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IT-Entwicklungen im Gesundheitswesen: Herausforderungen und Chancen

von Indra Spiecker gen. Döhmann (Band-Herausgeber:in) Astrid Wallrabenstein (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 185 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Telematik im Gesundheitswesen
  • Ersetzungsverhältnisse in der Robotik – Die Perspektive der Technikfolgenforschung
  • BrainLinks-BrainTools: Intelligent Neurotechnological Systems for Healthcare
  • Zur Steuerung technischer Entwicklungen durch Recht und Moral – am Beispiel der Informationstechnik in der Medizin –
  • Die arbeitsteilige Bearbeitung von Gesundheitsdaten und Datenverantwortung
  • Cyborgs im Gesundheitswesen: Verfassungs- und sozialrechtliche Implikationen von IT-Enhancement
  • Gefühlsdatenschutz
  • Apps, Bewertungsportale und mehr: Zusammenfassung, Ausblick und Schlusswort
  • Autorenverzeichnis

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Astrid Wallrabenstein

Einleitung

Dass technische Innovationen, allen voran die moderne Datenverarbeitungstechnik, unsere Welt verändern, ist keine neue Erkenntnis. Konsequenterweise macht diese geradezu revolutionäre Veränderung auch vor dem Gesundheitswesen nicht halt. Und mehr noch: Da medizinischer Fortschritt untrennbar mit technischer Innovation verbunden ist und technische Innovation ihrerseits untrennbar mit moderner Informationstechnologie, treiben Veränderungen im Gesundheitswesen auch die IT-Innovationen an. Auf der anderen Seite ist Gegenstand des Gesundheitswesens doch immer der behandlungsbedürftige und zu behandelnde Mensch, so dass es in den Worten des Datenschutzes praktisch ausschließlich um personenbezogene und vor allen Dingen auch viele besonders persönlichkeitsrelevante Daten geht. Damit ist das Gesundheitswesen in doppelter Form ein exzellentes Feld zur Erforschung der Wechselbezüge zwischen IT-Innovation und den sich daraus ableitenden rechtlichen Fragen zum Schutz des Einzelnen, aber auch zur normativen und regulativen Steuerung dieses Feldes.

Deshalb hat sich das Institut für europäische Gesundheitspolitik und Sozialrecht im Frühjahr 2015 diesem Themenfeld gewidmet. Auffällig ist, dass genuin aus dem Bereich des Gesundheitswesens bisher eher nur institutionelle Fragen wie etwa die um die Gesundheitskarte intensiver diskutiert wurden. Umso fruchtbarer ist gerade in diesem Bereich eine nicht nur inter- sondern auch eine intradisziplinäre wissenschaftliche Herangehensweise. Zu diesem Zweck konnten für diesen Band nicht nur hochrangige Experten der Informationstechnik und Datenverarbeitung gewonnen werden. Ebenso haben namhafte Rechtswissenschaftler ihre oft aus dem Umweltrecht gewonnenen Perspektiven auf den Datenschutz sowie das Technikfolgenrecht eingebracht. Der vorliegende Band unternimmt damit den Versuch, verschiedene Informationstechnikzugänge auf das Gesundheitswesen zusammen zu führen. Sowohl die Telematik als auch die Robotik bieten für das Gesundheitswesen und die Gesundheitsversorgung Möglichkeiten, die noch in keiner Weise systematisch erfasst sind. Mit diesen beiden Stichworten ist zum einen die Informations- und Datenübermittlung über große Distanzen in mehr oder weniger Echtzeit und zugleich die Aggregation großer Datenmengen als Informationspool für die verschiedensten Anwendungen bei der Gesundheitsversorgung angesprochen. Dass auf diese Weise Versorgung von ← 7 | 8 → Patienten auch ohne unmittelbaren Arztkontakt und dadurch auch ohne das Vorhalten von Praxen oder Krankenhäusern in der räumlichen Nähe zu den Versicherten zumindest denkbar ist, aber zugleich eine Therapiesteuerung und das Therapiemonitoring zahlreiche ethische, praktische und auch rechtliche Fragen aufwirft, ist der eine Aspekt. Ein anderer Aspekt ist, welche Chancen und Risiken der Einsatz intelligenter Systeme bei der Gesundheitsversorgung bietet. Etwa für den Pflegebereich stehen Autonomiegewinne für die Patienten und Risiken der Technizität einander gegenüber. Insbesondere in ethischer aber auch in rechtlicher Hinsicht sind Fragen des auch IT-gestützten Enhancements, also der Behandlung nicht aufgrund von Krankheit, sondern zur Verbesserung oder Optimierung medizinisch gesunder Menschen, erst gerade als Fragestellung entdeckt.

Dass sich unabhängig von der konkreten Veränderung, die die Informationstechnologie für Patienten hervorruft, auch die Forschungs- und Steuerungskapazitäten im Gesundheitswesen grundlegend dadurch verändern, dass Daten elektronisch erfasst und damit mehr oder weniger ubiquitär verfügbar und aggregierbar erscheinen, bietet ebenfalls sowohl Chancen als auch Risiken. Die bereits angesprochene Gesundheitskarte ist der Bereich, der gesundheitspolitisch am weitesten durchdrungen ist. Andere Fragen im Kontext von Big Data werden bisher eher im Ausland wahrgenommen, wie etwa in Großbritannien, das durch sein nationales Gesundheitssystem eine noch im Gegensatz zu Deutschland einfachere Möglichkeit zur Aggregation der Daten bietet. Dass dies Fragen des Datenschutzes und damit neben ethischen auch spezifisch rechtliche Aspekte auf den Plan ruft, ist konsequent. Hier lohnt die gesundheitswissenschaftliche und gesundheitsrechtliche Inspiration durch Erkenntnisse des Datenschutzes aus anderen Bereichen. Insbesondere das Umweltrecht, das besonders technikbeeinflusst ist, bietet hierfür wertvolle Ansatzpunkte. Diese zu übersetzen und für spezifische medizinische bzw. Gesundheitsversorgungsaspekte fruchtbar zu machen, ist Ziel und Wunsch dieses Bandes.

Den Herausgeberinnen dieses Bandes bleibt deshalb an dieser Stelle der Dank an die Mitwirkenden der Veranstaltung im März 2015. Ohne ihre inspirierenden Beiträge wäre der Anstoß dieser für das Gesundheitswesen so wichtigen Diskussion nicht möglich gewesen. Besonders freut uns, dass die Referenten ihre Beiträge teils auch in erweiterter Form als Schriftfassung vorgelegt haben und es so ermöglichen, den Diskussionsstand und die Erkenntnisse der Veranstaltung einem breiteren Leserpublikum zur Kenntnis zu bringen. Der Band wird zudem abgerundet durch einen ergänzenden Beitrag aus der Perspektive des Datenschutzes, der die angesprochenen Fragen eines noch neu zu konturierenden ← 8 | 9 → Gesundheitsdatenschutzes innovativ vordenkt. Nicht zuletzt gebührt aber auch Dank den Mitarbeitern des Ineges sowohl für die hervorragende und reibungslose Organisation der Veranstaltung als auch die Unterstützung bei der Erstellung des vorgelegten Bandes.

Frankfurt, den 23.03.2016

Astrid Wallrabenstein
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Thomas Althoff / Jubin Dejam / Indra Spiecker gen. Döhmann1

Telematik im Gesundheitswesen

The transport of health data poses many problem for telematics in the German health system. The article illustrates some of them and indicates how problems can be solved in chosen examples.

I.  Einführung

Bei dem Begriff der Telematik handelt es um eine Wortneuschöpfung aus den Worten Telekommunikation und Informatik. Hierunter versteht man eine Technologie, die die Bereiche der Telekommunikation und Informatik verknüpft. Telematik ist damit das Mittel der Informationsverknüpfung von mindestens zwei Informationssystemen mit Hilfe eines Telekommunikationssystems sowie einer speziellen Datenverarbeitung. Der Begriff wurde im Rahmen einer Studie zur Informatisierung der Gesellschaft geprägt.

Telematik befasst sich mit dem Transport und der Erhaltung von – in unserem Fall – medizinischen Daten, nicht jedoch mit deren Entstehung. Die Datenerhebung ist kein Teil der Telematik, allein der Transport über gesicherte Wege fällt hierunter. Eine der gegenwärtig größten Schwierigkeiten der Telematik liegt darin, dass die maßgeblichen zugrundeliegenden Gesetze – in der Bundesrepublik Deutschland ebenso wie in der Europäischen Union – ihren Ursprung im analogen Zeitalter haben. Hierzu gehören u.a. das Fernmeldegeheimnis, der Beschlagnahmeschutz, das Schriftformerfordernis und das Urheberrecht. Immerhin muss man dem Urheberrecht zugutehalten, dass es als Ausnahme inmitten der anderen genannten Rechtsgebiete insoweit eine Sonderrolle einnimmt, als es eine besondere Dynamik der Digitalisierung aufweist und sich zunehmend mit den daraus resultierenden Problemlagen befasst. Demgegenüber bildet in den anderen Rechtsgebieten die analoge Papierform die zentrale Grundlage der rechtlichen Regelungen. Für einige der besonders aktuellen technologischen Neuerungen, einschließlich der in ihnen zum Ausdruck kommenden neuen Probleme wie etwa die elektronische Patientenakte, das Cloud Computing, die IT Telefonie und die Sozialen Netzwerke, scheint es keine spezifischen gesetzlichen Regelungen zu geben. Auf sie werden weiterhin auf analoge Verfahren zugeschnittene Regelungen des analogen Zeitalters angewendet. Dies führt zu ← 11 | 12 → Widersprüchen und Unzulänglichkeiten der Regelungen, soweit sie auf digitale Sachverhalte angewendet werden.

II.  Praktische Unterschiede zwischen analoger und digitaler Form

Die Praxis – und dies nicht nur im Gesundheitswesen – sieht sich daher mit erheblichen Problemen konfrontiert. Ursache hierfür ist, dass sich die analoge und digitale Welt in den tatsächlichen Gesetzmäßigkeiten ganz erheblich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede treten insbesondere bei der Vervielfältigung, Lagerung und Sicherung von Inhalten hervor. Man kann durchaus sagen, dass das größte Plus der elektronischen Datenverarbeitung gleichzeitig auch ihr größtes Minus ist.

1.  Vervielfältigung und Speicherung

Zusammenfassung

IT-Lösungen halten Einzug in das Gesundheitswesen. Die Bandbreite reicht von Software-Anwendungen und Telematik über Big Data bis hin zum Einsatz von Robotik in Diagnostik, Therapie und Pflege. Das Gesundheitswesen muss sich mit den Folgen dieser neuen Technologien und Anwendungen auseinandersetzen. Hierzu gehören datenschutzrechtliche Probleme ebenso wie verfassungsrechtliche, technische und ethisch-moralische Fragen, die Sammlung und Vernetzung dieser besonders geschützten sensiblen Daten aufwerfen. Dieser Band trägt zu Analyse und Diskussion aus interdisziplinärer und praxisorientierter Sicht bei. Er erkennt Konfliktfelder frühzeitig und ermöglicht, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Gefordert sind dabei Juristen und Informatiker ebenso wie Leistungserbringer und Krankenversicherer.

Details

Seiten
185
ISBN (PDF)
9783653070927
ISBN (ePUB)
9783653957488
ISBN (MOBI)
9783653957471
ISBN (Hardcover)
9783631675649
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Juni)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2016. 185 S., 12 s/w Abb.

Biographische Angaben

Indra Spiecker gen. Döhmann (Band-Herausgeber:in) Astrid Wallrabenstein (Band-Herausgeber:in)

Indra Spiecker genannt Döhmann ist Professorin für Öffentliches Recht, Informations- und Umweltrecht sowie Verwaltungswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie ist Direktorin des Instituts für Europäische Gesundheitspolitik und Sozialrecht (ineges) und der Forschungsstelle Datenschutz (ebenda). Astrid Wallrabenstein ist Professorin für Öffentliches Recht und Direktorin des Instituts für Europäische Gesundheitspolitik und Sozialrecht (ineges) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zudem ist sie Mitglied des Sozialbeirats der Bundesregierung und Richterin am Hessischen Landessozialgericht.

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