild, gar Präfiguration,15 zum anderen jedoch auch als bedrohlicher, furchterregender Weiblichkeitsentwurf.16 Dies verdeutlichen Dichter und Kunstwerke der Antike17 sowie ihre inspirierende Wirkung auf die Kunst und Literatur des Mittelalters,18 der Frühen Neuzeit (16.-18. Jahrhundert),19 des 19. Jahrhunderts20 bis zur Gegenwart.21 Frühneuzeitliche Amazonen-Stilisierungen aus repräsentativen und machtpolitischen Gründen, aber auch popkulturelle Figuren wie Lara Croft, waffenkundige ← 13 | 14 → Heldin der Tomb Raider-Computerserie und -Filme oder Xena, Kriegerin und Titelfigur einer gleichnamigen US-amerikanischen Fernsehserie, sind als vormoderne und moderne Adaptionen der mythischen Amazonen unverkennbar.22

Das Interesse an den Kriegerinnen aus den antiken Mythen und ihre Vorbildfunktion für reale Frauen oder fiktive Figuren sind ungebrochen.23 Ausstellungen wie Amazonen. Geheimnisvolle Kriegerinnen, die von September 2010 bis Februar 2011 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer stattfand und die Amazonen-Thematik vom Altertum über das Mittelalter bis in die Gegenwart beleuchtete, oder Griechen – Skythen – Amazonen von Juni bis Oktober 2007 im Pergamonmuseum in Berlin,24 Wiederaufführungen von Amazonen-Opern sowohl des 20. als auch des 17. und 18. Jahrhunderts wie Penthesilea 2011 in Frankfurt am Main, Die Lybische Talestris 2010 in Bad Lauchstädt, L’Antiope im Jahr 2000 in Dresden und Talestri 1998 in München und Neuburg an der Donau25 sowie neuere Publikationen aus der Altertums- und Literaturwissenschaft26 bestätigen nicht nur die anhaltende Popularität der mythischen Kriegerinnen, sondern ebenso das bleibende Forschungsinteresse an ihnen.

Auch diese Studie richtet ihren Fokus auf die Amazonen und nimmt sich eines noch unzureichend erforschten Gegenstandes der Germanistik an: der Rezeption von Amazonen-Mythen und der variantenreichen Produktion des Amazonen-Stoffs im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit. Diese „Ar ← 14 | 15 → beit am Mythos“27 soll in Texten der höfischen Repräsentationskultur am Beispiel von höfisch-historischen Romanen, Opernlibretti28 und Sprechdramen29 des 17. und 18. Jahrhunderts untersucht werden, um Variationen und Beständigkeiten von Mythologemen und Handlungselementen zu verdeutlichen.

Den Begriff ‚Mythos‘ definitiv klären zu wollen, wäre eine über den Rahmen dieser Studie hinaus gehende Aufgabe. Zudem eine müßige, ist man sich in der Forschung schließlich darüber einig, keine eindeutige, konsensfähige und verbindliche Begriffsbestimmung darüber geben zu können, was unter einem ‚Mythos‘ zu verstehen ist.30 Aus diesem Grunde scheint es sinnvoller zu sein, mehrere Mythos-Begriffe voneinander zu unterscheiden, wie es Aleida und Jan Assmann in ihrem Artikel Mythos31 vorschlagen. Sie differenzieren sieben Mythos-Begriffe (M1-M7) voneinander: M1 als „polemischer Begriff“ im Sinne einer „De-Mythisierung“; M2 im Sinne einer Ent-Mythologisierung; M3 als „funktionalistischer Begriff“, der „Mythos als einen kulturellen Leistungswert [definiert]“; M4 im Sinne eines „Alltags-Mythos“, der „mentalitätsspezifische Leitbilder [beschreibt], die kollektives Handeln und Erleben prägen“, beispielsweise den Mythos vom ‚American Dream‘ oder jenen vom ‚Wiener Kaffeehaus‘; M5 als „narrativer Begriff“, der „eine integrale Erzählung mit den strukturierenden Konstituenten von Anfang, Mitte und Ende ← 15 | 16 → [bezeichnet]; M6 als „literarische Mythen“, die sich vor allem „auf die europäische Mythentradition [Stoffe der antiken und mittelalterlichen Mythologien] und deren Bedeutung für die abendländische Schriftkultur [beziehen]“ sowie M7 im Sinne von „Ideologien“ und „Große[n] Erzählungen.“32

In dieser literaturwissenschaftlichen Studie lehnen sich Verständnis und Verwendung des Mythos-Begriffs an die Erläuterungen von Aleida und Jan Assman zu literarischen Mythen (M6) an sowie an die angebotenen Begriffsbestimmungen von Hans Blumenberg, Claude Lévi-Strauss und Renate Kroll. So sind Mythen für Blumenberg „Geschichten von hochgradiger Beständigkeit ihres narrativen Kerns und ebenso ausgeprägter marginaler Variationsfähigkeit.“33 Für Lévi-Strauss haben Mythen als Erzählungen zudem etwas inhärent Ereignishaftes und sind darüber hinaus von einer Dauerstruktur geprägt: „Ein Mythos bezieht sich immer auf vergangene Ereignisse: ‚Vor der Erschaffung der Welt‘ oder ‚in ganz frühen Zeiten‘ oder jedenfalls ‚vor langer Zeit‘. Aber der dem Mythos beigelegte innere Wert stammt daher, daß diese Ereignisse, die sich ja zu einem bestimmten Zeitpunkt abgespielt haben, gleichzeitig eine Dauerstruktur bilden. Diese bezieht sich gleichzeitig auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“34 Demgemäß stellt der Mythos für Kroll als Erzählung „modellhaft ein Konzept bereit […] für das Verhältnis des Menschen zur Welt, zu der Gesellschaft, in der er lebt.“ Mythen seien daher „Antworten auf historische Erfahrungen.“35

Im Hinblick auf die produktive Rezeption von Amazonen-Mythen hat man sich in der Germanistik – wie an späterer Stelle näher gezeigt werden wird – bisher stärker auf den Amazonen-Stoff im Mittelalter und auf Amazonen-Figuren in der Literatur um 1800 (Goethe, Schiller, Kleist) konzentriert. Forschungsbeiträge über die mythischen Kriegerinnen-Figuren in frühneuzeitlichen Texten liegen zwar vor, doch wird das Thema in der Regel nur punktuell in Aufsätzen oder Kapiteln in wenigen Monographien aufgegriffen.36 ← 16 | 17 → Obwohl diese die Darstellung der Amazone in der Oper, im Trauerspiel oder im Roman durchaus behandeln, werden gerade intertextuelle Bezüge zwischen musikdramatischen37 und epischen Texten nicht näher untersucht. Eine Ausnahme ist Elisabeth Frenzels Aufsatz H. A. von Zigler als Opernlibrettist. Die lybische Talestris – Stoff, Textgeschichte, literarische Varianten aus dem Jahr 1968, in dem sie die Stoffgeschichte der frühneuzeitlichen Amazonen-Oper Die Lybische Talestris38 und deren Bearbeitung im Sprechdrama und im Roman detailliert vor Augen führt.39 Eine größer angelegte Einzelstudie mit der Gegenüberstellung von Romanen, Operntexten und Sprechdramen in Bezug auf ihre wechselseitigen Einflüsse, Äquivalenzen und Interferenzen, die nicht allein auf den Stoff einer mythologischen Amazonen-Figur fokussiert ist und zugleich den sozial- und kulturhistorischen Entstehungskontext der literarischen Werke in den Blick nimmt, steht allerdings noch aus. Dabei sollen die musikdramatischen Texte auch auf ihre Aufführungskontexte und AdressatInnen hin untersucht werden, die für die Analyse der Werke von wichtiger Bedeutung sind, denn Inszenierungen am Hof, wie etwa die Aufführung von Opern, waren casualgebunden40 und dienten im höchsten Maße der representatio maiestatis,41 der herrschaftlichen Demonstration von Größe und Macht.42 Mit der Absicht, das Spektrum der bisherigen Untersuchungen über die literarische Bearbeitung des Amazonen-Motivs in der Germanistik zu erweitern, möchte die vorliegende Studie mit einer erstmals erfolgenden, umfassenden Analyse von bislang nur wenig berücksichtigten, nicht edierten Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen aus der Zeit von 1670 bis 1766, in denen explizit auf antike Amazonen-Figuren und -Mythen rekurriert wird, ← 17 | 18 → einen Beitrag dazu leisten, die Forschungslücke zwischen den Untersuchungen zur Amazonen-Darstellung im Mittelalter und des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zu schließen.

Dabei ist die Frage, aus welchen Gründen in der Frühen Neuzeit auf das antike Amazonen-Bild43 zurückgegriffen wurde, von zentraler Bedeutung. Welche Mythologeme wurden aus den antiken Mythen selektiert und variiert, um die Figur der Amazone in der frühneuzeitlichen Literatur zu konzipieren? Welche mythologischen Amazonen-Figuren waren in der Frühen Neuzeit bekannt und sogar populärer als die heute noch präsente Amazonenkönigin Penthesilea? Neben der Gegenüberstellung von Romanen und (musik-) dramatischen Texten im Hinblick auf ihre intertextuellen Bezüge verfolgt diese Arbeit noch weitere Ziele:

a)Ein wesentliches Ziel der Untersuchung ist es herauszuarbeiten, in welcher Weise verschiedene und untereinander sehr heterogene Weiblichkeitsentwürfe, die vom Ideal der „femme forte (oder Amazone)“44 bis hin zum misogynen Entwurf der alten Vettel reichen, aber auch Debatten innerhalb der Querelle des Femmes45 wie jene über die Geschlechterordnung generell, die weibliche Regierungs(un)fähigkeit im Speziellen oder Berichte über die Entdeckung ferner Länder und Kulturen die Darstellung der Amazone in der deutschen Literatur des Barock bis in die Aufklärung hinein beeinflusst haben. Es soll die „Verbindung von werkimmanenten Positionen mit zeit ← 18 | 19 → genössischen Denkmodellen und Debatten“46 aufgezeigt werden, wie dies beispielsweise Cornelia Plume in ihrer Arbeit zu Weiblichkeitsprojektionen in Romanen und Dramen Lohensteins oder Corinna Herr in ihrer Studie zur mythologischen Figur der Medea in Opern des 17. und 18. Jahrhunderts47 als methodischen Ansatz ihrer Untersuchung gewählt haben.

b)Die Frage nach der Amazonen-Darstellung ist zudem an das Ziel geknüpft, unterschiedliche Funktionsmöglichkeiten im Sinne von multifunktionalen Zwecken48 aufzuzeigen, denen die Figur der Amazone in Texten der frühneuzeitlichen Hofkultur dienen konnte. In Bezug auf die Funktionalisierung der Amazonen-Figur ist der Begriff der Funktion zunächst in seiner allgemeinen Bedeutung als Zweckbestimmheit bzw. Zweckgerichtetheit49 gemeint. Im Hinblick auf den „postulierten Endzweck“50, der mit der mythischen Kriegerinnen-Figur in den hier ausgewählten Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen verfolgt wurde, wird jedoch auch ein spezifischer Aspekt des Begiffs Funktion in der Literaturwissenschaft mitberücksichtigt: die AutorInnen-Intention.51 Vor dem Hintergrund, dass die zugesprochene Wirkungsabsicht eines Autors bzw. einer Autorin trotz der Berücksichtigung gesellschaftlich-kultureller Kontexte und werkimmanenter Aspekte nur spekulativ bleiben kann, wird hier unter Intention eine „auf der Basis gegebener Informationen als ‚nicht unmöglich‘ rekonstruierbare Absicht des Autors“52 resp. der Autorin verstanden. Allerdings scheint es am Beispiel von Opernlibretti, die – wie die eingangs zitierte Oper Talestris – nicht selten Auftragsarbeiten waren, sinnvoll zu sein, in diesen Fällen weniger von einer subjektbezogenen AutorInnen-Intention, sondern allgemeiner von einer ‚Text-Intention‘ zu sprechen. Es ist zu bedenken, dass die zu casusgebundenen Feierlichkeiten am Hof (Geburtstage, Hochzeiten, Taufen, etc.) aufgeführten Opern als Huldigungsarbeiten für bestimmte DedikationsadressatInnen fungierten und eine Interpretation der LibrettistInnen-Intention immer auch in Bezug auf die Wirkungsaussage zu sehen ist, die dem bzw. der Auftraggebenden entgegenkam und ihn resp. sie zufrieden stellte.

Wenn es folglich darum geht, die Funktionalisierung der Amazonen-Figur in Texten der frühneuzeitlichen Hofkultur zu interpretieren, hat die da ← 19 | 20 → ran anknüpfende Funktions- und Bedeutungszuweisung hypothetischen Charakter. Im Sinne Winfried Flucks wird der Funktions-Begriff somit heuristisch angewendet:

„Man kann davon ausgehen, dass der literarische Interpretationsgegenstand überhaupt erst durch eine Funktionshypothese konstituiert wird, egal ob das bewusst oder unbewusst geschieht. Damit ist auch gesagt, dass der Begriff Funktion […] vor allem als hermeneutische Kategorie interessiert: Er soll nicht eine ‚reale‘ historische Wirkung bezeichnen, sondern soll hier als Begriff für jene – expliziten oder impliziten, gewollten oder ungewollten – Vorannahmen über den literarischen Gegenstand gebraucht werden, durch die wir in der Interpretation einen Zusammenhang zwischen sprachlichen Zeichen stiften (und ihnen damit Bedeutung und Funktion zuweisen). Der Funktionsbegriff ist insofern heuristischer Art.“53

c)Die Studie möchte mit dem ausgesuchten Quellenkorpus die Parallelen von Romanen und (musik-)dramatischen Texten exemplarisch bestätigen. Ein Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es daher, die Gemeinsamkeiten nicht allein im Rekurs auf den Amazonen-Stoff und spezifische Amazonen-Figuren zu sehen, sondern auch im Hinblick auf Ähnlichkeiten in der Opern- und Romankritik sowie die gemeinsame didaktisch-belehrende Funktion herauszuarbeiten. Der horazischen Forderung „aut prodesse volunt aut delectare poetae [/] aut simul et iucunda et idonae dicere vitae“54 gemäß, wurden daher nicht nur höfisch-historische Romane „als unterhaltsame Belehrung oder auch belehrende Unterhaltung für ein adliges Publikum, und dabei insbesondere die jungen Adligen“55 verfasst. Auch das Opernlibretto als eine dramatische Gattung,56 in dem „die Fehler und Laster der Menschen“57 vor Augen geführt werden und die somit der „nuetzliche[n] Anweisung zur Tugend“58 dient, zielt mit der „lehre von gueten sitten vnd ehrbaren wandel“59 sowie der „harte[n] verweisung der laster vnd anmahnung zue tugend“60 auf eine zugleich unterhaltende und moralisch-belehrende Wirkung.61 ← 20 | 21 →

d)Als letztes nimmt diese Arbeit mit der Berücksichtigung von Operntexten eine literarische Gattung verstärkt in den Blick, welcher in der Germanistik immer noch zu wenig Beachtung geschenkt wird. Gründe, weshalb sich GermanistInnen bislang nur wenig mit Libretti befasst haben, liegen nicht zuletzt an Einschätzungen wie die Gero von Wilperts, der das Libretto „gänzlich dem Gesang untergeordnet“ sieht und es als „lit[erarisch] anspruchsloses Machwerk“ bezeichnet, „das nur der Musik sein Bestehen und Fortleben verdankt.“62 Dieser vorurteilsbehaftete Ruf eilt dem Operntext als Gattung immer noch voraus, obwohl bereits 1933 von Willi Flemming eine grundlegend revidierende und anknüpfungswürdige Arbeit zur Oper erschienen ist.63 Auch weitere einschlägige literatur- und musikwissenschaftliche Arbeiten widersprechen dezidiert den Vorbehalten, Libretti seien lediglich „literarische Ausnahmeerscheinungen, die in einem ‚Niemandsland‘ zwischen Sprech- und Musiktheater angesiedelt“ sind und „allein der Musik als Vehikel“64 dienen. Hier wird eindeutig hervorgehoben, dass Opernlibretti seit ihrer Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert „als vollwertige poetische Texte, nicht als bloßer Anlaß für Musik“65 anzusehen sind, ja der Operntext als „eigenständige[s] literarische[s] Werk[…], das auch ohne Musik gelesen werden sollte“66 sogar in manchen Fällen „als Sprechdrama realisiert worden ist.“67 Gleichwohl scheinen Opernlibretti gerade in der Literaturwissenschaft immer noch „als unbekannte literarische Größe“68 zu gelten, da man erst in den letzten Jahren eine stärkere „textbezogene Beschäftigung mit dem Libretto“69 feststellen kann, wie jüngst erschienene Arbeiten zeigen, die im Rahmen der Germanistik bzw. der German Studies entstanden sind.70 ← 21 | 22 →

1.2Untersuchungszeitraum

Neben den oben erläuterten Forschungsdesiderata seien noch weitere kultur-, literatur- und geschlechterhistorische Aspekte zum Untersuchungszeitraum genannt, die diese Studie motivieren. Am Anfang des hier gewählten Zeitraums steht Gautier de Costes Sieur de La Calprenèdes fünfbändiger Roman Cassandre (1642-1645) und dessen deutsche Übersetzung durch Christoph Kormart mit dem Titel Statira oder Cassandra (1685-1688). Der Zeitraum endet mit Johann Christoph Gottscheds Trauerspiel Thalestris, Koeniginn der Amazonen (1766), eine Bearbeitung des italienisch-deutschen Opernlibrettos Talestri(s) der sächsischen Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen aus dem Jahr 1763.

Kulturhistorisch betrachtet ist dieser zeitliche Rahmen zwischen den 1640er-Jahren bis 1766 in eine Phase gebettet, die von der Verbreitung der Amazonen-Thematik in ganz Europa geprägt war, ihren Höhepunkt im 16. und 17. Jahrhundert erreichte und bis zu späten Ausläufern im 18. Jahrhundert beobachtet werden kann. Beispielhaft hierfür stehen Amazonen-Gemälde von Peter Paul Rubens (1577-1640) und Claude Deruet (1588-1660),71 Porträts der ledigen Königinnen Elisabeth I. von England (1533-1603) und Christina von Schweden (1626-1689) als Amazonen72 sowie die Bezeichnung Isabellas von Spanien (1566-1633) als ‚Königin der Bogenschützen‘ (‚la Reine du Grand Serment‘), die durch ihre Waffenfertigkeit unmittelbar mit den Amazonen in Verbindung gebracht wurde.73 Als „Frau in Waffen“74 wurde bereits die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc (1412-1431) im 15. Jahrhundert mit den Kriegerinnen aus den antiken Mythen verknüpft.75 So handelte Jeanne, die sich selbst als ‚la Pucelle‘ (die Jungfrau) bezeichnete und deren Zeitgenossen ihr deshalb besondere Kräfte zusprachen,76 angeblich im göttlichen Auftrag, als sie im Hundertjährigen Krieg in männlicher Kleidung die französischen Truppen gegen die verfeindeten Engländer anführte, um schließlich den Sieg Frankreichs zu erringen. Historisch belegte Berichte über als Soldaten und Matrosen verkleidete Frauen (den ‚Amazonen‘ beim ← 22 | 23 → Militär und auf See),77 rebellische und bewaffnete Frauen in süddeutschen Aufständen78 und in der Französischen Revolution79 sowie literarische Figuren in der deutschen, englischen, französischen und spanischen Literatur, die sich durch ihr kriegerisches und tapferes Handeln als ‚Amazonen‘ erweisen,80 können als weitere Beispiele für den auffällig starken Rekurs auf die mythischen Kriegerinnen in der Frühen Neuzeit angeführt werden.

Hinsichtlich der hier ausgesuchten Texte verdeutlichen die genannten Beispiele die Möglichkeit, mit der Figur der Amazone das Ideenkonstrukt der ‚schwachen Frau‘ zu durchkreuzen. Der Reiz des Rückgriffs auf die Amazone als wehrhafte und eigenmächtig handelnde Frau liegt demnach darin, als Gegenmodell zur anthropologisch begründeten Vorstellung der ‚schwachen‘ Frau zu fungieren. Das in der Frühen Neuzeit tradierte, auf antike Naturlehren ← 23 | 24 → (Galenos, Aristoteles) zurückgehende andronormative81 Konzept, nach dem der ‚aktiv-starke‘ Mann als Maßstab des Menschen betrachtet wurde und die ‚passiv-schwache‘82, gar phlegmatische83, im Gegensatz zum Mann folglich langsamer denkende und handelnde, schwermütige Frau, die als defizitäres Spiegelbild zum männlichen Geschlecht galt, konnte mit dem Entwurf der aktiven, körperlich und geistig ‚starken‘ Amazone durchbrochen werden. Das Textkorpus dieser Studie ist folglich in einer Zeit entstanden, in der die Geschlechtergrenzen noch nicht festgefügt, sondern durchlässiger waren. Der Frau wurden keine eigenen, individuellen Attribute zugesprochen; biologisch und physiologisch war sie „lediglich Derivat zum Manne“84 und somit „ein durch Mangel an Männlichkeit definiertes Wesen.“85 Diese konstruierte, ausschließlich am Mann orientierte Anthropologie ist durch Stephen Greenblatt ← 24 | 25 → als „Konzept der teleologischen Männlichkeit“86 oder als „Ein-Geschlecht-Modell“87 (one sex model) durch Thomas Laqueur bekannt. Letzterer ist mit seinen Thesen und Quellenbelegen zur Dominanz des Ein-Geschlecht-Modells bis zum 18. Jahrhundert und mit seinen Begründungen für den Wandel hin zum Zwei-Geschlechter-Modell allerdings stark in die Kritik geraten.88

Dabei war es einer Frau aber durchaus möglich, die erstrebenswerte Männlichkeit und somit volle Menschlichkeit zu erreichen.89 Dies wird zunächst am Idealtypus der virago erkennbar, der aus dem Mittelalter und der Renaissance bekannten „über allen ‚weiblichen‘ Frauen stehende[n] ‚Mann(Jung)Frau‘.“90 Diesem Leitbild der heldenhaften Jungfrau (virgo), die ihre ‚weibliche‘ Schwäche überwunden hat, sich durch ‚männliche‘ Tapferkeit und Mut auszeichnet und durch ihre Tugend (virtus) ‚männlich‘ handelt,91 konnten jedoch nur wenige Frauen der Frühen Neuzeit entsprechen. Selbstbewusstsein, Courage, Intelligenz, hohe Bildung, körperliche und geistige Stärke – diese nun mit der virago verbundenen Eigenschaften galten als männlich. Glaubhaft repräsentiert wurde die weibliche Ehrenbezeichnung daher lediglich von Regentinnen oder weiblichen Gelehrten wie der ‚jungfräulichen‘ und kriegsbereiten Königin Elisabeth I. von England (1533-1603) oder der Niederländerin Anna ← 25 | 26 → Maria van Schurmann (1607-1678).92 Auch der Weiblichkeitsentwurf der femme forte aus dem 17. Jahrhundert, eine Weiterführung der virago aus der italienischen Renaissance,93 war nicht für jede Frau bestimmt. Denn das Ideal der „femme forte (oder Amazone)“,94 der starken, aktiven, kriegerischen und mutigen Frau, welches als Herrscherinnen-Typus im von Kriegen und Feldzügen gezeichneten Frankreich des Grand Siècle als Pendant zum männlichen Herrscher-Symbol des Heroen Herakles entstand,95 wurde von Anhängern der weiblichen Regierungsfähigkeit entworfen, die mit der Propagierung der ‚starken Frau‘ den Gegnern der weiblichen Herrschaft entgegentreten wollten.96 Aber auch der Typus der femme forte, der nicht allein die Amazone, sondern ebenso andere ‚starke Frauen‘ wie die mythologische Figur der Medea oder der Göttin Minerva (als römisches Pendant zur griechischen Göttin Pallas Athene), biblische Gestalten wie Judith und Salome oder historische Personen wie Königin Isabella von Kastilien (1451-1504) meint,97 verdeutlicht einmal mehr, dass sich das weibliche Geschlecht „an den männlichen, d. h. […] allgemeingültigen Werten […] [zu] orientieren und […] perfektionieren“98 hatte.

Indem die virago wie auch die femme forte männliche Vollkommenheit markieren, sich die fließenden Geschlechtergrenzen in der ‚männerähnlichen‘ Amazonen-Figur manifestieren, konnte die Figur der Amazone – den Figuren Judith, Minerva und Diana gleich99 – nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer als Mittel der Repräsentation attraktiv werden. Neben den stilisierenden Amazonen-Porträts der englischen und schwedischen Regentinnen ← 26 | 27 → wird dies durch den Auftritt der Herzogin von Medina100 bezeugt, welche zum Karneval 1639 in Neapel mit dreiundzwanzig anderen Damen einen Ball in Amazonenkleidern besuchte, sowie durch die Inszenierung Karls IX. von Frankreich (1550-1574) und Heinrichs von Guise (1550-1588), die mit Brüdern und Freunden 1572 anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten für Heinrich von Navarra (1553-1610) und Margarete von Valois (1553-1615) am Tag vor der Bartholomäusnacht als Amazonen auftraten.101 Aus geschlechterhistorischer Perspektive handelt es sich bei der Amazone demnach um eine Geschlechtergrenzen überschreitende Figur, mit der sich Männer und Frauen identifizieren konnten. Als Sinnbild einer Herrscherin und Kriegerin in Personalunion war sie für die Repräsentation von Macht, Mut, militärischem Können, Regierungs- und Handlungsfähigkeit für beide Geschlechter ideal: für bewaffnete Bürgerinnen etwa als Leitbild im Befreiungskampf von Inhaftierten oder im Kampf um das Waffenrecht;102 für Damen des Hochadels – und hier insbesondere für die Königinnen aus England und Schweden, denen laut der Lex Salica103 die Thronfolge verwehrt bleiben sollte, weshalb sie nur durch eigene Hausgesetze den Thron besteigen konnten – als Mittel einer selbstbewussten Demonstration weiblicher Herrschaft und somit Ebenbürtigkeit männlichen Regenten gegenüber. Adelige Männer, die insbesondere als Erstgeborene durch die Primogenitur104 resp. das männliche Erbrecht105 von ← 27 | 28 → Geburt an als Nachfolger des Vaters vorgesehen waren und für diese Rolle entsprechend vorbereitet wurden, konnten sich in der bereits in den antiken Mythen als ‚männerähnlich‘ beschriebenen Amazone wiedererkennen: einer zwar weiblichen Herrscher-Figur, der aber männlich codierte, kriegerische Attribute zugeordnet waren.

Aus literaturhistorischer Sicht konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf eine Zeitspanne, in der die Amazone als virago immer noch und ab dem Barock als imago106 der femme forte auch in der deutschen Literatur überaus präsent war. ‚Starke Frauen‘ mit amazonischen Attributen sind etwa bei Daniel Caspar von Lohenstein (1635-1683) oder August Bohse (1661-1742), ebenso unter seinem Pseudonym ‚Talander‘ bekannt, zu finden. Als literarische Vorlagen seiner femmes fortes dienten Lohenstein die Figur der Ménalippe aus Sieur de La Calprenèdes Roman Cleopâtre (1646-1657) sowie die Gestalten Aximaire und Felixiane aus Madeleine de Scudérys (1607-1701) Roman Ibrahim, ou l’Illustre Bassa (1641).107 Dabei werden die ‚starken Frauen‘ in Lohensteins posthum erschienenem Arminius (1689/90) aufgrund ihrer Tapferkeit als Amazonen bezeichnet oder bei Festumzügen als Amazonen stilisiert.108 Dennoch sind Lohensteins ‚Amazonen‘ „a priori keine Kriegerinnen.“109 Cornelia Plume betont ausdrücklich, dass seine Heroinen „ihre Fähigkeiten nie aus Kampfeslust oder um ihre Tapferkeit an sich zu beweisen [einsetzen], sondern immer nur in Ausnahmesituationen.“110 Diese wichtigen Kriterien unterscheiden Lohensteins Heldinnen von den mythischen Kriegerinnen; er greift zudem nicht auf mythologische Amazonen-Gestalten zurück.

In Bohses Roman Die Amazoninnen aus dem Kloster (1698) kämpfen hingegen Frauen eines Klosters als eine „neue Compagnie Amazoninnen“111 mit Pfeil und Bogen, Lanzen, Säbeln und „Heldenmuth[,] [der] nicht allein an das Maennliche Geschlechte gebunden/ sondern auch in einem weiblichen Hertze koenne gefunden werden“112 gegen feindliche Mauretanier. Bohses Verknüpfung von den jungfräulichen und misogamen Kriegerinnen aus den antiken Mythen mit den ebenfalls keuschen und männerlosen Klosterfrauen liegt dabei auf der Hand. Allerdings ist in dem gesamten Roman lediglich in dieser kurzen Episode von Amazonen die Rede; kriegerische Frauen kommen weder vor noch nach dieser Episode noch einmal im Handlungsverlauf vor. ← 28 | 29 → Für Bohse schien das Wort ‚Amazoninnen‘ daher lediglich als werbewirksamer Blickfang (eyecatcher) fungiert zu haben. Insofern kann man Florian Gelzer nur zustimmen, der darauf hinweist, dass es Bohse bei der Titelwahl seines Romans primär „auf die reißerische Kombination von ‚Amazone‘ und ‚Kloster‘ angekommen“113 sein musste. Da es sich auch bei Bohses Amazoninnen um keine aus den antiken Mythen entlehnten Figuren handelt, sich die vorliegende Studie jedoch aus methodischen Gründen auf diese konzentriert, werden weder Lohensteins Arminius noch Bohses Roman weiter berücksichtigt.

Die Wahl des Untersuchungszeitraums und der entsprechenden Quellen hat demnach einen unverkennbaren Grund: Es ist die Zeit, in der die mythologische Amazonen-Figur als femme forte durch La Calprenèdes französischen Roman Cassandre im deutschen Sprachraum eingeführt wird, durch Kormarts Übersetzung eine deutschsprachige Würdigung und tradierende Stütze erhält, ihre Rezeption bis um 1700 ihren Höhepunkt erlebt und schließlich in den 1760er-Jahren mit dem italienisch-deutschen Operntext der sächsischen Kurfürstin sowie Gottscheds deutschsprachigem Trauerspiel einen spätbarocken Rückgriff erfährt. Dabei findet der Weiblichkeitsentwurf der ‚starken Frau‘ in La Calprenèdes Figur der Amazonenkönigin Talestris ein sehr prominentes Beispiel. So wurde der Roman Cassandre, zu dessen wesentlichem Personal Talestris gehört, im deutschsprachigen Raum bis in das 18. Jahrhundert hinein rezipiert. Er stellt aufgrund seiner inspirierenden Wirkung auf andere Romane oder Opernlibretti eine wichtige Bezugsgröße in dieser Arbeit dar.114 Allerdings ist es kein zentrales Anliegen der Studie, dezidiert an einer Rezeptionsgeschichte der Cassandre bzw. an einer Stoffgeschichte der Talestris-Figur115 mitzuschreiben. Wie noch zu sehen sein wird, sind in der Frühen Neuzeit neben Talestris auch andere Amazonen aus den antiken Mythen bekannt, die ebenfalls in die Untersuchung miteinbezogen werden.

Allein die oben aufgeführten Textbeispiele verdeutlichen die starke Orientierung am französischen Roman, dessen Stoffe, Motive und Figuren zur Nachahmung anregten. Besonders die Werke La Calprenèdes und de Scu ← 29 | 30 → dérys116 wurden rezipiert und dabei zu vorbildhaften Exempla.117 Der hier gewählte Untersuchungszeitraum bildet literaturhistorisch eine Zeit ab, in der die imitatio-Theorie als Lerntheorie immer noch von großer Bedeutung war.118 Die literarische Übersetzung als eine besondere Form der Nachahmung119 und Spielform der Intertextualität120 diente dabei nicht allein zur Schulung des Stils oder der Übernahme von Bildungsidealen und Lebensführungskonzepten (Höflichkeit, Geselligkeit und Konversation), sondern verhalf der deutschen Sprache dazu, sich als Literatursprache zu festigen.121 In diesem Kontext sind auch die Übersetzungen aus dem Französischen und Italienischen zu sehen, die die mythologische Amazone als femme forte übernommen und tradiert haben. Kormarts deutsche Übersetzung des französischen Romans Cassandre, Gottscheds Bearbeitung der italienisch-deutschen Talestri(s) der Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen sowie weitere deutschsprachige Libretto-Übersetzungen aus dem Italienischen können somit als Beispiele für den Einsatz und die Festigung der deutschen Sprache als Literatur- und Standardsprache betrachtet werden.122

1.3Forschungsstand

In Ergänzung zu den bereits in den vorangegangenen Abschnitten genannten Forschungsbeiträgen zur Amazonen-Thematik soll im Folgenden eine ausführlichere Darlegung der bisherigen Arbeiten aus den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen die Forschungslage in der Germanistik verdeutlichen.

Die variationsreichen Bearbeitungen des Amazonen-Motivs und somit vielfachen Rekurse auf die antiken Amazonen-Mythen in Kunst und Literatur haben zu vielfältigen Untersuchungen angeregt. So sind die in gynäkokratischen123 Verhältnissen lebenden Amazonen beispielsweise auf ihre Funktion in ← 30 | 31 → den antiken Überlieferungen, die Konstruktion des bzw. der Fremden als Spiegel- und Feindbild (Alteritäts- und Exotismusdiskurs in der Antike und in der Frühen Neuzeit), ihre Rolle als (angebliche) Städtegründerinnen in Kleinasien oder auf archäologische Bodenfunde (Kriegerinnengräber in Sauromatien, die Verortung der Amazonen u. a. in der Ukraine) hin untersucht worden.124 Aus der Mediävistik liegen einschlägige Untersuchungen zum mittelalterlichen Amazonen-Bild in der Literatur und Kartographie vor.125 Musikwissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass man sich im Hinblick auf die Frühe Neuzeit speziell mit der Figur der Amazone in der Oper befasst hat.126 Studien zur Amazone als femme forte verdeutlichen, wie sich Damen und Herren des Hochadels aus repräsentativen und machtpolitischen Gründen sowie nichtadelige Frauen im Kontext bürgerlicher Aufstände an der mythischen Kriegerinnen-Figur orientierten und sich mit ihr identifizierten.127 Auch die aktuelle Publikation Die Märkische Amazone. Kurfürstin Dorothea von Brandenburg128 (2012) des Historikers Heinrich Jobst Graf von Wintzingerode lässt aufgrund des Buchtitels eine (Selbst-)Stilisierung der Kurfürstin als amazonische femme forte vermuten. Allerdings erklärt die „überfällige Ehrenrettung“129 dieser „bedeutende[n] Herrscherinnengestalt unter den Hohenzollern“130 nicht eindeutig, was die brandenburgische Kurfürstin als Amazone auszeichnet. Von einer expliziten Identifikation mit der mythischen Kriegerinnen-Figur ist jedenfalls keine Rede. Man muss sich die möglichen Andeutungen131 selbst ← 31 | 32 → ‚herauslesen‘, so dass – wie bereits bei Bohses Amazoninnen-Roman aus dem 17. Jahrhundert – der starke Eindruck entsteht, als sei die Amazone im Titel auch hier nur aus werbewirksamen Gründen gewählt worden.

Zum Forschungsstand über das Vorkommen und die Konzeption von Amazonen-Figuren in der frühneuzeitlichen Literatur des deutschen Sprachraums lassen sich insgesamt zahlreiche Lücken und das Fehlen einer breit angelegten Studie konstatieren. Neuere Publikationen verdeutlichen dies eindrücklich. So fehlt selbst im Begleitband der von September 2010 bis Februar 2011 stattgefundenen Amazonen-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, der mit interdisziplinären Wissenschaftsbeiträgen zu Amazonen-Darstellungen von der Antike bis zur Gegenwart aufwarten kann, von den mythischen Kriegerinnen in der deutschsprachigen Literatur der Frühen Neuzeit jede Spur. Im Hinblick auf das 17. und 18 Jahrhundert hat man hier ausschließlich Amazonen-Darstellungen in der französischen Kunst und Literatur sowie aus musikwissenschaftlicher Sicht die italienische Amazonen-Oper Talestri der Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen berücksichtigt.132 Auch in dem 2010 von Udo Franke-Penski und Heinz-Peter Preußler herausgegebenen Sammelband Amazonen – Kriegerische Frauen ist kein Beitrag über Amazonen in frühneuzeitlichen Texten aus dem deutschen Sprachraum zu finden. Neben den Ausführungen der Altertumswissenschaftlerin Beate Wagner-Hasel zu Amazonen in den antiken Mythen liegt der Schwerpunkt eindeutig auf modernen Bearbeitungen der Amazonen-Thematik.133

Bisherige Untersuchungen in der germanistischen Forschung zeigen, dass man sich hauptsächlich auf die Bearbeitung des Amazonen-Motivs im Mittelalter und um 1800 bis zur Gegenwart konzentriert hat.134 Insbesondere Arbeiten zu Johann Wolfgang Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96), Friedrich Schillers Tragödie Die Jungfrau von Orleans (1801) und Heinrich von Kleists Trauerspiel Penthesilea (1808) berücksichtigen verschiedene Aspekte.135 Dabei werden im Wilhelm Meister die knabenhafte ← 32 | 33 → Mignon136 als auch die männlich gekleidete Nathalie als „schöne Amazone“137 sowie die „wahre Amazone“138 Therese in Jägerkleidung mit den mythischen Kriegerinnen in Verbindung gebracht.139 Als „eine der Prototypen der Amazone in der deutschsprachigen Literatur“140 ist ferner Schillers Protagonistin Johanna aus seinem Drama Die Jungfrau von Orleans (1801) bekannt, mit der er auf die Nationalheldin Frankreichs, die historische Jeanne d’Arc, rekurriert. Penthesilea, die aus den Sagen um den trojanischen Krieg bekannte, vom griechischen Helden Achilles zu Fall gebrachte Amazonenkönigin, in die er sich beim Anblick ihres Todes verliebt, gilt jedoch als wirkmächtigste Amazonen-Figur in der Literatur.141 Sie ist vor allem durch Kleists gleichnamiges Trauerspiel Penthesilea nicht nur GermanistInnen bis heute präsent geblieben. Ihr Bekanntheitsgrad geht dabei besonders auf entscheidende Veränderungen zurück, die Kleist an den antiken Überlieferungen vorgenommen hat. So nutzt er die Figur der Penthesilea, um sie als beängstigenden, irrationalen Weiblichkeitsentwurf darzustellen,142 indem die Amazonenkönigin in seiner Tragödie über ihren geliebten Herausforderer Achilles siegt, ihn mit ihren Hunden zerfleischt und sich aus Reue über ihre Tat am Ende selbst tötet.143

Im Vergleich zur Romanistik und Anglistik, wo bereits Monographien und zahlreiche Aufsätze zur Figur der Amazone in der frühneuzeitlichen Literatur, aber auch Untersuchungen über die Bedeutung und Leistung von Schriftstellerinnen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die als ‚Amazonen der Feder‘ bezeichnet wurden, vorliegen,144 befinden sich Forschungsbeiträge zur Amazone in der deutschen Literatur des 16.-18. Jahrhunderts noch in ihren Anfängen. Auch wenn schreibende ‚Amazonen‘ der deutschen Frühaufklärung untersucht ← 33 | 34 → worden sind,145 gibt es – wie bereits in Kapitel 1.1. erläutert wurde – insgesamt nur wenige ForscherInnen in der Germanistik resp. den German Studies, die sich bislang mit den mythischen Kriegerinnen in deutschsprachigen Texten der Frühen Neuzeit befasst haben. Obwohl diese Beispiele146 auf die Popularität des Amazonen-Themas in der vormodernen Literatur hinweisen, liegt eine Monographie über das Vorkommen und die Darstellung von Amazonen-Figuren in Opernlibretti, Sprechdramen und Romanen aus dem Barock bis in das 18. Jahrhundert bislang nicht vor. Die vorliegende Arbeit erschließt demnach das bisher nicht bearbeitete Forschungsfeld und ergänzt die bereits vorliegenden Untersuchungen zur Amazone in der mittelalterlichen Literatur bis zur Gegenwart.

1.4Textkorpus

Die methodologische Entscheidung, sich auf mythologische Amazonen-Figuren in Romanen, Operntextbüchern und Sprechdramen zu konzentrieren, legt bestimmte Kriterien und Prämissen für die Zusammenstellung des Textkorpus nahe. Zu diesen zählen,

a)in die Textauswahl primär Werke einzubeziehen, die im Titel den Namen bekannter Amazonen aus den antiken Mythen (z. B. Talestris, Antiope, Myrina, Smyrna oder Penthesilea) beinhalten. Zudem wurden Werke berücksichtigt, von denen aus der Forschungsliteratur hervorgeht, dass tradierte Amazonen-Figuren in den jeweiligen Texten behandelt werden bzw. dort dezidiert auf antike Amazonen-Mythen zurückgegriffen wurde. Eine erste Orientierung boten diesbezüglich die literaturwissenschaftlichen Forschungsbeiträge von Elisabeth Frenzel und musikwissenschaftliche Arbeiten zur frühen deutschen Oper.147

b)sowohl die von Wilhelm Voßkamp betonte „gattungstheoretische […] Parallelisie-rung“148 von Romanen und (musik-)dramatischen Texten im Hinblick auf „dramen- und romantheoretische[…] Bestimmungen“149 als auch die Parallelen zwischen Opern- und Romankritik150 beispielhaft zu bestätigen sowie gemeinsame Themen, historische und mythologische Stoffe ← 34 | 35 → oder einen identischen RezipientInnenkreis u. a. anhand der vorliegenden Quellenauswahl zu verdeutlichen.151

c)durch die Fokussierung auf höfisch-historische Romane, Opernlibretti und Sprechdramen auf Textbücher von Balletten zu verzichten, in denen Amazonen-Figuren vorkommen und die ebenso zur frühneuzeitlichen Hofkultur gehören. Zudem handelt es sich bei den Textpassagen zu den Amazonen-Auftritten meist nur um kurze Ballett-Szenen, die sich für eine nähere Textanalyse wenig anbieten. Für künftige Untersuchungen zu Amazonen im Ballett des 17. und 18. Jahrhunderts sei auf den Anhang (Kapitel 7.2) dieser Studie verwiesen. Dort sind in einer Übersicht recherchierte, aber hier nicht analysierte Werke mit Angaben zum Fundort, zum Aufführungskontext, zu DedikationsadressatInnen etc. aufgeführt.

d)Partituren ebenso nicht in das Textkorpus aufgenommen zu haben, da es sich bei der vorliegenden Arbeit explizit um eine literaturwissenschaftliche Studie handelt. Obwohl Opern aus Text und Musik bestehen, konzentriert sich die Untersuchung ausschließlich auf den dramatischen Text und somit auf das Libretto als Gegenstand der Literaturwissenschaft.

e)die Fokussierung auf einen einzigen Stoff zu verhindern. Zugunsten eines erweiterten Blickwinkels auf eine größere Zahl von Amazonen-Figuren und die variantenreiche Bearbeitung der verschiedenen Amazonen-Überlieferungen wurde beispielsweise darauf verzichtet, Christian Heinrich Postels (1658-1705) Opernlibretto Die Groß=Muethige Thalestris (1690) sowie den eingangs zitierten Bayreuther Operntext Talestris (1717) näher zu untersuchen.152

f)mit dem Textkorpus möglichst verschiedene Möglichkeiten der Funktionalisierung zu verdeutlichen, denen die Amazonen-Figur dienen konnte (z. B. Selbststilisierung, Homoerotik, Erotik, Manipulation, Spott).

g)durch die Texte zu verdeutlichen, inwiefern zeitgenössische Diskurse Einfluss auf die Darstellung der Amazone in der Frühen Neuzeit hatten. Beispielhaft wird dies am Exotismus-Diskurs durch die Entdeckung ferner Länder (China, Südamerika) oder am Diskurs über Herrschaft von Frauen innerhalb der Querelle des Femmes veranschaulicht. ← 35 | 36 →

Aufgrund dieser Kriterien setzt sich das Textkorpus dieser Arbeit aus folgenden Quellen zusammen:

1.der Faksimile-Druck der Ausgabe von 1657 des erstmals in Paris zwischen 1642-1645 erschienenen Romans Cassandre von Gautier de Coste Sieur de La Calprenède (ca. 1609-1663):

La Calprenède, Gautier de Coste, chevalier de: Cassandre. Première Partie-Cinquième Partie. Réimpression de l’édition de Paris, 1657. Genève: Slatkine Reprints 1978.153

2.die deutsche Übersetzung dieses französischen Romans von Christoph Kormart154 [Christoff Kormart] (1644-1701) in fünf Bänden, die erstmals zwischen 1685-1688 in Leipzig erschienen ist:

DIE | ALLER=Durchlauchtigste Kaeyserin | STATIRA oder CASSANDRA, | Mit Persianisch = Griechisch = Scyth = und Amazonischen | Staats= und Liebes= | Geschichten/ | Welche sich | unter des Darius und Grossen | Alexanders bestrittenen Regierung | begeben/ | Nebenst vielen schoenen Kupffern | Aus dem Frantzoes= und Hollaendischen ins Teutsche uebersetzet | von | Christoff Kormarten / J. U. D. | Leipzig/ | In Verlegung Joh. Friedrich Gleditschens/ | druckts Christian Goetz/ M. DC. LXXXV. [Bd. II-III M. DC. LXXXVI, Bd. IV M. DC. LXXXVII, Bd. V M. DC. LXXXVII].155

(Exemplar Universitätsbibliothek Leipzig (Bibliotheca Albertina); Signatur Lit.germ.E.5275:1-5)

In Deutschland ist diese fünfbändige Übersetzung als vollständige Erstausgabe einzig in den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Leipzig einzusehen.

3.der Roman Æyquan, oder der große Mogol (1670) von Christian Wilhelm Hagdorn:

Æyquan, | oder der | Große Mogol. | Das ist/ | Chineische [sic!] und Indische | Stahts= Kriegs= und Liebes=geschichte. | In unterschiedliche Teile verfasset/ | Durch Christ. W. Hagdorn/ | Dero zu Denmarck/ Norwegen/ etc. Koen. Majest. | Obersten zu Roß. | Durchgehends mit viel schoenen Kupferstuecken verziert. | In Amsterdam/ Bey Jacob von Moers/ Buch= und Kunst=händlern/ | Anno 1670.156

(Exemplar Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; Signatur M: Lo 2470) ← 36 | 37 →

4.der 1705 erschienene Roman Die Amazonische Smyrna von Joachim Meier (1661-1732) [Imperiali]157:

Die | Amazonische | SMYRNA | Worinnen | Unter Einfuehrung Trojanischer/ | Griechischer/ Amazonischer und | Asiatischer Geschichten/ | Die | Begebenheiten jeziger Zeiten/ | und deren Veraenderungen und Kriegs=Laeuffte/ | auf eine sehr curioese Weise/ | in einem Annehmlichen Staats= und Liebes= | Roman | verwickkelt vorgestellt worden/ | Von | Imperiali. Franckfurt und Leipzig/ | Bey Michael Andreas Fuhrmann/ 1705.158

(Mikrofiche-Ausgabe, Exemplar Universitätsbibliothek Kassel; Signatur 25 Ger CB 0001, F. 18258-18259)

5.die deutsche Übersetzung des italienischen Opernlibrettos L’Antiope159 (1689) von Stefano Pallavicini (1672-1742):

ANTIOPE. | DRAMA zur MUSICA, | Vorzustellen | Auf dem THEATRO | Des Durchl. Churfuersten | zu Sachsen etc.| Im Jahr | 1689. | Durch | STEPHANUM PALLAVICINI, | Sr. Churfuerstl. Durchl. Poëten. | DRESDEN | Mit Bergischer Witbe und Erben Schrifften.160

(Exemplar Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden; Signatur MT4° 67 Rara)

6.das deutschsprachige Opernlibretto Hercules (1714) eines unbekannten Librettisten bzw. einer Librettistin161 für den Bayreuther Hof:

HERCVLES, | Wurde | An dem Hoechst-erfreulichen | Hohen Geburts-Fest / Des | Durchlauchtigsten Fuersten und Herrn / HERRN | Georg Wilhelms / Marggrafens zu Brandenburg / in Preussen […] | Auf gnaedigstes Anbefehlen | Der Durchlauchtigsten Fuerstin und Frauen / Frauen Sophien / Marggraefin zu Brandenburg / in Preussen […] gebohrner ← 37 | 38 → Princeßin von Weissenfels […] | In einer Musicalischen OPERA | Auf dem grossen Theatro zu Bayreuth | unterthaenigst aufgefuehrt. | Gedruckt daselbst / bey Johann Lobern / Hoch=Fuerstl. Brandenburgisch. | Hof= und Cantzley=Buchdruckern.162

(Exemplar Universitätsbibliothek Bayreuth; Signatur 47/LR 53500 B361)

7.der Operntext Hercules unter denen Amazonen (1693/1694) von Friedrich Christian Bressand (1670-1699), welcher in drei Fassungen vorliegt, die in dieser Arbeit vergleichend berücksichtigt werden:

HERCULES | unter denen Amazonen / | Singe=Spiel / | auf dem Schauplatze zu Braunschweig vorgstellet; | Dem | Hochgebohrnen Grafen und Herrn | Hn. Albrecht Anthon / | Grafen zu Schwartzburg und Hohnstein / | […] | Und | Der Hochgebohrnen Graefin und Frauen / | Fr. Emilia Juliana / […]| von | F. C. Bressand. | […] In Verlegung Caspar Grubers / Buchhaendl. in Braunschw. | Wolfenbuettel / gedruckt durch Caspar Johann Bismarck. 1693.163

(Exemplar Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; http://diglib.hab.de/drucke/textb-380/start.htm)

HERCULES | Unter denen Amazonen / | Singe=Spiel / | Auf dem Schau=Platze zu Braunschweig vorgestellet. | Dem | Hochgebohrnen Grafen und Herrn / | Hn. Christian Wilhelm / | […] Grafen zu Schwartzburg und Hohnstein […] | Unterthaenigst zugeschrieben | Von | F. C. Bressand. | Gedruckt im 1694. Jahr.164

(Exemplar Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; http://diglib.hab.de/drucke/textb-sbd-6-6/start.htm)

HERCULES | Unter denen | Amazonen / | In einer | OPERA | vorgestellt / | Im Jahr 1694. | HAMBURG / | Gedruckt bey Conrad Neumann / | E. E. Rahts Buchdrucker.165

Details

Seiten
398
ISBN (PDF)
9783653046120
ISBN (ePUB)
9783653985702
ISBN (MOBI)
9783653985696
ISBN (Buch)
9783631651926
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Mai)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 398 S., 13 s/w Abb.

Biographische Angaben

Jennifer Villarama (Autor:in)

Jennifer Villarama studierte Germanistik, Komparatistik und Geschichte an den Universitäten Kassel und Bonn, war Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachbereichs 02 Geistes- und Kulturwissenschaften der Universität Kassel und Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs «Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung» der Universitäten Kassel und Frankfurt am Main. Seit 2013 ist sie Wissenschaftliche Koordinatorin des DFG-Graduiertenkollegs «Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen» der Universitäten Kassel und Göttingen.

Zurück

Titel: Die Amazone