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Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur

von Fabian Münch (Autor:in)
Dissertation 416 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Einleitung und Forschungssituation
  • 2. Der Begriff der Geschichtskultur
  • 2.1 Geschichtskultur als Untersuchungsgegenstand
  • 2.2 Geschichtskultur in Australien
  • 3. Australien und der Erste Weltkrieg
  • 3.1 Der Kriegseintritt Australiens
  • 3.2 Die Schlacht von Gallipoli (1915)
  • 3.3 Die australischen Truppen an der Westfront (1916–1918)
  • 3.4 Die Light Horse im Nahen Osten
  • 3.5 Die australische Heimatfront
  • 3.6 Das Kriegsende
  • 4. Der Anzac-Mythos
  • 4.1 Zum Begriff des historisch-politischen Mythos
  • 4.2 Ursprünge und Konstruktion des Anzac-Mythos
  • 4.3 Legende im Mythos: „Simpson and his donkey“
  • 4.4 Die Anzac-Symbolik
  • 4.5 Die Verbreitung des Anzac-Mythos
  • 4.6 Formen und Wandlungen des Mythos
  • 5. Geschichtskuturelle Objektivationen des Ersten Weltkrieges in Australien
  • 5.1 Anzac Day
  • 5.1.1 Funktionen von Gedenktagen
  • 5.1.2 Die Entstehung des Anzac Days
  • 5.1.3 Die Ritualstruktur des Anzac Days
  • 5.1.4 Der Anzac Day als Spiegel der Rezeption des Anzac-Mythos
  • 5.2 Denkmale
  • 5.2.1 Theorie des Kriegsdenkmals
  • 5.2.2 Kriegsdenkmale in Australien
  • 5.2.3 Das Australian War Memorial
  • 5.2.4 Das Anzac Memorial
  • 5.2.5 Der Shrine of Remembrance
  • 5.2.6 Schlachtfeldtourismus
  • 5.3 Historische Belletristik: Dramen und Romane
  • 5.3.1 Belletristik und Geschichtskultur
  • 5.3.2 Leonhard Mann: Flesh in Armour (1932)
  • 5.3.3 Edward Lynch: Somme Mud (2006)
  • 5.3.4 Alan Seymour: The One Day of the Year (1960)
  • 5.3.5 Clem Gorman: A Manual of Trench Warfare (1978)
  • 5.3.6 Roger McDonald: 1915 (1979)
  • 5.3.7 David Malouf: Fly Away Peter (1982)
  • 5.4 Filme
  • 5.4.1 Das Medium Film als Quelle der Zeitgeistforschung
  • 5.4.2 Der Rezeptionskontext
  • 5.4.3 Peter Weir: Gallipoli (1981)
  • 5.4.4 Simon Wincer: The Lighthorsemen (1987)
  • 5.4.5 Jeremy Sims: Beneath Hill 60 (2010)
  • 5.5 Der Erste Weltkrieg in australischen Schulgeschichtsbüchern
  • 5.5.1 Die Rolle des Geschichtsunterrichts in Australien
  • 5.5.2 Der Erste Weltkrieg im australischen Geschichtsunterricht
  • 5.5.3 Theorie der Schulbuchanalyse
  • 5.5.4 Inhaltliche und unterrichtsmethodische Analyse
  • 6. Fazit und Ausblick
  • 7. Abkürzungsverzeichnis
  • 8. Bibliographie
  • 9. Abbildungsverzeichnis
  • 10. Index
  • Reihenübersicht

1.  Einleitung und Forschungssituation

„Dulce et decorum est pro patria mori”1, behauptete der römische Dichter Horaz im ersten Jahrhundert vor Christus. Der Satz gehörte fest zum ideologischen Rüstzeug im „Krieg der Geister“, wie Wolfgang J. Mommsen den Versuch der kulturellen Eliten in den am Ersten Weltkrieg beteiligten Ländern bezeichnete, breite Teile der Bevölkerung zu ideologisieren, die Position der eigenen Nation zu rechtfertigen und die des Gegners zu delegitimieren.2 Vor allem an den Schulen fand er Verbreitung, und der junge Bert Brecht hätte sich beinahe einen Schulverweis eingehandelt, als er in einem Aufsatz Horaz’ Satz als „Zweckpropaganda“3 für „Hohlköpfe“ bezeichnete. Der englische Dichter Wilfred Owen, der 1918 an der Westfront fiel, führt in seinem Gedicht Dulce et Decorum est die Vorstellung von der Süße und Ehrenhaftigkeit des Todes auf dem Schlachtfeld ad absurdum, indem er den grausamen Tod eines Soldaten durch Giftgas beschreibt und seinen imaginären Adressaten der Lüge bezichtigt:

If in some smothering dreams, you too could pace
Behind the wagon that we flung him in,
And watch the white eyes writhing in his face,
His hanging face, like a devil’s sick of sin,
If you could hear, at every jolt, the blood
Come gargling from the froth-corrupted lungs
Bitten as the cud

Of vile, incurable sores on innocent tongues, –
My friend, you would not tell with such high zest
To children ardent for some desperate glory,
The old Lie: Dulce et decorum est
Pro patria mori
.4 ← 9 | 10 →

Einen scharfen Kontrast zu den Perspektiven Brechts und Owens bietet ein Blick in die zeitgenössische Geschichtskultur Australiens, in der der Erste Weltkrieg und der in seinem Zusammenhang entstandene Anzac-Mythos im Moment eine unangefochtene Popularität besitzen. Dies steht in engem Zusammenhang mit einer seit einigen Jahren politisch forcierten „Militarisierung der australischen Geschichte5.

Im Rahmen dieser Untersuchung steht der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur im Zentrum des Erkenntnisinteresses, d. h. der Wandel der geschichtskulturellen Objektivationen, die während und in Folge des Ersten Weltkrieges in Australien entstanden sind. Diese sind sehr unterschiedlicher Natur, doch was sie verbindet, ist die schon während des Krieges entstandene dominante Meistererzählung, der Anzac-Mythos, und dessen konjunkturelle Entwicklungen, die sich in Form der Entstehung neuer bzw. der Veränderung bestehender geschichtskultureller Objektivationen spiegeln.

Der amerikanische Diplomat George F. Kernan bezeichnete den Ersten Weltkrieg6 oder The Great War7, wie er im englischsprachigen Raum heißt, als „the great seminal catastrophe of this century“8. Seinen Ursprung hatte der Konflikt zwar in Europa, doch weitete er sich schnell zu einem globalen Konflikt aus und kostete ungefähr 10 Millionen Menschen das Leben.9 In der Geschichtskultur der ehemaligen Kriegsteilnehmer ist der Krieg jedoch sehr unterschiedlich repräsentiert. Während er im Gedenken in Australien, Großbritannien oder Frankreich noch sehr präsent ist, scheint er in Deutschland – trotz gelegentlicher Erinnerungshöhepunkte, wie z. B. 200410 und ← 10 | 11 → 2014 – weitgehend historisiert, was die öffentliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit angeht.

Das Beispiel des Ersten Weltkrieges verdeutlicht, dass historische Ereignisse einen höchst unterschiedlichen Stellenwert in nationalen Geschichtskulturen einnehmen können, da der Blick auf die Geschichte, je nach Perspektive und Zeitrahmen, veränderlich ist. Hierfür ist, so Karl-Ernst Jeismann, vor allem die „Dreidimensionalität“ des Geschichtsbewusstseins – auf methodischer und zeitlicher Ebene – verantwortlich.11 In methodischer Hinsicht können „sehr unterschiedliche Beziehungen zwischen Sachverhalt, Sachurteil und Werturteil hergestellt“12 werden, was sich in einer Vielzahl von Deutungen der Vergangenheit ausdrückt. Gleichzeitig wird auf zeitlicher Ebene die Orientierung im Zusammenhang von „Vergangenheitsdeutung, Gegenwartsverständnis und Zukunftserwartung“13 ermöglicht.

Auf Jeismanns Definition bauten Jörn Rüsen14 und Bernd Schönemann15 auf und entwickelten das geschichtsdidaktische Forschungsparadigma „Geschichtskultur“, das die theoretisch-methodische Grundlage dieser Untersuchung bildet. Mit Hilfe der Verbindung dieser beiden Konzeptionen können Manifestationen des zeitgenössischen Geschichtsbewusstseins analysiert und ihre Entstehung und Entwicklung im Zusammenhang mit geschichtskulturellen Kommunikationsprozessen verdeutlicht werden. Die Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur spiegelt das Ringen der geschichtskulturellen Institutionen, wie der Geschichtswissenschaft oder der Politik, sowie der Professionen, d. h. z. B. der Historiker oder Journalisten, um die Deutungshoheit bei der Erschaffung einer sozialen Identität wider, welches sich in kulturellen Objektivationen ← 11 | 12 → manifestiert hat, die je nach ihrer Entstehungszeit Rückschlüsse auf den vorherrschenden Zeitgeist zulassen.16

Über die Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur kann aber auch die Suche der australischen Nation als imagined community17 nach einer historischen Identität18, als Quelle der Selbstidentifiktion und der Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen beschrieben werden. Der Zusammenhang von Geschichte und Identität, der vor allem durch Sozialisation entsteht, ist von herausragender Bedeutung, da sich die Diskussionen um den Ersten Weltkrieg und den mit ihm eng verbundenen Anzac-Mythos, bzw. die Anzac Legend, wie die Meistererzählung in Australien genannt wird, immer eng um die Frage drehen, was es bedeutet, „australisch“ zu sein.19

Der Untersuchung liegt der semiotische Kulturbegriff Clifford Geertz’ zu Grunde, der Kultur als „interworked systems of construable signs“20 begreift, „not a power, something to which social events, behaviours, institutions, or processes can be causally attributed“, sondern als einen „context, something within which they can be intelligibly – that is thickly – described.” Im größeren Kontext „Kultur“ ist Geschichtskultur eines der „webs of significance […] [die der Mensch] himself has spun“, weshalb ihre Untersuchung „an interpretive one in search of meaning“ ist. Es geht um die „thick description“21 der „socially established code[s]“, die das Bedeutungsgewebe „Geschichte“ konstruieren.

Zentral ist Jörn Rüsens Definition von Geschichtskultur als „praktisch wirksame Artikulation von Geschichtsbewusstsein im Leben einer Gesellschaft“22, d. h. dass jede Gesellschaft, in diesem Fall die australische, je nach ihrem historischen Hintergrund, eigene Geschichtskulturen ausbildet. Diese werden in den jeweiligen „Manifestationen eines übergreifenden ← 12 | 13 → Umgangs mit Vergangenheit“23 und als „Prozeduren der öffentlichen historischen Erinnerung“ sichtbar und erforschbar. Sie sind gleichzeitig Ausdruck der Tatsache, dass sich der Mensch sinnvoll in der Zeit verorten muss.24 Geschichtskultur bezeichnet also die Wechselwirkung von Geschichtsbewusstsein als mentaler Struktur, in dem historische Erinnerung stattfindet, und dessen Objektivationen in den verschiedenen kulturellen Dimensionen. Rüsen unterscheidet dabei drei Dimensionen der Geschichtskultur: die ästhetische, politische und die kognitive, die allerdings nicht vollständig isoliert voneinander betrachtet werden können, da sie sich gegenseitig durchdringen und wechselseitigen Instrumentalisierungstendenzen unterliegen.25 Während die kognitive Dimension bei Rüsen vor allem die Geschichtswissenschaft umfasst, sind der ästhetischen Dimension Objektivationen zuzuordnen, die künstlerische Form besitzen. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf der ausgeprägten Denkmalskultur Australiens und künstlerischen Formen wie Film, Drama, Roman und Poesie. Die politische Dimension, die vor allem der Legitimation von Herrschaft dient, umfasst z. B. Gedenktage und den staatlichen Geschichtsunterricht. In Bezug auf Letzteren ist eine methodische Analyse der Darstellung des Ersten Weltkrieges in zeitgenössischen australischen Schulgeschichtsbüchern unerlässlich. Eine solche Analyse ist bisher noch nicht unternommen worden. Zentral bei der Beschreibung der australischen Geschichtskultur ist außerdem die Geschichtspolitik seit den frühen 1990er Jahren, die in den History Wars gipfelte, bei denen es sich um öffentliche Debatten über die Präsentation der australischen Geschichte im Unterricht, den Schulgeschichtsbüchern, Ausstellungsstücken in Museen oder Gedenktagen handelte, und die die australische Gesellschaft so stark polarisierten, dass ihre Nachwirkungen bis heute zu spüren sind.26

Rüsens Konzept wurde von Bernd Schönemann ergänzt, der Geschichtskultur als ein soziales System versteht, welches durch kulturell durchformte Kommunikation entsteht, wobei Geschichte als Bedeutung erzeugt wird ← 13 | 14 → und ein kulturelles Gedächtnis entsteht.27 Die drei Dimensionen Rüsens hat Bernd Schönemann um vier weitere ergänzt: die institutionelle, die professionelle, die mediale und die adressaten- oder publikumsspezifische, mit denen der Prozess der geschichtskulturellen Kommunikation zwischen den Dimensionen Rüsens analysierbar wird. Wichtig ist Schönemanns Betonung der „diachronen Tiefe“28 der Geschichtskultur, da sie „historisierbar und historisierungsbedürftig“ ist. Diese Historisierbarkeit der Geschichtskultur ermöglicht die diachrone Untersuchung geschichtskulturellen Wandels am Beispiel so unterschiedlicher Objektivationen wie der Historiographie, Denkmalen, Filmen oder Gedenktagen, wobei gezeigt werden kann, wie diese durch den geschichtskulturellen Kommunikationsprozess miteinander in Verbindung stehen.

In Bezug auf diesen Kommunikationsprozess unterliegen historische Ereignisse und mit ihnen historisch-politische Mythen Konjunkturen, die die ideelle wie materielle Nachfrage nach Manifestationen des Geschichtsbewusstseins widerspiegeln, und die sich analog zur Terminologie der volkswirtschaftlichen Konjunkturtheorie in vier Phasen einteilen lassen: In der ersten Phase, dem Aufschwung, nimmt die Bedeutung eines Ereignisses im Geschichtsbewusstsein großer Teile der Bevölkerung zu, bis in der zweiten Phase ein Boom erreicht wird, bevor dann in der dritten Phase wieder ein Abschwung einsetzt, der dann in ein Tief führt.29

Empirisch gestützt wird die Darstellung der australischen Geschichtskultur durch die 2003 veröffentlichte Studie Australians and the Past30, die der Fragestellung folgte, wie Australierinnen und Australier ihre Vergangenheit wahrnehmen und in welcher Form sie sich mit ihr beschäftigen. Ziel der Studie waren somit nicht die Produzenten, sondern die Rezipienten bzw. Konsumenten von Geschichtskultur. Anhand dieser Studie lässt sich z. B. die Bedeutung von Gedenktagen einschätzen. Studien zur ethnischen Herkunft der australischen Bevölkerung zeigen, dass der Großteil der Australier bis ← 14 | 15 → heute anglo-keltische31 Wurzeln besitzt.32 Zwar sank der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe durch Immigration kontinuierlich von ca. 90 % im Jahre 1947 auf ca. 70 % im Jahr 1999 und wird voraussichtlich weiter sinken, doch wird sie auf absehbare Zeit immer noch die Bevölkerungsmehrheit stellen. Dies legt nahe, dass diese Gruppe die Deutungseliten stellt, die die nationale Geschichtskultur maßgeblich beeinflussen.33

Geschichtskultur ist nicht das einzige Konzept, welches sich mit dem Umgang der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit beschäftigt. Allerdings hat in der historischen Erinnerungsforschung kaum eine ernsthafte Beschäftigung mit dem geschichtsdidaktischen Forschungskonzept „Geschichtskultur“ stattgefunden.34 In der Geschichtsdidaktik war es vor allem Bernd Schönemann, der sich intensiv mit den Konzepten „Vergangenheitspolitik“35 von Norbert Frei, „Geschichtspolitik“36 von Edgar Wolfrum, „Erinnerungskultur“37 von Christoph Cornelißen und der These vom „imperial overstretch der Geschichtsdidaktik“ Martin Sabrows38 beschäftigt hat.39 Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem von Jan und Aleida Assmann entwickelten kulturwissenschaftlichen Konzept der Erinnerungskultur(en) findet sich beispielsweise bei Wolfgang Hasberg, der einen Versuch der Darstellung und der Abgrenzung von der Geschichtskultur vorgenommen hat.40 ← 15 | 16 →

In den Kulturwissenschaften, so auch in der Geschichtswissenschaft, hat sich seit Ende der 1980er Jahre der Begriff des „kollektiven Gedächtnisses“ bzw. der „Erinnerungskultur(en)“ etabliert.41 Für den Boom der Beschäftigung mit Erinnerung in Fachgebieten wie Psychologie, Geschichte, Kunst und Literaturwissenschaft werden verschiedene Ursachen angegeben:42 Zunächst einmal schuf die Computerisierung der Gesellschaft neue, beinahe unbegrenzte Speichermöglichkeiten und somit ein künstliches Gedächtnis, welches den Vergleich mit dem menschlichen geradezu herausforderte und den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Kultur ins Zentrum des Interesses rückte. Der zweite und wichtigere Grund ist das Verschwinden der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust und damit das Bewusstwerden, sich in einer Phase zu befinden, in der „die lebendige Erinnerung vom Untergang bedroht [ist] und die Formen kultureller Erinnerung zum Problem werden“43.

Grundlegend für das Paradigma der „Erinnerungskultur(en)“ sind die Begriffe „Gedächtnis“ und „Erinnerung“ sowie deren Form und Funktion.44 In den Kulturwissenschaften, auch in der Geschichtsdidaktik, hatte Jan Assmanns Konzept des „kulturellen Gedächtnisses“45 durchschlagende Wirkung. Allerdings hat sich im Laufe der Forschungsgeschichte des Forschungsfeldes „Erinnerungskultur(en)“ eine schwer zu überblickende Pluralität der Ansätze ergeben.

Es gibt verschiedene zentrale Elemente, die Erinnerungs- und Geschichtskultur unterscheidbar machen, und die die Verwendung des Forschungsparadigmas „Geschichtskultur“ in diesem Rahmen rechtfertigen.46 So differenziert Aleida Assmann zwischen Erinnerungskultur und historischem Wissen, indem sie die Bindung von Erinnerungen an gegenwärtig existente, konkrete Personen und Gruppen, welche sich mit den erinnerten Geschichten identifizieren können, zum entscheidenden Kriterium erklärt47, was je ← 16 | 17 → doch den Untersuchungszeitraum auf die synchrone Ebene der Erinnernden einengt und – im Gegensatz zum Forschungskonzept „Geschichtskultur“ – eine Untersuchung einer Entwicklung über mehrere Generationen hinweg ausschließt. Erinnerungskultur ist an die sich erinnernde Generation gebunden und nicht historisierbar.

Der entscheidendere Aspekt ist allerdings, dass Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur als Gegensätze begriffen werden. Dies verdeutlicht Aleida Assmann durch die Zuordnung des „bewohnten“ Funktionsgedächtnisses, welches die Basis der Erinnerungskultur bildet und dem „Gruppenbezug, Selektivität, Wertbindung und Zukunftsorientierung“48 zugeschrieben werden. Das „unbewohnte“ Speichergedächtnis hingegen, welches jeglicher Vitalität entbehrt, wird der Geschichtswissenschaft zugeordnet. Die Charakteristika, die dieses Gedächtnis besitzt, widersprechen fundamental dem Verständnis von Geschichte als rekonstruierter, standortgebundener Vergangenheit: So sei das „Speichergedächtnis […] losgelöst von einem spezifischen Träger“, trenne „radikal Vergangenheit von Zukunft ab“, messe allem den gleichen Stellenwert bei und ermittle „Wahrheit“, bei gleichzeitiger Suspendierung von Werten und Normen. Jan Assmann fasste sich etwas kürzer: „Man muss sich darüber klar werden, dass Erinnerung nichts mit Geschichtswissenschaft zu tun hat. Von einem Professor der Geschichtswissenschaft erwartet man nicht, dass er ‚die Erinnerung füllt, die Begriffe prägt, und die Vergangenheit deutet‘.“49 Diesem „positivistischen, gelegentlich substanzialistischen Geschichtsbegriff“50 innerhalb des Diskurses über die „Erinnerungskultur(en)“ steht der konstruktivistische Geschichtsbegriff der Geschichtswissenschaft diametral gegenüber.

Das Forschungskonzept „Geschichtskultur“ hingegen ermöglicht es, neben den politischen und ästhetischen Manifestationen des Geschichtsbewusstseins, auch die kognitive Dimension zu beleuchten, deren Bestandteil die Geschichtswissenschaft ist, und macht auch die Intentionen historischen Denkens deutlich, welches als Orientierungsdenken definitiv „eine zukunftsgerichtete Komponente“ besitzt, die durch „Handlungs- oder Orientierungsbedürfnisse von Individuen oder Kollektiven“ entsteht. ← 17 | 18 →

Für die Geschichtswissenschaft attestieren Vadim Oswalt und Hans-Jürgen Pandel den „,Erinnerungskultur(en)’ “51, dass sie „seit den 1990er Jahren einen zentralen Schwerpunkt der fachwissenschaftlichen Forschung“ bilden. Pandel und Oswalt sehen den zentralen Unterschied zwischen den Erinnerungskulturen und der Geschichtskultur vor allem darin, dass „Erinnerungskulturen […] jeweils durch ihre sozialen Trägergruppen gekennzeichnet sind, die durch bestimmte soziale Milieus, Generationen u. ä. definiert sind“52, während auf der anderen Seite Geschichtskultur vor allem „Teil einer ,Vergangenheitsbewältigungskultur’ “53 sei, da sie vor allem durch ihre Objektivationen repräsentiert werde.54 Allerdings ist dieses Verständnis verkürzt, da schon allein der in diesem Kontext durchaus polemisch anmutende Terminus der „Vergangenheitsbewältigungskultur“ begrifflich aufgrund der Bedeutung des Terminus „Vergangenheitsbewältigung“ nicht zutreffend ist.55 Vom unzutreffenden Begriff der „Vergangenheitsbewältigungskultur“ einmal abgesehen, bedeutet dies auch für die Definition der Erinnerungskulturen nichts Neueres als einen neuen Bezug auf die cadres sociaux Maurice Halbwachs’, auf den sich auch Jan Assmann bezieht, wenn er sie als gruppenbezogen und sozial verpflichtend beschreibt56. Die negative Stoßrichtung der Definition Pandels und Oswalts scheint die Handschrift Hans-Jürgen Pandels zu tragen, der schon 1996 ein äußerst negatives Verständnis von Geschichtskultur bewies, als er behauptete: „Fiktionen, Mythen, Legenden und Wissenschaftswissen vermischen sich zu einer Einheit, die wir Geschichtskultur nennen.“57

Geschichtskultur hingegen beinhaltet nach den Definitionen Rüsens wie Schönemanns sowohl das soziale Element als auch die Objektivationen sowie über die Verbindung mit dem Geschichtsbewusstsein die mentalen ← 18 | 19 → Strukturen, die für die Ausprägung der Geschichtskultur verantwortlich sind. Einer der großen Vorteile des Forschungskonzeptes „Geschichtskultur“ ist, dass es die beiden Kategorien „Erinnerung“ und „Gedächtnis“ verbinden kann.

Geschichtskultur als kulturwissenschaftliches Konzept erfüllt darüber hinaus sowohl die Forderung Doris Bachmann-Medicks nach „methodischen Ansätzen, die im anhaltenden Boom der Kulturwissenschaften zunehmend verflacht und in Vergessenheit geraten sind“58, als auch die Ansgar und Vera Nünnings nach „fachspezifischen Standards, Methoden und Kompetenzen“59. Es zeichnet sich außerdem durch eine hohe integrative Kraft aus, da es Konzepte wie z. B. das kulturelle Gedächtnis oder die Geschichtspolitik aufnehmen kann.

Im Rahmen des Forschungskonzeptes „Geschichtskultur“ lassen sich so die beiden Kategorien „Erinnerung“ und „Gedächtnis“ verbinden und intentionale wie nicht intentionale Modi der historischen Erinnerung erfassen. Als einziges der genannten Konzepte ermöglicht es über die diachrone wie synchrone Analyse geschichtskultureller Objektivationen, die Teil des kulturellen Gedächtnisses einer Gesellschaft sind, Aussagen über die Repräsentation und die Bedeutung historischer Ereignisse im Geschichtsbewusstsein zu treffen. Ihre Operationalisierbarkeit ist darüber hinaus die zentrale Stärke der Geschichtskultur.60

Der Erste Weltkrieg spielt eine besondere Rolle in Australien und gilt als einer der Wendepunkte in der nationalen Geschichte.61 Dabei ist die Geschichte Australiens, die europäischen Vorstellungsmustern entspricht, verhältnismäßig jung: Denn während die indigene Bevölkerung das Land schon vor ca. 40 000 bis 60 000 Jahren besiedelte62, begann die Geschichte der europäischen Kolonisation Australiens erst mit der Gründung einer ← 19 | 20 → Strafgefangenenkolonie im Jahre 1788.63 Die Besiedelung erfolgte als überseeische Siedlungskolonie des neuenglischen Typs, d. h. die Wirtschaftsform war agrarisch geprägt, wobei sich die Arbeitskräfte aus den Familien der Siedler bzw. aus Strafgefangenen rekrutierten, und die indigene Bevölkerung wurde verdrängt.64 Der australische Nationalstaat wiederum wurde erst 1901 gegründet, als die australischen Kolonien zum Commonwealth of Australia föderierten.

Die späte Gründung des Nationalstaates ist einer der Gründe, warum der Erste Weltkrieg – d. h. vor allem die Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 – schnell eine herausgehobene Stellung in der australischen Geschichtskultur erlangte, da er als „Feuertaufe“ der damals noch jungen Nation wahrgenommen wurde. Dies wird besonders eindrucksvoll erfahrbar durch die zahlreichen Denkmale, die den Gefallenen dieses Krieges in beinahe jedem australischen Ort an zentraler Stelle errichtet wurden. Beim Blick auf den Kalender fällt auf, dass Australien zwei Gedenktage besitzt – Anzac und Remembrance Day –, die ihren Ursprung im Gedenken an den Ersten Weltkrieg haben. Dessen bedeutende Stellung im australischen Geschichtsbewusstsein erklärt sich auch daraus, dass der Erste Weltkrieg bis heute der verlustreichste Krieg in der australischen Geschichte ist.65 Die hohe Zahl an Opfern wirkte schon während, aber vor allem nach dem Krieg traumatisch auf die Gesellschaft, was die Entstehung geschichtskultureller Objektivationen förderte.66

Der Erste Weltkrieg war gleichzeitig der Ursprung des Anzac-Mythos, eines historisch-politischen Mythos67, und der bis heute dominanten narrativen Version der Geschichte des Ersten Weltkrieges, der eigene Symbo ← 20 | 21 → le ausbildete68, die das Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier stimulieren und die sich in den geschichtskulturellen Objektivationen manifestiert haben. Der Mythos knüpft an weitere historisch-politische Deutungsmuster an69 und ist Teil populärer Vorstellungen von einem australischen Nationalcharakter.70 Jedes Jahr am Anzac Day und den mit ihm verbundenen Gedenkfeiern wird seine emotionale wie politische Kraft deutlich, durch die der Mythos eine große Wirkung auf die australische politische Kultur und die Gesellschaft entfaltet.71 Die diachrone Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur ermöglicht es aber auch, einen Einblick in den Prozess des australischen nation-building sowie in die Suche der post-kolonialen Nation nach einer einigenden nationalen Identität im Kontext einer aus Europa importierten Kultur zu gewinnen.72

Der Begriff ANZAC ist ursprünglich das Akronym für das Australian and New Zealand Army Corps, welches nach der Zusammenlegung der Australian Imperial Force (AIF) und der New Zealand Intervention Force im Jahre 1915 entstand.73 Zunächst wurden die Soldaten, die an der Invasion der Gallipoli-Halbinsel teilgenommen hatten als Anzacs bezeichnet, später alle Veteranen des Ersten Weltkrieges. Heute weckt der Begriff eine Vielfalt von weiteren Assoziationen, die vor allem mit Wertvorstellungen wie Tapferkeit, Opferbereitschaft oder Mateship, dem australische Ausdruck für Kameradschaft, verbunden sind.

Die Geschichte Australiens im Ersten Weltkrieg ist sehr gut erforscht, so dass auf eine Fülle von Quellen und fachwissenschaftlicher Literatur zurückgegriffen werden kann.74 Allerdings wies die Historikerin Joan Be ← 21 | 22 → aumont 2007 auf ein Phänomen hin, das die australische Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg prägt: „It is striking in Australian history of war how often one or two authors dominate the field. It is as if there is an informal consensus that one book on a subject is enough.”75 In Bezug auf die Darstellungen des Ersten Weltkrieges ist dies heute vor allem an der anhaltenden Bedeutung der von Charles Edwin Woodrow Bean, dem offiziellen Kriegshistoriker, teils verfassten und teils von ihm herausgegeben Official History of Australia in the War of 1914–191876 ersichtlich, die gleichzeitig aber auch eine der wichtigsten Quellen zum Anzac-Mythos darstellt. Diese Dominanz erklärt auch den Mangel an Gesamtdarstellungen des Ersten Weltkrieges seitens der australischen Geschichtswissenschaft, wobei Journalisten diese Lücke sehr erfolgreich ausgefüllt haben, wie die beiden sehr umfangreichen Monographien Les Carlyons belegen.77 Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch die 2002 veröffentlichte Monographie Daniel Marc Segessers Empire und Totaler Krieg78, in der er sich mit Australien im Ersten Weltkrieg beschäftigt hat.

Im Rahmen des Forschungskonzeptes „Geschichtskultur“ bietet der diachrone Blick auf den Bedeutungswandel von Gedenktagen, wie in diesem Fall Anzac Day, ebenso einen Einblick, in die Formen der historischen Erinnerung der jeweiligen Gegenwart. Anhand des Bedeutungswandels des Anzac Day kann die dynamische Natur der Geschichtskultur verdeutlicht werden.79 Die Zentren der am Anzac Day vollzogenen Rituale sind die ← 22 | 23 → lokalen und staatlichen Kriegsdenkmale80 sowie das Nationaldenkmal, das Australian War Memorial (AWM) in Canberra. Die Erforschung australischer Kriegsdenkmale und des Anzac-Mythos ist vor allem mit dem Namen Ken Inglis verbunden.81 Von besonderer Bedeutung sind das AWM in Canberra, das bis heute eine der wirkmächtigsten geschichtskulturellen Institution ist, sowie das Anzac War Memorial in Sydney und der Shrine of Remembrance82 in Melbourne, die beide Staatsdenkmale sind.

Literarisch fand der Erste Weltkrieg seinen Ausdruck in Dramen und Romanen.83 Für die Untersuchung wurden neben den beiden in den 1930er Jahren entstandenen Romanen Flesh in Armour84 von Robert Mann und Somme Mud85 von Edward P.F. Lynch, der allerdings erst 2006 veröffentlicht wurde, Roger McDonalds und David Maloufs 1979 bzw. 1982 erschienene Romane 191586 und Fly Away Peter87 ausgewählt. Hinzu kommen die beiden Dramen The One Day of the Year88 von Alan Seymour, das bei seiner Erstaufführung 1960 einen „Kulturschock“ auslöste, und Clem Gormans 1978 erstmalig aufgeführtes Stück A Manual to Trench Warfare89. Die Auswahl rechtfertigt sich vor allem wegen ihrer repräsentativen Funktion für den jeweils vorherrschenden Zeitgeist sowie aufgrund ihrer Popularität. ← 23 | 24 →

In den 1980er Jahren tritt der Anzac-Mythos in eine Phase der geschichtskonjunkturellen Hochkonjunktur ein, wofür Spielfilme mit historischem Inhalt maßgeblich verantwortlich sind. Vor allem Peter Weirs Gallipoli, der 1981 in Australien in die Kinos kam, besitzt bis heute unangefochtenen Kultstatus und bildet den Höhepunkt von Unterrichtseinheiten zum Ersten Weltkrieg.90 Der Film feierte große internationale Erfolge und gehört zu den populärsten Filmen in Australien. Simon Wincers The Lighthorsemen, der 1988 versuchte, an Weirs Erfolg anzuknüpfen, war wesentlich weniger erfolgreich, was auch daran ersichtlich ist, dass es kaum wissenschaftliche Publikationen gibt, die sich mit ihm beschäftigen. Die zentrale filmhistorische Analyse des Ersten Weltkrieges und des Anzac-Mythos im Medium Film ist David Reynauds Studie Celluloid Anzacs. The Great War through Australian Cinema91, in der er verschiedene zwischen 1914 und 1996 entstandene Filme sowie deren Rezeptionskontext untersucht hat. Insbesondere Gallipoli zog jedoch eine Reihe von Publikationen nach sich und wird bis heute oftmals auch in der Historiographie und im Zusammenhang mit dem Wiedererstarken des Anzac-Mythos erwähnt.92 2010 kam mit Jeremy Sims Beneath Hill 60 ein neuer australischer Erstweltkriegsfilm in die Kinos, der ebenfalls in dieser Untersuchung berücksichtigt wird.

Die politische Dimension der Geschichtskultur, die vor allem der Legitimation von Herrschaft dient, umfasst auch den staatlichen Geschichtsunterricht. Besondere Beachtung verdient hier Anna Clarks Studie History’s Children93, in deren Rahmen sie vor allem Schülerinnen und Schüler zu ihrer Einstellung zum Geschichtsunterricht in Australien befragt hat. In Australien selbst gibt es allerdings kaum Schulbuchuntersuchungen. Dies liegt daran, dass sich die dortige geschichtsdidaktische Forschung auf didaktisch-methodische Aspekte, die Änderungen der Curricula und die Wechselwirkungen von Politik und Geschichtsunterricht konzentriert hat.94 Eine Ausnahme bietet die diachrone Untersuchung Graeme Davisons, der ← 24 | 25 → anhand der Konzeption von Schulbüchern auf die zeitgenössischen Strömungen des Verständnisses von Geschichte sowie ihrer didaktischen Vermittlung rückschließt.95 Eine Analyse der Darstellung des Ersten Weltkrieges in zeitgenössischen australischen Schulgeschichtsbüchern ist bisher allerdings noch nicht unternommen worden.

Das Hauptziel dieser Untersuchung ist es also darzustellen, wie sich das Geschichtsbewusstsein in Bezug auf den Ersten Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur verobjektiviert hat bzw. wie sich die Objektivationen über die Zeit hinweg gewandelt haben. Im Zentrum der Arbeit steht die Klärung der Frage, warum der Erste Weltkrieg im Australien des 21. Jahrhunderts eine so prominente Rolle spielt und wie sich diese ausdrückt, was zu einem besseren Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens führen soll. Der Blick soll, über Europa hinaus, das Verständnis für die Präsentation historischer Ereignisse in außereuropäischen Geschichtskulturen fördern. Die Studie rechtfertigt sich außerdem aus der Tatsache, dass es zwar viele Einzelstudien gibt, die den Ersten Weltkrieg bzw. dessen Perzeption in Australien zum Gegenstand haben, aber keine umfassendere Untersuchung, die versucht, einen größeren Bogen zu spannen und ein Bild vom gegenwärtigen Zustand der Repräsentation des Ersten Weltkrieges in der australischen Geschichtskultur zu zeichnen. Die Arbeit versucht nicht zuletzt, ein besseres Verständnis der australischen Kultur zu ermöglichen, denn – so der Historiker Bill Gammage –, „today no one can hope to understand Australia and New Zealand without making some attempt to learn what Gallipoli was about.“96 ← 25 | 26 → ← 26 | 27 →


1         Horaz, Carmina 3,2,13. In: Horaz, Sämtliche Werke, S. 112, die deutsche Übersetzung lautet: „Süß ist’s und ehrenvoll für’s Vaterland zu sterben“, ebd., S. 11. Die vollständigen Angaben zur Forschungsliteratur, den verwendeten Quellen, Dramen, Romanen, Filmen und Gedichten befinden sich in der Bibliographie dieser Arbeit.

2         Vgl. Mommsen, Der Erste Weltkrieg, S. 19.

3         Zitiert nach Müllereisert, Augsburger Anekdoten, S. 18, nachfolgendes Zitat ebd.; vgl. auch Riedel, Zwischen Ideologie und Kunst, S. 394.

4         Vgl. Owen, Dulce et decorum est, In: Walter, Penguin Book of First World War Poetry, S. 141 f.

5         Zur Militarisierung der australischen Geschichte vgl. den 2010 erschienen Sammelband Lake / Reynolds, What’s Wrong with Anzac.

6         Zu den deutschen Publikationen zum Ersten Weltkrieg vgl. exemplarisch Berghahn, Der Erste Weltkrieg, Mommsen, Der Erste Weltkrieg; oder Salewski, Der Erste Weltkrieg. Hervorzuheben ist Hirschfeld / Krumeich / Renz, Enzyklopädie.

7         Zentrale englischsprachige Publikationen sind Keegan, First World War; und Stevenson, History, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie den Blick über den eigenen nationalgeschichtlichen Rahmen hinaus erweitert haben und z. B. auch den Krieg gegen das Osmanische Reich oder in Afrika darstellen.

8         McKennan, Decline, S. 3.

9         Vgl. Keegan, First World War, S. 3.

10       Vgl. Arand, Geschichtskultur des Ersten Weltkrieges, S. 1 f.; und Mommsen, Der Erste Weltkrieg, S. 7.

11       Jeismann, Geschichtsbewusstsein als zentrale Kategorie, S. 63–65.

12       Ebd., S. 64.

13       Ebd., S. 65.

14       Vgl. z. B. Rüsen, Was ist Geschichtskultur; Rüsen, Jörn: Geschichtskultur. In: GWU 46 (1995); oder Rüsen, Geschichtskultur. In: Bergmann / Fröhlich / Kuhn / Rüsen / Schneider, Handbuch.

15       Vgl. z. B. Schönemann, Geschichtsdidaktik und Geschichtskultur; Schönemann, Geschichtskultur als Wiederholungsstruktur; oder jüngst Schönemann, Imperial overstretch.

16       Zum Begriff der sozialen Identität vgl. Bergmann, Identität, S. 23.

17       Zum Begriff der imagined community vgl. Anderson, Imagined Communities, S. 5–7.

18       Zur historischen Identität vgl. Bergmann, Identität, S. 25; und Rüsen, Was ist Geschichtskultur, S. 10 f.

19       Vgl. Elder, Being Australian, 246–253.

20       Geertz, Thick Description, S. 5, nachfolgende Zitate ebd.

21       Ebd., S. 6.

22       Rüsen, Was ist Geschichtskultur, S. 5.

23       Ebd., S. 4, nachfolgendes Zitat ebd.

24       Ebd., S. 6 f.

Zusammenfassung

Der Autor untersucht die übergeordnete Rolle, die der Erste Weltkrieg in der «kurzen» Geschichte Australiens spielt. Dieser Krieg und der in seiner Folge entstandene Anzac-Mythos besitzen seit der Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 eine herausgehobene Stellung im Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier. Das Buch zeigt auf, wie sich dies in der Geschichtskultur des Landes manifestiert hat. Der Autor analysiert den diachronen Wandel der Objektivationen des Geschichtsbewusstseins (beispielsweise Gedenktage, Denkmale oder Filme) und ermöglicht so ein besseres Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens.

Details

Seiten
416
ISBN (PDF)
9783653068887
ISBN (ePUB)
9783631694763
ISBN (MOBI)
9783631694770
ISBN (Buch)
9783631672785
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (August)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2016. 416 S., 8 farb. Abb., 1 s/w Abb.

Biographische Angaben

Fabian Münch (Autor:in)

Fabian Münch war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte mit dem fachlichen Schwerpunkt Neuere und Neueste deutsche und europäische Geschichte an der Universität Vechta und wurde dort am Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften promoviert.

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Titel: Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur