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Vorintegrative Sprachförderung an den Goethe-Instituten in der Türkei

Zur Wirksamkeit vorintegrativer Sprachförderung im Rahmen des Sprachnachweises beim Ehegattennachzug – eine empirische Untersuchung

von Benedikt Döhla (Autor:in)
Dissertation 423 Seiten

Zusammenfassung

Benedikt Döhla untersucht in seinem Buch die Wirksamkeit der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung an den Goethe-Instituten Ankara, Istanbul und Izmir. Diese wurden ab September 2007 im Zuge der gesetzlichen Einführung des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug eingerichtet. Die Erkenntnisse, die der Autor mittels qualitativer und standardisierter Befragungen von Mitarbeitern und (ehemaligen) Nutzern der Angebote gewonnen hat, erlauben ihm fundierte Aussagen zur Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, Erwartungen an den Einsatz der erlernten Deutschkenntnisse und deren Gebrauch nach erfolgtem Nachzug. Dabei bewertet die Mehrheit der Befragten die Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung in Bezug auf das Deutschlernen sowie die Vorbereitung auf das Leben in Deutschland positiv. Das Buch enthält im Anhang die Fragebögen zur Studie «Sprachkurse und Sprachprüfungen am Goethe-Institut Türkei».

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Zusammenfassung
  • Abstract
  • Einleitung
  • I. Ehegattennachzug aus der Türkei in die Bundesrepublik: Nationale Entwicklung und Gesetzgebung unter Einbezug europäischer Rahmenbedingungen (von 1961 bis heute)
  • 1: Vom deutsch-türkischen Anwerbeabkommen bis zum Anwerbestopp (1955 bis 1973)
  • 1.1: Türkische Gastarbeiter und nachziehende Ehegatten
  • 1.2: Familiennachzug und Integration in den gesetzlichen Bestimmungen
  • 2: Vom Anwerbestopp bis zum Zuwanderungsgesetz (1973 bis 2001)
  • 2.1: Der Anstieg des Familiennachzugs aus der Türkei und die weitere Entwicklung der Ausländerpolitik
  • 2.2: Familiennachzug und Integration in den gesetzlichen Bestimmungen
  • 2.3: Europäische Migrations- und Integrationspolitik von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart
  • 3: Vom Zuwanderungsgesetz bis zu jüngeren nationalen und europäischen Entwicklungen (2001 bis 2012)
  • 3.1: Das Zuwanderungsgesetz
  • 3.2: Das zweite Änderungsgesetz zum Zuwanderungsgesetz: Einführung eines Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug
  • 3.3: Die europäische Dimension des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug
  • 3.4: Die Rolle des Ehegattennachzugs im gegenwärtigen Migrationsgeschehen der Bundesrepublik Deutschland
  • II. Forschungsstand im Überblick
  • 1: Heiratsmigration aus der Türkei in die Bundesrepublik
  • 2: Gesetzliche Vereinbarkeit des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug
  • 3: Vorintegration im nationalen und internationalen Kontext
  • 4: Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung am Goethe-Institut
  • 5: Theoretische Modelle zur Integration und zum Spracherwerb von Zuwanderern
  • 5.1: Theoretische Modelle zur Integration von Zuwanderern
  • 5.2: Theorie-Modell zur Sozialintegration von Zuwanderern nach Esser
  • 5.3: Essers Theorie-Modell zur Eingliederung von Wanderern
  • 5.4: Sprachenlernen und Spracherwerb Erwachsener im Rahmen von institutionalisiertem Sprachunterricht
  • 6: Integrationsforschung in Deutschland
  • 7: Sprachförderung durch Integrationskurse in Deutschland
  • 8: Fazit: Forschungsstand im Überblick
  • III. Ziele, Fragestellungen, Rahmenbedingungen und Struktur der Gesamtstudie
  • 1: Ziele und zentrale Fragestellungen der Gesamtstudie
  • 2: Zentrale Rahmenbedingungen der Gesamtstudie
  • 2.1: Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen und die Prüfung Start Deutsch 1
  • 2.2: Förderung von Maßnahmen zur Vorintegration in der Türkei durch den Europäischen Integrationsfonds
  • 2.3: Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung am Goethe-Institut
  • 2.3.1: Start Deutsch 1-Prüfungen und Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse am Goethe-Institut 2008 bis 2011 (weltweit)
  • 2.3.2: Start Deutsch 1-Prüfungen und Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse am Goethe-Institut 2008 bis 2011 (Türkei)
  • 3: Theoretische und empirische Struktur der Gesamtstudie
  • IV. Analyse der politischen Rahmenbedingungen der Einführung und Umsetzung des Sprachnachweiserfordernisses
  • 1: Das Sprachnachweiserfordernis im Gesetzentwurf in der Diskussion: vom ersten Referentenentwurf bis zum Beschluss durch das Bundeskabinett (Januar 2006 bis März 2007)
  • 2: Das Sprachnachweiserfordernis im Gesetzentwurf in der Beratung im Deutschen Bundestag und Bundesrat (April 2007 bis August 2007)
  • 3: Die Umsetzung des Sprachnachweiserfordernisses (September 2007 bis Mai 2012)
  • V. Die qualitativen Erhebungen an den Goethe-Instituten in der Türkei (Ankara, Istanbul, Izmir)
  • 1: Methodik der Befragung – das leitfadengestützte Experteninterview
  • 1.1: Leitfadengestützte Experteninterviews als Form der qualitativen Befragung
  • 1.2: Auswahl der Experten
  • 1.3: Vorbereitung der leitfadengestützten Experteninterviews
  • 1.4: Ablauf der Erhebungen an den Goethe-Instituten
  • 1.5: Auswertungsverfahren und Darstellung der Ergebnisse
  • 2: Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung an den Goethe-Instituten in der Türkei (Ankara, Istanbul, Izmir)
  • 2.1: Die Start Deutsch 1 -Prüfung an den Goethe-Instituten in der Türkei
  • 2.1.1: Einrichtung der Start Deutsch 1-Prüfung
  • 2.1.2: Durchführung der Start Deutsch 1-Prüfung
  • 2.1.3: Prüfer in der Start Deutsch 1-Prüfung
  • 2.2: Die Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse an den Goethe-Instituten in der Türkei
  • 2.2.1: Einrichtung der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse
  • 2.2.2: Durchführung der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse
  • 2.2.3: Lehrkräfte und Teilnehmer in Start Deutsch 1-Vorbereitungskursen
  • 2.3: Weitere Angebote für die Teilnehmergruppe der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse an den Goethe-Instituten in der Türkei
  • 2.3.1: Weitere Angebote am G-I Ankara
  • 2.3.2: Weitere Angebote am Goethe-Institut Istanbul
  • 2.3.3: Weitere Angebote am Goethe-Institut Izmir
  • 2.3.4: Externe Angebote
  • 3: Aspekte der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse an den Goethe-Instituten in der Türkei
  • 3.1: Lehrwerk, Landeskunde und zusätzliche Unterrichtsmaterialien
  • 3.2: Didaktik und Methodik in Start Deutsch 1-Vorbereitungskursen
  • VI. Die standardisierte schriftliche Befragung von Teilnehmern in Start Deutsch 1-Vorbereitungskursen an den Goethe-Instituten Ankara, Istanbul und Izmir
  • 1: Das Erhebungsinstrument – der schriftliche Fragebogen
  • 1.1: Vorüberlegungen zu Gestaltung und Einsatz des Erhebungsinstrumentes
  • 1.2: Themenschwerpunkte und Aufbau des Erhebungsinstrumentes
  • 1.3: Übersetzung und Pretest des Erhebungsinstrumentes
  • 2: Untersuchungsdurchführung und Rücklauf
  • 2.1: Untersuchungsdurchführung
  • 2.2: Datenerfassung und Rücklauf
  • 3: Untersuchungsergebnisse
  • 3.1: Soziodemographische Struktur der Kursteilnehmer
  • 3.1.1: Geschlecht, Alter, Familienstand, Kinder
  • 3.1.2: Staatsangehörigkeit, Herkunftsort
  • 3.1.3: Fazit: Soziodemographische Struktur der Kursteilnehmer
  • 3.2: Bildungshintergrund, Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit
  • 3.2.1: Schulische Bildung
  • 3.2.2: Berufliche Ausbildung und Studium
  • 3.2.3: Erwerbstätigkeit und Arbeitswunsch
  • 3.2.4: Fazit: Bildungshintergrund, Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit
  • 3.3: Sprachlicher Hintergrund
  • 3.3.1: Erstsprache
  • 3.3.2: Türkischkenntnisse
  • 3.3.3: Weitere Sprachkenntnisse, Lern- und Prüfungserfahrung
  • 3.3.4: Fazit: Sprachlicher Hintergrund
  • 3.4: Rahmenbedingungen der Teilnahme an Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 3.4.1: Erwerbstätigkeit neben dem Kursbesuch
  • 3.4.2: Unterkunft während des Kursbesuchs
  • 3.4.3: Zahlung der Kurs- und Prüfungsgebühren
  • 3.4.4: Fazit: Rahmenbedingungen der Teilnahme an Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 3.5: Einschätzung des Start Deutsch 1-Vorbereitungskurses am Goethe-Institut
  • 3.5.1: Grund für die Wahl des Kurses
  • 3.5.2: Interesse an Kursthemen
  • 3.5.3: Bewertung des Kurses
  • 3.5.4: Erwartungen an die Deutschkenntnisse
  • 3.5.5: Erwartungen an den Nutzen der Deutschkenntnisse in konkreten Situationen
  • 3.5.6: Fazit: Einschätzung des Start Deutsch 1-Vorbereitungskurses am Goethe-Institut
  • 3.6: Zusätzliche Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 3.6.1: Kenntnis und Nutzung zusätzlicher Angebote des Goethe-Instituts und weiterer Anbieter
  • 3.6.2: Interesse an weiteren zusätzlichen Angeboten
  • 3.6.3: Interesse an weiteren Informationsangeboten
  • 3.6.4: Fazit: Zusätzliche Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 3.7: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland und integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • 3.7.1: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland
  • 3.7.2: Einstellung zu integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • 3.7.3: Fazit: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland und integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • VII. Die standardisierte Online-Befragung ehemaliger Teilnehmer der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse an den Goethe-Instituten Ankara, Istanbul und Izmir
  • 1: Vorüberlegungen zur Durchführung einer standardisierten Befragung ehemaliger Teilnehmer der Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse nach dem Nachzug nach Deutschland
  • 1.1: Auswahl der Online-Befragung
  • 1.2: Vorbereitung und Organisation der Online-Befragung
  • 2: Das Erhebungsinstrument – der Online-Fragebogen
  • 2.1: Vorüberlegungen zu Gestaltung und Einsatz des Erhebungsinstrumentes
  • 2.2: Themenschwerpunkte und Aufbau des Erhebungsinstrumentes
  • 2.3: Übersetzung und Pretest des Erhebungsinstrumentes
  • 3: Untersuchungsdurchführung und Rücklauf
  • 3.1: Untersuchungsdurchführung
  • 3.2: Datenerfassung und Rücklauf
  • 4: Untersuchungsergebnisse
  • 4.1: Soziodemographische Struktur, Bildungshintergrund und sprachlicher Hintergrund der ehemaligen Kursteilnehmer
  • 4.1.1: Soziodemographische Struktur der ehemaligen Kursteilnehmer
  • 4.1.2: Bildungshintergrund, Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit
  • 4.1.3: Sprachlicher Hintergrund
  • 4.1.4: Fazit: Soziodemographische Struktur, Bildungshintergrund und sprachlicher Hintergrund der ehemaligen Kursteilnehmer
  • 4.2: Deutschlernen, Deutschkenntnisse und Deutschnutzung
  • 4.2.1: Deutschlernen und Teilnahme am Integrationskurs
  • 4.2.2: Stand der Deutschkenntnisse
  • 4.2.3: Deutschnutzung (Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften)
  • 4.2.4: Deutschnutzung mit Bezugspersonen im Nahbereich
  • 4.2.5: Fazit: Deutschlernen, Deutschkenntnisse und Deutschnutzung
  • 4.3: Rückblickende Einschätzung des Start Deutsch 1-Vorbereitungskurses und der zusätzlichen Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 4.3.1: Interesse an Themen des Start Deutsch 1-Vorbereitungskurses
  • 4.3.2: Kenntnis und Nutzung zusätzlicher Angebote der Goethe-Institute
  • 4.3.3: Interesse an weiteren zusätzlichen Angeboten
  • 4.3.4: Erfahrungen mit den Deutschkenntnissen
  • 4.3.5: Erfahrungen mit dem Nutzen der Deutschkenntnisse in konkreten Situationen
  • 4.3.6: Fazit: Rückblickende Einschätzung des Start Deutsch 1-Vorbereitungskurses und der zusätzlichen Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 4.4: Leben in Deutschland
  • 4.4.1: Wohnen
  • 4.4.2: Kontakte zu Deutschen und Personen türkischer Herkunft
  • 4.4.3: Aspekte der Verbundenheit mit der Türkei und Deutschland
  • 4.4.4: Kenntnis von Integrationsangeboten in Deutschland
  • 4.4.5: Fazit: Leben in Deutschland
  • 4.5: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland und integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • 4.5.1: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland
  • 4.5.2: Einstellung zu integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • 4.5.3: Fazit: Einstellung zu sprachlicher Vorbereitung im Herkunftsland und integrationsrelevanten Verhaltensweisen von Zuwanderern und Deutschen
  • VIII. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und Handlungsoptionen
  • 1: Zu den Hintergründen der Einführung des Sprachnachweiserfordernisses und der Begleitung seiner Umsetzung durch politische und gesellschaftliche Akteure bis zum Jahr 2012
  • 2: Bereitstellung und Durchführung von Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung an den Goethe-Instituten in der Türkei
  • 2.1: Start Deutsch 1-Prüfung
  • 2.2: Start Deutsch 1-Vorbereitungskurse
  • 2.3: Zusätzliche Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 3: Funktionen der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung hinsichtlich der bevorstehenden Migration und des zukünftigen Lebens in Deutschland
  • 4: Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, Rahmenbedingungen des Kursbesuchs sowie Bedarf an weiteren Angeboten und Informationen
  • 5: Bewertung der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung und Einschätzung ihrer Wirksamkeit durch die Teilnehmer
  • 6: Einstellung der Teilnehmer zur Notwendigkeit vorintegrativer Sprachförderung und zu Belangen der Integration
  • 7: Ehemalige Teilnehmer der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung an den Goethe-Instituten in der Türkei und ihre Lebenssituation in Deutschland
  • 8: Gegenwärtiges Deutschlernen, Deutschkenntnisse und Deutschnutzung der ehemaligen Teilnehmer
  • 9: Rückblickende Bewertung der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung und Einschätzung ihrer Wirksamkeit auf Grundlage eigener Erfahrungen beim Leben in Deutschland
  • 10: Einstellung der ehemaligen Teilnehmer zur Notwendigkeit vorintegrativer Sprachförderung und zu Belangen der Integration
  • 11: Feststellungen zur Wirkung der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 12: Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung von Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung
  • 12.1: Handlungsoptionen für bestehende Angebote der Goethe-Institute und weiterer Anbieter in der Türkei
  • 12.2: Handlungsoptionen im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Angeboten im Kontext der Vorintegration
  • Schluss
  • Literaturverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis

← 14 | 15 → Zusammenfassung

Die vorliegende Studie untersuchte die Wirksamkeit der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung, die ab September 2007 im Zuge der gesetzlichen Einführung des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug an den Goethe-­Instituten Ankara, Istanbul und Izmir eingerichtet wurden. Es sollten zudem detaillierte Kenntnisse zu deren Durchführung sowie zur Zusammensetzung der Teilnehmergruppe gewonnen werden. Sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden kamen dabei zum Einsatz.

Die Analyse der politischen Hintergründe der Einführung des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug zeigte, dass sich dessen Befürworter und Gegner bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt unversöhnlich gegenüberstehen. Damit ist auch unsicher, wie es – mit Blick auf zukünftige Regierungskonstellationen – um den Fortbestand der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung bestellt sein wird. Die Einrichtung, Durchführung sowie einzelne Aspekte der Angebote konnten, gestützt auf 17 Experteninterviews mit Mitarbeitern und Lehrkräften der Goethe-­Institute, umfassend beschrieben werden. Es ist den Instituten gelungen Prüfungs-­ und Kursangebote bereitzustellen, die auf die Anforderungen der Teilnehmergruppe abgestimmt sind. Bei der Bereitstellung weiterer zusätzlicher Angebote setzten die Institute eigene Akzente.

Um die Wirksamkeit der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung zu eruieren, wurden zwei standardisierte Befragungen der Teilnehmer durchgeführt. An den Goethe-­Instituten wurden insgesamt 450 Teilnehmer befragt, unter anderem zu ihren Erwartungen an den Einsatz der Deutschkenntnisse nach dem Nachzug in die Bundesrepublik. Mit einer zeitgleich in Deutschland durchgeführten Online-­Befragung wurden 92 ehemalige Teilnehmer erreicht und unter anderem zu ihren Erfahrungen mit dem Einsatz der Deutschkenntnisse befragt, die sie sich in den Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung angeeignet hatten. Auf Basis der durch die Befragungen gewonnenen Daten konnten fundierte Aussagen zur Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, den Rahmenbedingungen der Teilnahme an den Angeboten sowie einer Reihe weiterer Aspekte getroffen werden. Es wurde deutlich, dass die Teilnehmer vor dem Nachzug hohe Erwartungen an den Einsatz der Deutschkenntnisse knüpfen. Nach dem Nachzug haben ehemalige Teilnehmer überwiegend positive Erfahrungen mit deren Einsatz gemacht. In Bezug auf das Deutschlernen sowie die ← 15 | 16 → Vorbereitung auf das Leben in Deutschland gelangte die Mehrheit der insgesamt Befragten zu einer positiven Bewertung der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung an den Goethe-­Instituten. Ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen werden Optionen für die inhaltliche und konzeptionelle Weiterentwicklung der Angebote zur vorintegrativen Sprachförderung diskutiert und weiterer Forschungsbedarf benannt.

← 16 | 17 → Abstract

This study examines the effectiveness of the pre-­integrative language training offers, introduced in September 2007, to support the introduction of the mandatory proof of language skills requirement for spouse immigration at the Goethe institutes in Ankara, Istanbul and Izmir. Furthermore, detailed knowledge of their implementation and the structure of the group of participants were acquired. For this purpose, both qualitative and quantitative research methods were used.

The analysis of the political background of the introduction of the proof of language skills requirement for spouse immigration showed that to date its proponents and opponents have been opposing each other irreconcilably. Accordingly, in reference to future governments, this leaves it unclear as to whether pre-­integrative language training will continue to be offered in the future. The provision, implementation as well as particular aspects of the offers could be comprehensively described based on 17 interviews with relevant employees and teachers of the Goethe institutes. The institutes succeeded in providing examination and course offers tailored to the requirements of the group of participants. As for the provision of further additional offers, the institutes set their own priorities. In order to determine the effectiveness of the offers for pre-­integrative language skills, two standardized surveys of the participants were conducted. At the Goethe institutes, a total of 450 participants were questioned on, among other things, their expectations with regard to using the German language after immigrating to the Federal Republic of Germany. At the same time, an online survey conducted in Germany reached 92 former participants asking them, for example, about their experience with using the German language skills which they had acquired in the preintegrative language training. Based on the survey data collected, well-­founded statements on the structure of the group of participants, the framework conditions of the participation in the offers as well as a number of further aspects could be made. This made clear that the participants have high expectations of using their German skills prior to their immigration. After immigrating, the former participants had mainly a positive experience using their language skills. With regard to learning German as well as to preparing for their lives in Germany, the majority of the respondents take a positive view of the offers regarding preintegrative language training at the Goethe institutes. Based on the findings made, options for further developing the contents and concept of the offers for pre-­integrative language training are discussed and further need for research specified.← 17 | 18 →

← 18 | 19 → Einleitung

„Integrationskurse – hier in der Türkei?“ So muss ich erstaunt gefragt haben, als ich im Rahmen eines Praktikums am Goethe-­Institut Istanbul erstmals von dem Sprachkursangebot erfahren hatte. Als „Integrationskurse“ werden Deutschkurse bezeichnet, in denen sich Männer und Frauen, die zu ihren Ehepartnern in die Bundesrepublik nachziehen wollen, auf die Deutschprüfung Start Deutsch 1 vorbereiten. Seit August 2007 muss der Deutschen Auslandsvertretung bei der Beantragung eines Visums für die Einreise in die Bundesrepublik die bestandene Prüfung nachgewiesen werden. In der Türkei führen die Goethe-­Institute in Ankara, Istanbul und Izmir diese Prüfung durch; nachzugswillige Ehegatten können sich in speziell dafür eingerichteten Kursen der Institute auf die Prüfung vorbereiten.

Die Integrationskurse, die sich vom regulären Kursangebot deutlich unterscheiden, weckten mein Interesse. In Hospitationen fielen mir Schwierigkeiten der Teilnehmer beim Deutschlernen und die besondere Rolle der Lehrkraft in diesen Kursen auf. In Gesprächen erfuhr ich von den persönlichen Hintergründen der teilnehmenden Frauen und Männer sowie den Zielen, die sie mit dem Nachzug nach Deutschland verbanden. Die geäußerten Vorstellungen waren dabei ebenso unterschiedlich wie die Zusammensetzung der Kurse selbst. Ob im Rahmen der Deutschkurse erworbene Sprachkenntnisse ihnen – wie vom Gesetzgeber beabsichtigt – beim Erreichen ihrer Ziele und ihrem Integrationsprozess in Deutschland tatsächlich helfen würden, konnte nicht vorhergesagt werden: Meine Nachfragen bei Mitarbeitern des Goethe-­Instituts zeigten, dass vorerst kaum verwertbare Einschätzungen vorlagen; wissenschaftlich belegte Daten oder Erkenntnisse fehlten ohnehin. Auf Basis der Daten, die dem Goethe-­Institut vorliegen, war es noch nicht einmal möglich, differenzierte Aussagen zur Zusammensetzung der Teilnehmergruppen, beispielsweise hinsichtlich ihrer Bildungsvoraussetzungen und ihrer Erwartungen, zu treffen. Ebenfalls kaum zu klären war, wie die Teilnehmer selbst gegenüber den Integrationskursen im Herkunftsland eingestellt sind: Empfinden sie diese als Gängelung oder erkennen sie darin Vorteile für ihr zukünftiges Leben in Deutschland? Und erweisen sich die in den Integrationskursen angeeigneten Sprachkompetenzen nach dem Umzug tatsächlich als nützlich bei der Bewältigung des Alltags in Deutschland?

Diese und weitere Fragen strukturierte ich in den Wochen nach dem Praktikum in einem ersten Exposé: Erstens wollte ich über das Goethe-­Institut Istanbul hinaus durch den Einbezug der Goethe-­Institute in Ankara und Izmir ← 19 | 20 → einen umfassenden Einblick in die Einrichtung und Durchführung der vorintegrativen Sprachkurse gewinnen. Zweitens wollte ich nicht nur die Situation im Herkunftsland untersuchen, sondern auch den Zeitraum nach dem Umzug in die Bundesrepublik. Es ging um die Frage, wie es mit den ehemaligen Teilnehmern in Deutschland weitergeht und ob die in der Türkei erworbene und in der Start Deutsch 1-­Prüfung nachgewiesene Sprachkompetenz tatsächlich zum Einsatz kommt. Die Beantwortung dieser Frage erforderte konsequenterweise die Ausdehnung des Untersuchungszeitraums auf die Zeit nach der Einreise in die Bundesrepublik.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Einrichtung, Durchführung und die Zusammensetzung der Teilnehmergruppen der vorintegrativen Sprachkurse an den drei Goethe-­Instituten Ankara, Istanbul und Izmir im Kontext des Sprachnachweiserfordernisses für nachziehende Ehegatten. Zugleich liefert die Untersuchung Erkenntnisse zur Wirkung der vorintegrativen Sprachförderung auf den Integrationsprozess nachziehender Ehegatten in der Bundesrepublik.

Die Studie gliedert sich in acht Kapitel:

Zunächst wird in Kapitel I das Sprachnachweiserfordernis beim Ehegattennachzug in die historische Entwicklung ausländerrechtlicher Regelungen eingeordnet. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dabei auf aus der Türkei zuziehenden Arbeitskräften und ihren Familien. In diesem Zusammenhang muss die Bedeutung der europäischen Migrations-­ und Integrationspolitik berücksichtigt werden. Daneben ist es wichtig, den Paradigmenwechsel durch das Zuwanderungsgesetz in der nationalen Integrationspolitik nachzuvollziehen, auf den das Sprachnachweiserfordernis in seinen Zielsetzungen bezogen ist. Abschließend wird die Rolle des Ehegattennachzugs im aktuellen Migrationsgeschehen der Bundesrepublik thematisiert.

Einen Überblick zum Stand der einschlägigen Forschung aus der Perspektive verschiedener Disziplinen enthält Kapitel II: Es werden Beiträge zur Heiratsmigration aus der Türkei, zur Vereinbarkeit des Sprachnachweiserfordernisses mit dem Grundgesetz bzw. mit dem Gemeinschaftsrecht, zu nationalen wie internationalen Maßnahmen zur Vorintegration sowie zu Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung an Goethe-­Instituten dargelegt und Bezüge zu Theorie-­Modellen zur Integration und zum Zweitspracherwerb aufgezeigt. Da die Studie auch den Zeitraum nach dem Nachzug in die Bundesrepublik berücksichtigt, ist ebenfalls eine Auswahl jüngerer Forschungsergebnisse zu verschiedenen Aspekten der Integration von Zuwanderern und zur Sprachförderung durch Integrationskurse dargestellt.

Kapitel III stellt die Struktur der Gesamtstudie vor: Präzisiert werden dabei die forschungsleitenden Fragen und Ziele; Ebenfalls thematisiert werden in ← 20 | 21 → Kapitel III die Rahmenbedingungen, unter denen die Start Deutsch 1-­Prüfung und vorbereitende Deutschkurse an den Goethe-­Instituten weltweit und in der Türkei durchgeführt werden.

Die politischen Rahmenbedingungen der Einführung und Umsetzung des Sprachnachweiserfordernisses beim Ehegattennachzug sind Gegenstand von Kapitel IV. Im Fokus des untersuchten Zeitraums (2006 bis 2012) stehen dabei die Aktivitäten verschiedener politischer Akteure im Kontext der Debatte um das Sprachnachweiserfordernis.

Die vorintegrativen Sprachkurse an den Goethe-­Instituten Ankara, Istanbul und Izmir sind im Rahmen qualitativer Erhebungen umfassend erschlossen worden. Die Erkenntnisse aus Experteninterviews mit Mitarbeitern der Goethe-­Institute zur Einrichtung und Durchführung der Kurse sowie weiterer Angebote sind in Kapitel V dargestellt.

Im Zentrum von Kapitel VI stehen die schriftlichen Befragungen von Teilnehmern an den vorintegrativen Sprachkursen der Goethe-­Institute Ankara, Istanbul und Izmir. Die Angaben der Befragten erlauben unter anderem einen Einblick in die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, ihre Einschätzungen der am Goethe-­Institut bereitgestellten Angebote sowie ihre Erwartungen an den Einsatz der erlernten Deutschkenntnisse nach dem Umzug nach Deutschland.

Ehemalige Kursteilnehmer konnten nach dem Nachzug in die Bundesrepublik mit einer standardisierten Online-­Befragung erreicht werden. Die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Befragung sind in Kapitel VII dargestellt. Dabei wurden Erkenntnisse zur Lebenssituation der Befragten und ihren Erfahrungen bei der Nutzung der in der Türkei erworbenen Deutschkenntnisse gewonnen.

Die vorliegende Untersuchung schließt mit Kapitel VIII und einer Zusammenfassung wesentlicher Ergebnisse der einzelnen Untersuchungsteile sowie mit der Skizzierung möglicher Handlungsoptionen für die Weiterentwicklung von Angeboten zur vorintegrativen Sprachförderung.

Bei Personenbezeichnungen werden maskuline Formen verwendet. Wird auf ein Geschlecht nicht ausdrücklich verwiesen, sind sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.← 21 | 22 →

← 22 | 23 → I Ehegattennachzug aus der Türkei in die Bundesrepublik: Nationale Entwicklung und Gesetzgebung unter Einbezug europäischer Rahmenbedingungen (von 1961 bis heute)

1 Vom deutsch-­türkischen Anwerbeabkommen bis zum Anwerbestopp (1955 bis 1973)

1.1 Türkische Gastarbeiter und nachziehende Ehegatten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden viele Millionen Vertriebene und Flüchtlinge eine neue Heimat in den vier Besatzungszonen (Münz/Seifert/Ulrich 1999: 28-­36, Herbert 2003: 192-­201). Beginnend mit dem Jahr 1950 suchen Menschen unter Berufung auf das im Grundgesetz enthaltene Grundrecht auf Schutz vor politischer Verfolgung in Deutschland Asyl (Herbert 2003: 263-­285, 296-­322). Ebenfalls seit Beginn der 1950er Jahre erfolgt die Zuwanderung von Personen mit deutscher Volkszugehörigkeit, sogenannter Aussiedler bzw. Spätaussiedler, und ihrer Familienangehörigen aus Ländern des ehemaligen Ostblocks, der weitaus größte Teil wanderte infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion ein (Bade/Oltmer 1999: 9-­54). Neben diesen Wanderungsbewegungen sind über Jahrzehnte hinweg Menschen aus anderen Staaten durch den Ehegattennachzug zu Deutschen und zu rechtmäßig und auf Dauer in Deutschland lebenden Ausländern mit einer Bleibeperspektive in die Bundesrepublik gekommen. An der Zuwanderung insgesamt hat der Ehegattennachzug einen vergleichsweise hohen Anteil (Kreienbrink/Rühl 2007: 8). Zu einem nicht unwesentlichen Teil kann dieser Nachzug auf die Anwerbepolitik der jungen Bundesrepublik zurückgeführt werden; bis heute erfolgt er zu großen Teilen aus Staaten, mit denen ab 1955 Anwerbeabkommen für Arbeitskräfte geschlossen wurden. Durch die Anwerbung ausländischer „Gastarbeiter“1 sollte der durch den wirtschaftlichen Aufschwung ← 23 | 24 → bedingte steigende Arbeitskräftebedarf gedeckt werden2. Von den unter anderem mit Italien (1955), der Türkei (1961) und Jugoslawien (1968) geschlossenen Anwerbeabkommen versprachen sich die Vertragspartner jeweils entsprechende Vorteile (Herbert 2003: 202-­216). Diese waren schließlich auch beim Abschluss des deutsch-­türkischen Anwerbeankommens maßgebend, wenn es sich auch in diesem Fall mit der Interessenlage der Vertragspartner zunächst etwas anders verhielt: So hatte die deutsche Seite den Abschluss eines solchen Abkommens nicht vorgesehen. Es war die türkische Regierung, die mit diesem Wunsch an die Bundesrepublik herantrat und zugleich mit Verweis auf ihre Rolle als NATO-­Mitglied und bedeutender Handelspartner unmissverständlich klarmachte, dass eine Absage als Diskriminierung betrachtet werden müsste (Hunn 2011: 14). Nicht zuletzt im Interesse am Fortbestehen guter Beziehungen zum Bündnispartner Türkei wollte die Bundesregierung dem Ansinnen entsprechen (ebd.). Durch das offiziell am 30. Oktober 1961 in Bonn geschlossene deutsch-­türkische Anwerbeabkommen konnte eine Ausbildungshilfe für die türkische Wirtschaft geleistet, einem sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel entgegengewirkt sowie die Kenntnisse über die Bundesrepublik in der Türkei vergrößert werden (ebd.: 11ff., 18). Zudem konnte der bereits seit 1959 stattfindende Zuzug türkischer Arbeitskräfte – im Sommer 1960 waren etwa 2.500 in Deutschland beschäftigt – besser kontrolliert werden (ebd.: 12). Im Abkommen waren die rechtlichen Voraussetzungen für die direkte Anwerbung türkischer Arbeitskräfte festgeschrieben worden, die über die für das ­Auswahl-­ und Vermittlungsverfahren zuständigen Verbindungsstellen in Istanbul und zeitweise Ankara erfolgte. Bei der Steuerung der Auswanderung arbeitete die Verbindungsstelle mit den Arbeitsverwaltungen in Deutschland und der türkischen Regierung zusammen. Letztere stellte durch spezielle Regelungen sicher, dass Bewerber aus wirtschaftlich schwachen oder von Naturkatastrophen betroffenen türkischen Provinzen bevorzugt, mindestens aber gleichberechtigt, zum Zuge kamen (ebd.: 25f.). Neben dem offiziellen Anwerbeverfahren ­bestanden jedoch weiterhin auch andere Möglichkeiten, um zum Arbeiten nach Deutschland zu gelangen.

← 24 | 25 → Im Anwerbeabkommen mit der Türkei war, anders als in den Abkommen mit anderen Staaten, eine Beschränkung der Aufenthaltsdauer auf zwei Jahre enthalten; die Möglichkeit zum Familiennachzug wurde nicht erwähnt. Dies geht auf Stimmen innerhalb der deutschen Regierung und im Bundesministerium des Innern (BMI) zurück, die auf potenziell entstehende Einwanderungstendenzen hinwiesen, die durch die Anwerbung entstehen könnten. Dabei wurde nicht speziell gegen türkische Arbeitnehmer argumentiert. Vielmehr handelte es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, mit der auf die wachsende Zahl der in Deutschland wohnhaften ausländischen Arbeitskräfte reagiert und mit einem Nachzug verbundene Schwierigkeiten im Hinblick auf Unterbringung oder Betreuung vermieden werden sollten (Hunn 2011 13ff.). Schon wenige Monate nach dem Abschluss des Abkommens wurde die Streichung der zeitlichen Beschränkung des Aufenthalts gefordert. Die Betriebe wollten nicht immer wieder neue Arbeitskräfte einarbeiten und waren mit den türkischen Arbeitnehmern zufrieden. Das abrupte Ende des Zuzugs aus der DDR infolge des Mauerbaus verstärkte gar die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften (ebd.: 16f.). Die Forderung fand zudem durch das Bundeswirtschaftsministerium und die türkische Regierung Unterstützung (Schönwälder 2003: 127ff.).

Durch die im Abkommen enthaltene Regelung, wonach wegen „der vorübergehenden Dauer der Beschäftigung in der BRD […] ein Nachzug der Familien nicht vorgesehen“ (Hunn 2011: 16) sei, wäre der Nachzug von Familienmitgliedern auf dem Papier grundsätzlich ausgeschlossen gewesen. Da eine entsprechende Regelung in anderen Anwerbeabkommen nicht enthalten war, sah die türkische Regierung darin einen Fall offener Diskriminierung. Das Bundeswirtschaftsministerium warnte davor, „das Odium einer solchen diskriminierenden Klausel auf sich zu nehmen“ (ebd.: 16); die Bundesanstalt für Arbeit (BA) rechnete damit, dass die Verbindungsstellen umgangen und andere Wege zur Einreise gesucht werden würden (ebd.: 17).

In der zum 30. September 1964 vorgelegten Neufassung des deutsch-­türkischen Anwerbeabkommens war weder eine maximale Aufenthaltsdauer enthalten, noch wurde der Familiennachzug explizit ausgeschlossen (Schönwälder 2003: 129) und entsprach damit weitgehend bisherigen Abkommen (Hunn 2011: 17). Obwohl somit grundsätzlich die Möglichkeit eines Familiennachzugs bestand, machte die Mehrheit der türkischen Arbeitnehmer keinen Gebrauch davon. Bis zum September 1966 hatten 16% der 134.000 männlichen türkischen Arbeitnehmer ihre Ehefrauen nachgeholt, ebenfalls waren 22.000 Kinder nachgezogen (Schönwälder 2003: 130).

Details

Seiten
423
ISBN (PDF)
9783653046298
ISBN (ePUB)
9783653977325
ISBN (MOBI)
9783653977318
ISBN (Hardcover)
9783631654439
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (März)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 423 S., 70 s/w Abb., 30 Tab.

Biographische Angaben

Benedikt Döhla (Autor:in)

Benedikt Döhla studierte Lehramt für Hauptschulen mit dem Erweiterungsfach Didaktik des Deutschen als Zweitsprache in Nürnberg. Er arbeitet als Lehrer im staatlichen Schuldienst und ist in seinem Promotionsfach Lehrbeauftragter mit den Arbeitsschwerpunkten Sprachenpolitik sowie Migrations- und Integrationspolitik.

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Titel: Vorintegrative Sprachförderung an den Goethe-Instituten in der Türkei